Zum InhaltZum Cookiehinweis

RSS Feed

Zuckerbrot und Peitsche für Speicherbetreiber

Berlin (energate) - Ein anderes Design der Netzentgelte könnte die Netzdienlichkeit von Batteriespeichern erhöhen. Ein Diskussionspapier bringt dafür nun dynamische Arbeitspreise ins Gespräch. Diese könnten von den Netzbetreibern täglich festgelegt werden und zu einer deutlichen Senkung der Redispatch-Kosten führen, heißt es in dem für den Speicherprojektierer Eco Stor erstellten Papier "Netzentgelte für Großbatterien" des Beratungsunternehmens Neon.

 

Konkret schlagen die Autoren vor, dass Speicherbetreiber 10 Cent/kWh bezahlen müssen, wenn sie Strom aus dem Netz beziehen, obwohl dieses eigentlich Energie benötigt (positiver Redispatch). Speichern sie hingegen in solch einer Situation ein, erhalten sie 10 Cent/kWh. Ist zu viel Strom im Netz und also negativer Redispatch notwendig, müssten Betreiber von Batteriespeichern 8 Cent/kWh bezahlen, wenn sie in dieser Netzsituation ausspeichern. Beziehen sie hingegen dann Strom aus dem Netz und stabilisieren es so, erhalten sie 8 Cent/kWh. Bei der Höhe der Kosten orientieren sich die Neon-Autoren Lion Hirth und Clemens Lohr an den durchschnittlichen Redispatchkosten. Gleichzeitig regen sie an, das System der dynamischen Netzentgelte in einem ersten Schritt nur auf Stand-alone-Speicher anzuwenden. Co-located Speicher, also solche, die abhängig von Erzeugungsanlagen wie Solarparks oder von Verbrauchern wie Fabriken errichtet wurden, könnten zunächst ausgenommen werden.

 

Kostensenkende Wirkung steigt um 500 Prozent

 

Zwar sänken bereits im heutigen System Batterien die Kosten für den Redispatch leicht, heißt es in der Analyse. Es wird aber auch deutlich: Diese Kostensenkung fällt nur gering aus und ist zudem rein zufällig. Demgegenüber liege die kostensenkende Wirkung durch einen dynamischen Arbeitspreis für Batteriespeicher um 500 Prozent über einem System ohne Netzkosten, wie wir es derzeit haben. Auch die Wohlfahrtseffekte insgesamt stiegen durch ein solches Modell - und zwar um 30 Prozent. Die Betreiber von Speicheranlagen profitierten ebenfalls. Zwar sänken ihre Erlöse aus dem Stromhandel. Dies könnten sie aber durch Netto-Einnahmen aus den Netzentgelten überkompensieren. Für die Netzbetreiber seien die vorgeschlagenen dynamischen Netzentgelte hingegen ein Nullsummenspiel, da in diesem Fall die Netzbetreiber die gesunkenen Redispatch-Kosten an die Speicherbetreiber weitergeben.

 

Bei anderen Varianten erhielten hingegen auch die Netzbetreiber Mehreinnahmen, etwa wenn die Batteriebetreiber nur für netzschädigendes Verhalten bestraft, für netzdienliches Verhalten aber nicht belohnt würden. Die Autoren mahnen aber, dies würde die Attraktivität von Großspeichern massiv beeinträchtigen. Und diese seien perspektivisch auch für die Versorgungssicherheit von Bedeutung. Neben einem dynamischen Arbeitspreis bewerten die Autoren auch drei andere Varianten: kein Netzentgelt, einen statischen Arbeitspreis sowie einen Leistungspreis, stellen ihnen aber weniger gute Zeugnisse aus. 

 

Entgeltbefreiung läuft noch bis 2029

 

Stromspeicher, die vor dem 4. August 2029 ihren Betrieb aufnehmen, sind von Netznutzungsentgelten befreit. Sie müssen aber einen Baukostenzuschuss an die Netzbetreiber zahlen. Netzbetreiber haben wiederholt beklagt, dass Speicherbetreiber Netzengpässe zum Teil noch verschlimmerten. Einige Speicherbetreiber hielten dem entgegen, Batteriespeicher seien per se netzdienlich. Das dies nicht so ist, zeigt das Diskussionspapier an einem Beispiel. So könne ein norddeutscher Batteriespeicher das Netz zusätzlich belasten, wenn es morgens und abends - wenn die Preise für Strom in der Regel höher sind - Strom ins Netz einspeisen, obwohl dieses aufgrund einer hohen Windkrafteinspeisung ohnehin schon "übervoll" sei.

 

Das Diskussionspapier "Netzentgelte für Großbatterien" ist explizit ein Konsultationsbeitrag für AgNes. Unter diesen Namen überarbeitet die Bundesnetzagentur zurzeit die Entgelte für die Stromnetze und hat dabei auch die Großspeicher im Blick. Achim Zerres, Abteilungsleiter Energie bei der BNetzA, hatte in diesem Zusammenhang die Speicherbetreiber explizit dazu aufgefordert, sich mit detaillierten Vorschlägen in den Prozess einzubringen, anstatt nur zu meckern. Der Auftraggeber des Diskussionspapiers, Eco Stor, hatte im Mai an der Nähe zu Dänemark einen Großspeicher in Betrieb genommen, den er auch nach netzdienlichen Aspekten fährt. /sd

Zurück