BEW rudert bei Holzheizkraftplänen zurück
Berlin (energate) - Die Berliner Energie und Wärme (BEW) hat ihr erstes vollständiges Geschäftsjahr nach der Rekommunalisierung im Jahr 2024 abgeschlossen. Der Jahresüberschuss von gut 80 Mio. Euro übertrifft das Vorjahrsergebnis mit 15,8 Mio. Euro um ein Vielfaches. Zurückzuführen ist das positive Ergebnis unter anderem auf einen gestiegenen Wärmeabsatz (Plus 8,8 Prozent) in einem besonders langen und frostigen Winter. Demgegenüber stehen gesunkene Bezugskosten und ein effizienterer Anlageneinsatz. Auch die Kundinnen und Kunden haben davon profitiert: Die Fernwärmepreise in der Hauptstadt waren 2025 leicht rückläufig. Für die Zukunft bis 2030 strebt Christian Feuerherd, Vorsitzender der BEW-Geschäftsführung, weiterhin stabile Preise im Rahmen der Inflationsrate an. Mit Blick auf die Zukunft hat das landeseigene Unternehmen auch seinen Dekarbonisierungsfahrplan überarbeitet. Bei den umstrittenen Plänen zum Ausbau von Holzheizkraft rudert die BEW vorerst zurück.
Der Wärmeversorger setzte in seinem bisherigen Dekarbonisierungsfahrplan aus dem Jahr 2023 verstärkt auf Biomasse. Die zwei im Rückbau befindlichen Kohlekraftwerke Reuter West und Klingenberg sollten zu Holzheizkraftwerken umgerüstet werden. 17 Prozent der Fernwärme sollten darüber bis 2030 abgedeckt werden. Gegen diese Pläne liefen allerdings Umweltverbände und die grüne Opposition im Berliner Senat Sturm. Sie störten sich vor allem an den Mengen, die verbrannt werden sollten. Allein in Klingenberg im Berliner Osten hätten pro Jahr etwa 260.000 Tonnen Altholz verbrannt werden sollen. Der BUND hatte Anfang dieses Jahres ein Gutachten veröffentlicht, wonach die Umrüstung auch genehmigungsrechtlich schwierig geworden wäre. Zentrale Punkte des Klima- und Immissionsschutzrechts wären verletzt worden.
Holzheizkraftwerk Klingenberg vom Tisch
Im neuen Fahrplan für den Kohleausstieg 2030 soll die Biomasse nun nur noch etwa 8 Prozent zur Erreichung der Klimaziele beitragen. Die Holzpläne für den Standort Klingenberg sind zwar vorerst vom Tisch, in Reuter West könnte die Biomasse in Form von Holz allerdings zum Einsatz kommen.
Von der Opposition kommt daher prompt erneut Kritik: Die Entscheidung des Senats, am Holzheizkraftwerk Reuter West festzuhalten, sei ein schwerer Fehler, kommentiert Werner Graf, Fraktionsvorsitzender der Berliner Grünen. Allein in Reuter West würde jedes Jahr eine Holzmenge verbrannt, die etwa dem Dreifachen des Tiergartens entspräche. Die benötigten Holzmengen könnten nicht aus der Region gedeckt werden, sondern müssten teilweise importiert werden. "Berlin macht sich dadurch weiter abhängig von Autokraten, Diktatoren und den derzeit explodierenden internationalen Holzpreisen. Die Rechnung zahlen am Ende die Berlinerinnen und Berliner", so Graf. Darüber hinaus kommentierte Eric Häuberlein vom Nabu, dass es der BEW und dem Senat bislang noch der Mut fehle, "neue Pfade zu beschreiten und stärker auf Großwärmepumpen und Geothermie zu setzen".
Wasserstoff frühestens ab 2035
Ansonsten ändert sich bei der Dekarbonisierungsstrategie der BEW bis 2030 wenig. Die fehlende Biomasse soll durch mehr Power-to-Heat und Abwärme aus neuen Rechenzentren kompensiert werden. Die Emissionen sollen so im Vergleich zu 1990 um 80 Prozent sinken, der Einsatz von Erdgas um 20 Prozent weniger werden. Der Anteil der Erneuerbaren soll auf 40 Prozent steigen.
Bis zur Klimaneutralität 2045 verfolgt die BEW dann eine weit vagere Strategie. Man müsse sich der dynamischen Lage anpassen, begründet BEW-Vorsitzender Feuerherd die Neuausrichtung. Damit spielt er sowohl auf die geopolitischen Veränderungen an als auch auf den technologischen Fortschritt, der systematisch unterschätzt werde. Die Szenarien ab 2035 reichen von einem Wasserstoffszenario bis hin zu einer weitgehenden Vermeidung von H2. Ein Mittelweg sieht wohl 30 Prozent Wasserstoff im Wärmenetz bis 2045 vor. Dazu Solarthermie und Geothermie mit jeweils 11 und 23 Prozent. Die umstrittene Biomasse soll zu maximal 15 Prozent eingesetzt werden.
All das wird das landeseigene Unternehmen bis 2030 etwa 3,5 Mrd. Euro kosten. Allein 2025 wurden 417 Mio. Euro in Versorgungssicherheit und grüne Transformation investiert. Mit einem Ebit von 100,9 Mio. Euro und einer Eigenkapitalquote von 56 Prozent hat der Wärmeversorger eine solide Basis geschaffen, um die anstehenden Investitionen zu stemmen. Vorerst ist es dem Unternehmen gelungen, eine Zwischenfinanzierung von 1,1 Mrd. Euro bei verschiedenen Banken abzuschließen. Außerdem schießt das Land Berlin als 100-prozentige Anteilseignerin 550 Mio. Euro bis zum Ende der Dekade zu. /lm