Batteriespeicher schlagen den klassischen Netzausbau
Berlin (energate) - Während das Bundeswirtschaftsministerium mit dem Netzpaket den Netzausbau und den Erneuerbarenausbau in Einklang bringen will, beschäftigt Praktiker vor Ort mitunter längst eine andere Frage: Können Batteriespeicher eine Ergänzung oder gar sinnvolle Alternative zum klassischen Netzausbau sein? Eine Studie, die die Stadtwerke Osnabrück momentan zusammen mit der Unternehmensberatung Arthur D. Little erstellen, zeigt: Das ist der Fall.
"Es ist technisch möglich und macht auch wirtschaftlich Sinn", sagte Olaf Geyer, Head of Energy bei Arthur D. Little, im Interview mit energate. Die Kosten des Batteriespeichers lägen in den untersuchten Fallbeispielen zwischen 50 und 80 Prozent unter den Kosten des klassischen Netzausbaus. "Was aber noch viel spannender ist: Ein Batteriespeicher ist rund zwei bis drei Jahre schneller zu bauen als ein Netzausbau", so Geyer.
Das Problem sei aber, dass Markt und Netz heute noch nach unterschiedlichen Logiken funktionieren würden. Die beiden Perspektiven seien technologisch durchaus lösbar, aber regulatorisch, prozessual und abrechnungsseitig noch nicht sauber zusammengebracht. "Solange die Netzdienlichkeit von Batteriespeichern schwer realisierbar und kaum vergütbar ist, werden sie bei Investitionsentscheidungen nachrangig behandelt", so Geyer.
Heute sichere Variante: dickere Kabel
Daniel Waschow, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Osnabrück, plant derzeit noch keine konkreten Investitionen in netzdienliche Speicher. Ausgeschlossen seien diese aber nicht. "Wir beschäftigen uns derzeit intensiv mit Investitionen in klassische, handelsorientierte Speicher", sagte Waschow im Rahmen der energate-Sommerserie "Politik trifft Praxis". Das sei ein inzwischen etabliertes Geschäftsmodell. Auch er sieht den regulatorischen Rahmen für netzdienliche Speicher noch nicht passend. Heute würden sich Stadtwerke für die sichere Variante entscheiden: dickere Kabel.
"Die bestehenden Regelungen sind schon ein paar Tage älter", so Waschow. "Wir müssen anfangen, unter den neuen Gegebenheiten und Zielsetzungen anders zu denken, zum Beispiel indem man sagt: Lieber Netzbetreiber, du kannst ohne größere Probleme in einen Speicher investieren, wenn du ihn rein netzdienlich betreibst." Kostenintensiver und zeitintensiver Netzausbau würde damit vermieden. Den zweiten Schritt, den Speicher marktlich zu nutzen, müsse ja nicht zwingend der Netzbetreiber selbst machen. Das könne er ausschreiben.
Netze als DNA der Stadtwerke
Für Waschow ist es zunächst eine positive Botschaft, dass sich die Politik nun fokussiert mit Netzfragen befasst. Netze seien für kommunale Unternehmen nicht nur aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten interessant. Sie würden das Rückgrat vieler Stadtwerke bilden und deren DNA verkörpern: die Verbundenheit mit Städten und Regionen, Versorgungssicherheit und Netzstabilität. "Im Netzthema steckt ganz viel kommunale Daseinsvorsorge", so Waschow.
Der derzeitige Kompromiss beim Netzpaket der Bundesregierung geht für den Stadtwerke-Chef in die richtige Richtung - zumindest aus Perspektive eines städtischen Verteilnetzbetreibers. "Wir bekommen die Möglichkeit, Anschlusskapazitäten auf Basis der maximalen Spitzen der letzten drei Jahre quasi zu deckeln", sagte er. Es würden erhebliche Reserven und Puffer in Netzanschlussleistungen eingeplant - oft weil Kunden gar nicht wüssten, welche Leistungen sie eigentlich bestellt hätten, weil es kein wirklicher Engpass und kein Kostentreiber sei. "Ich glaube, die Freigabe ungenutzter Kapazitäten entwickelt eine Steuerungswirkung und schafft mehr Transparenz", sagte Waschow.
Es kann keiner alleine machen
Bis 2031 planen die Stadtwerke Osnabrück bei den Stromnetzen rund 120 bis 130 Mio. Euro zu investieren. Noch größere Summen sind für die Wasserinfrastruktur erforderlich. Mit beiden Vorhaben ist viel Bürokratie verbunden. Von der Stadt fühlt sich Waschow durchaus unterstützt. Dies beziehe sich nicht nur auf das Netzthema und Finanzierungsfragen, sondern auch auf Aufbruchgenehmigungen für Tiefbauarbeiten, Baugenehmigungen und ÖPNV-Umleitungen. "Akzeptanz für solche Vorhaben entsteht vor allem darüber, wie gut man das im Zusammenspiel mit der Stadt organisiert", so Waschow.
Die Frage, was politisch geschehen muss, um Flexibilität voranzubringen, und wer das vor Ort orchestrieren soll, beantworten beide einhellig: Es wird keiner alleine machen. Aber das Stadtwerk habe eine besondere Stärke: Es bringe den lokalen Kontext, die Kundennähe, die Erzeugung und das Netz-Know-how zusammen. "Einem Stadtwerk kann deshalb sehr wohl eine Orchestratorrolle zukommen: marktbasiert, wo möglich, netzdienlich, wo nötig", sagte Unternehmensberater Geyer. Aber auch Markt und Netzbetreiber müssten ihre Rolle spielen. "Und das ist auch gut so, weil damit auch Investitionslasten verteilt werden", so Waschow. /ck
Das komplette Interview mit Daniel Waschow, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Osnabrück, und Olaf Geyer, Head of Energy bei Arthur D. Little, lesen Sie im heutigen Add-On Strom. Hier geht es zur energate-Sommerserie mit allen bisher veröffentlichen Interviews.