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"Wir brauchen über das gesamte Netz komplette Transparenz"

Freiburg (energate) - Netzausbau und -ertüchtigung sind für die Betreiber Mammutaufgaben. Wie es vor Ort in Freiburg aussieht und wie Digitalisierung helfen kann, darüber sprach energate mit Eva Weikl. Sie ist noch Geschäftsführerin von Badenova Netze, im Sommer wechselt sie nach Erlangen. Bei der Badenova schaut Weikl nicht nur auf die Netze an sich, sondern auch auf das damit verbundene Workflow-Management. 

 

energate: Wie groß ist der Netzausbaubedarf bei der Badenova?

 

Weikl: Wir rechnen bis 2040 mit einem Investitionsvolumen von 1,2 Milliarden Euro nur für das Stromnetz. Insbesondere müssen wir die Zahl unserer Umspannwerke von derzeit sieben auf 15 mehr als verdoppeln.

 

energate: Wie sieht es beim Gasnetz aus?

 

Weikl: Im Gasnetz schauen wir uns unterschiedliche Szenarien an. Auch, um über eine integrierte Infrastrukturplanung zu identifizieren, welche Bereiche eventuell stillgelegt werden müssen. Wir werden aber künftig auch ein großes Wasserstoff-Verteilnetze betreiben. In unserem Netzgebiet werden etwa 70 Kilometer Leitungen des Wasserstoff-Kernnetzes verlaufen. Damit möchten wir Industriestandorte in Südbaden gut mit Wasserstoff versorgen.

 

energate: Wie lässt sich der Stromnetzausbau möglichst gering halten und geschickt managen?

 

Weikl: Wir benötigen eine gesamtheitliche Strategie, für Deutschland. In dieser müssen wir Digitalisierung, Effizienzsteigerung und flexible Systeme miteinander kombinieren. Für diese netzübergreifende Strategie ist es notwendig, dass alle Akteure koordiniert zusammenarbeiten, Verteilnetzbetreiber über Erzeuger und Verbraucher, bis hin zu Kommunen und der Kommunalpolitik. Nur so können wir technologisch und wirtschaftlich alle Potenziale ausschöpfen.

 

energate: Wie kann Digitalisierung hier helfen?

 

Weikl: Digitalisierung hat ein enormes Potenzial, um die Netzkosten zu senken. Zum einen kann es den Netzausbau flankieren und hier zu einer effizienteren und flexibleren Gestaltung des Netzes beitragen. Zum anderen hilft Digitalisierung beim Betrieb und in der Instandhaltung und senkt so Wartungskosten.

 

Mir ist aber eins an dieser Stelle wichtig: So gut und wichtig die Digitalisierung ist, wir werden trotzdem einen deutlichen Netzausbau benötigen. Nur so können wir die Stromversorgung rund um die Uhr gewährleisten. Netzausbau ist Pflicht, Digitalisierung ist Kür. Und beides gehört zusammen.

 

energate: Haben Sie Beispiele für Digitalisierung in Ihrem Netz?

 

Weikl: Daten sind das Gold der Digitalisierung. Wir brauchen über das gesamte Netz komplette Transparenz, das heißt über alle Spannungsebenen bis hin zum Netzanschluss. Intelligente Messsysteme ist hier das Schlagwort. Wir haben uns schon stark mit der Integration der Daten beschäftigt und auch schon mit zwei verschiedenen Softwareentwicklern digitale Zwillinge von unserem Stromnetz aufgebaut. Mithilfe der Daten können wir das Netz besser monitoren. Intelligente Lösungen können sehr schnell Probleme aufspüren. Zudem können wir durch optimierte Einsatzplanung Kosten senken und - was uns auch ganz wichtig ist - die Lebensdauer unserer Netzkomponenten verlängern.

 

Uns geht es aber momentan auch sehr stark um effiziente Betriebsabläufe. Daher beschäftigen wir uns intensiv mit dem Workforce-Management, sowohl was das Netz an sich als auch was das Zählerwesen betrifft. Unser Ziel ist es, nicht nur die technisch gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, sondern auch unseren Betrieb, unseren Einsatz von Ressourcen und Planung durch das Management zu optimieren.

 

energate: Zur Digitalisierung gehört auch der Smart-Meter-Rollout. Da sind sie momentan bei knapp 9 Prozent der Pflichteinbauten, bis Jahresende müssen es 20 Prozent sein. Wie wollen Sie das schaffen?

 

Weikl: Da arbeiten wir momentan mit Hochdruck daran, auch an dem damit verbundenen Workforce-Management und unseren Kundenprozessen. Wir kooperieren dazu auch mit der TMZ aus Thüringen, die uns beim Rollout unterstützt.

 

energate: Und glauben Sie, dass Sie die 20 Prozent bis Jahresende schaffen?

 

Weikl: Wir werden mit allem, was wir haben, daran arbeiten, dass es gelingt.

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