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Amprion soll bis 2031 ein weiteres RWE-Standbein werden

Essen (energate) - Der Aufstieg zum Mehrheitseigner bei Amprion bedeutet für RWE einen substanziellen Strategieschwenk. Deutschlands zweitgrößter Übertragungsnetzbetreiber soll fortan der dritte große Investitionsschwerpunkt im RWE-Geschäftsmodell sein und so bis 2031 930 Mio. Euro zum Gesamtergebnis des Essener Konzerns beitragen. Das machte der CEO Markus Krebber bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz im Anschluss an eine über Nacht vollzogene Kapitalerhöhung deutlich, mit der sich das Unternehmen kurzfristig den nötigen finanziellen Spielraum verschafft. "Wir sehen regulierte Netzinfrastruktur als perfekte Ergänzung zu unserem Portfolio." RWE werde somit resilienter, sagte er.   

 

Die Kapitalmaßnahme sei mehrfach überzeichnet gewesen und brachte dem Essener Konzern "mehr als 4 Mrd. Euro", so Krebber. Unter Hinzunahme von "etwas Fremdkapital" sei die Anteilsaufstockung auf eine Mehrheit von 55 Prozent bereits "vollständig durchfinanziert", betonte er. Vorbehaltlich ausstehender Genehmigungen rechnet RWE damit, das Geschäft bis Ende September zu vollziehen.  

 

Growing-Green-Investitionen laufen parallel unverändert weiter

 

Das Investitionsprogramm Growing Green bleibe davon unberührt, erklärte der Vorstandschef. Diese mehrfach angepasste Strategieagenda sieht aktuell vor, bis 2035 35 Mrd. Euro in neue Gaskraftwerke, Batteriespeicher und den Erneuerbarenausbau in Europa und den USA zu investieren. Dabei sieht RWE-Chef Krebber den just vereinbarten Zukauf von 35 Prozent aller Aktien des Dortmunder Übertragungsnetzbetreibers für 3,6 Mrd. Euro nicht als strategische Kehrtwende, sondern "als konsequente Weiterentwicklung unserer Strategie". Gleichwohl räumte er ein, dass der Umgang von RWE mit der Amprion-Beteiligung in der jüngeren Vergangenheit von außen "verwirrend" erscheinen könnte.

 

Zur Einordnung: Gut 15 Jahre lang waren die Essener bei Amprion als großer Minderheitseigner mit einer Sperrminorität von 25,1 Prozent engagiert. Dazu war es gekommen, weil der Konzern aufgrund von EU-Unbundling-Regeln knapp 75 Prozent von Amprion an das Investorenkonsortium M31 verkauft hatte. Vor gut zwei Jahren hatte RWE schließlich eine strategische Überprüfung der Beteiligung angestoßen, an deren Ende der Einstieg des US-Vermögensverwalters Apollo stand. Seit Ende 2025 sind die Amerikaner offiziell Mitgesellschafter eines Joint Ventures, an dem RWE heute 80 Prozent aller Anteile hält. Den Schritt in diese Partnerschaft hatte das RWE-Management stets mit dem absehbar immensen Kapitalbedarf bei Amprion begründet. Dieser liegt nach aktuellen Planungen bei 42 Mrd. Euro bis 2030.

 

Krebber: "Günstiges Zeitfenster genutzt"

 

Das Konstrukt mit dem US-Investor sei auf die bewusste Entscheidung gefolgt, als Amprion-Gesellschafter an Bord zu bleiben, erläuterte Krebber: "Wir haben vor zwei Jahren intensiv ins Übertragungsnetz reingeguckt und gesagt, das ist attraktiv. Wir wollen den Anteil an Amprion nicht verkaufen." Die Partnerschaft mit Apollo sei der günstigste Weg gewesen, diesen Plan im damaligen Kapitalmarktumfeld umzusetzen, stellte er klar. Das aktuelle Marktumfeld wiederum habe eine Gelegenheit eröffnet, kurzfristig aufzustocken. Weil einzelne M31-Konsorten Anteile verkaufen wollten und RWE Vorkaufsrechte hatte, die unter Umständen verfallen wären, nutzte der Konzern das "günstige Zeitfenster", führte Krebber aus. 

 

Weitere Aufstockung möglich

 

Ohnedies bestehe "bis zum Ende der Dekade" die Option, die Beteiligung von Apollo an Amprion "zurückzuholen", blickte der CEO voraus. Dabei geht es Krebber zufolge nach dem Vollzug der Transaktion um 5 Prozent, die dann noch bei Apollo liegen, während die bei M31 engagierten Versicherungen und Pensionskassen dann noch 40 Prozent an Amprion halten. Dass Unbundling-Regeln der Aufstockung im Wege stehen könnten, schloss der CEO mit Verweis auf vergleichbare Eigentümerstrukturen im Verteilnetz bei Stadtwerken und auf die EnBW-Tochter Transnet BW aus.

 

Wegen der bestehenden Entflechtungsvorgaben am Strommarkt regte sich allerdings umgehend Kritik aus der Erneuerbarenbranche: "Wer Kraftwerke baut und betreibt, sollte nicht zugleich über die Netzinfrastruktur verfügen an der diese angeschlossen werden", erklärte der Branchenverband BNE gegenüber energate. Dieser Unbundling-Grundsatz werde in der neuen Konstellation "verwischt", hieß es: "Problematische Interessenoptimierung scheint vorprogrammiert", konstatierte der Verband. Das Gesellschafterkonsortium M31 sieht in der Aufstockung durch RWE als Amprion-Gesellschafter indes die Fortsetzung einer langjährigen "guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit", erklärte das Konsortium gegenüber energate.

 

Veränderte Aktionärsstruktur bei RWE

 

Wegen der Kapitalerhöhung bei RWE verändert sich mit der Transaktion auch die Anteilseigenstruktur bei RWE selbst. Dabei werde der norwegische Staatsfonds Norges seine Beteiligung an dem Essener Konzern deutlich ausbauen, verriet Krebber auf Nachfrage. Der Anteil des Emirats Katar werde künftig nahezu unverändert bei rund 10 Prozent liegen, während bei RWE engagierte kommunale Anteilseigner fortan rund 12 Prozent aller Anteile halten, sagte Krebber. /pa

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