Baustart für Wasserstoffprojekt in Mechernich
Köln (energate) - Das Verkehrsunternehmen Regionalverkehr Köln (RVK) geht mit seinem Wasserstoffprojekt in der Eifel in die Umsetzung. Die Pläne für den Bau einer eigenen Erzeugungsanlage in Mechernich liegen seit gut einem Jahr auf dem Tisch. Nun ist auf dem Gelände des dort entstehenden Aus- und Weiterbildungszentrums für digitale und klimaneutrale Mobilität (AWM) der symbolische Spatenstich zur Errichtung eines Elektrolyseurs sowie einer H2-Tankstelle erfolgt. Der Elektrolyseur vom Hersteller Quest One solle künftig 36 Kilogramm Wasserstoff in der Stunde produzieren, teilte das Unternehmen dazu mit.
Dieser werde in erster Linie in den Bussen der RVK zum Einsatz kommen, aber auch privaten Nutzern zur Verfügung stehen, hieß es. Das Konzept mache das Gesamtvorhaben wirtschaftlicher, erklärte RVK-Geschäftsführer Marcel Frank. Denn durch die Produktion von grünem Wasserstoff kann sich die RVK am THG-Quotenhandel beteiligen. "Die Erlöse werden sich positiv auf die Betriebskosten unserer Wasserstoffbusflotte auswirken", so Frank. Komplettiert wird das Vorhaben durch die Abwärmenutzung des Elektrolyseurs. Diese soll später als Nahwärme für die Beheizung der Gebäude des AWM dienen. Die befindet sich allerdings noch in der Planungsphase. Der Baubeginn ist frühestens für Mitte 2027 vorgesehen.
RVK: Wasserstoff ist wichtiges Schlüsselelement
Für die RVK ist der Einstieg in die Wasserstofferzeugung der nächste logische Schritt. Das Unternehmen bringt bereits über zehn Jahre Erfahrung beim Betrieb von H2-Bussen mit. Mittlerweile ist Wasserstoff ein wichtiges Schlüsselelement im Antriebsmix, führte Geschäftsführer Frank schon im vergangenen Jahr im energate-Interview aus. Jüngst war die RVK durch die neuesten Zukäufe zum größten H2-Busflottenbetreiber Europas aufgestiegen.
Ein solcher Bus besitzt in der Regel einen Tank mit einem Fassungsvermögen von 16 Kilogramm Wasserstoff. Die RVK produziert in Mechernich künftig also pro Stunde etwas mehr als zwei Tankfüllungen. Was nicht direkt genutzt wird, sollen entsprechende Tanks vor Ort dann vorhalten. An der Tankstelle selbst sind zwei Säulen mit einer Druckleistung von 350 bar für die Betankung von Bussen geplant. Hinzu kommt eine Säule mit einer Druckleistung von 700 bar für PKW und LKW.
Grünstromausschreibung läuft
Für den Bau der Wasserstofftankstelle und des Elektrolyseurs hatte die RVK zwei Förderanträge gestellt, die inzwischen bewilligt sind. Aus Mitteln des Bundesministeriums für Verkehr erhält das Projekt zusammen rund 15,1 Mio. Euro - 7,9 Mio. Euro für die Tankstelle und 3,1 Mio. Euro für den Elektrolyseur. Für die Planung und Errichtung der Anlage ist die Hamburger Ingenieurgesellschaft Ingenion zuständig. Betreiben wird sie nach der Fertigstellung die RVK selbst. Die ersten Komponenten seien bereits an der Produktionsstätte angekommen, hieß es. Zudem laufe die Ausschreibung für die grüne Stromversorgung des Elektrolyseurs.
Mechernich wird dann eine von zwei Anlagen sein, mit denen die RVK grünen Wasserstoff selbst produziert. Eine weitere mit 2 MW Leistung entsteht parallel in Bergisch Gladbach. Die Inbetriebnahme beider Anlagen ist für Ende des Jahres 2026 vorgesehen. /ml