Windkraftauktion erneut massiv überzeichnet
Bonn/Berlin (energate) - Die Bundesnetzagentur verzeichnet erneut eine starke Nachfrage nach Windenergie an Land. Die Ausschreibung zum 1. Februar 2026 war deutlich überzeichnet, während die parallele Runde für Aufdach‑Solaranlagen klar unterzeichnet blieb. Dies geht aus den am 31. März veröffentlichten Ergebnissen hervor. Gleichzeitig verschärft sich die politische Debatte über künftige Ausschreibungsvolumina und die Auswirkungen des geplanten Netzpakets auf Investitionen in Erneuerbare.
Für Wind an Land standen 3.445 MW zur Verfügung. Eingereicht wurden 924 Gebote mit zusammen 7.858 MW, mehr als doppelt so viel wie ausgeschrieben. Die Bundesnetzagentur erteilte 439 Zuschläge über das komplette Ausschreibungsvolumen, 24 Gebote schloss sie aus.
Die Zuschlagswerte lagen zwischen 5,19 und 5,64 Cent/kWh. Der durchschnittliche Wert fiel auf 5,54 Cent/kWh und damit auf den niedrigsten Stand seit Februar 2018. In der Vorrunde waren es 6,06 Cent/kWh. Im Februar 2025 lag der Wert noch bei 7 Cent/kWh und sank somit innerhalb eines Jahres um knapp 21 Prozent. Besonders erfolgreich waren Projekte in Niedersachsen (957 MW), Nordrhein‑Westfalen (661 MW), Sachsen‑Anhalt (438 MW) und Brandenburg (396 MW). Auf Bayern und Baden‑Württemberg entfielen nur rund 2 Prozent. Zu den erfolgreichen Bietern gehören etwa Juwi, Enercity, UKA, EnBW, WPD, Enertrag oder die Stadtwerke Hamm.
Sechs Zuschläge unter Widerrufsvorbehalt
Der Bundesverband Windenergie (BWE) zeigte sich besorgt über die geringe Zahl süddeutscher Zuschläge. "Bund und Länder müssen jetzt schnell für mehr Investitionssicherheit sorgen", sagte BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek. Dem geplanten Redispatch-Vorbehalt müsse eine "klare Absage" erteilt werden, fuhr sie fort. Kritisch sieht der Verband außerdem sechs Zuschläge unter Widerrufsvorbehalt. Hintergrund seien Gebote von Bietern, die gleichzeitig Klageverfahren vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf zur Ausschreibungsrunde vom August 2025 führen. Sollte das Gericht diesen Bietern nachträglich einen Zuschlag zusprechen, müssten die im Februar 2026 vergebenen Zuschläge widerrufen werden. Das betreffende Volumen würde dann in der nächsten Ausschreibungsrunde erneut ausgeschrieben. Für diese Fälle brauche es in der EEG‑Novelle eine Lösung, um Unsicherheiten zu beseitigen, sagte Heidebroek.
Die Ergebnisse fallen in eine energiepolitisch aufgeladene Phase. Julia Verlinden, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, lobte die hohe Windnachfrage: "Das zeigt uns, wie gut diese Branche sich entwickelt hat und welche Erfolgsgeschichte die Energiewende schreibt." Sie warnte jedoch, das von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) geplante Netzpaket könne "die Finanzierung für jedes Windenergieprojekt in Deutschland" gefährden. Eine Studie des Beratungsunternehmens Enervis bezifferte jüngst potenzielle Investitionsrisiken auf 45 Mrd. Euro für Projekte mit 32 GW Leistung.
Forderungen nach höheren Ausschreibungsmengen
Verlinden forderte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) auf, "Reiches Bremser‑Vorhaben niemals zuzustimmen" und stattdessen angekündigte Sonderausschreibungen rasch umzusetzen.
Die starke Überzeichnung bewertet der BWE als Beleg für eine leistungsfähige Projektpipeline. "Die Genehmigungen sind vorhanden und die Investoren stehen bereit", sagte Heidebroek. Um die von der Bundesregierung in Aussicht gestellten zusätzlichen 12 GW Wind an Land bis 2030 zu erreichen, müsse das zusätzliche Ausschreibungsvolumen "jetzt schnell kommen".
Umweltminister Schneider kündigte kürzlich an, 12 GW zusätzliche Windkraft an Land auszuschreiben. "Es ist uns gelungen, den Erneuerbaren neuen Schub zu verleihen", sagte er auf dem SPD‑Klimadialog. Eine solche Sonderausschreibung wäre auch eine Antwort auf die seit 2025 anhaltenden Überzeichnungen aller vier Ausschreibungstermine. Branchenvertreter und Länder hatten wiederholt gewarnt, dass ohne höhere Volumina ein Realisierungsstau drohe, insbesondere, weil das Februar‑Los die letzte Auktion ist, in die nicht vergebene Mengen früherer Jahre einflossen.
Der Bundesrat fordert eine Extra‑Ausschreibung von 5 GW bereits in diesem Jahr. Verbände begrüßten die Initiative der Länderkammer. BDEW‑Chefin Kerstin Andreae sprach von einem Vorstoß "zur richtigen Zeit", da Deutschland verspätet die nach EEG vorgesehenen 69 GW Wind an Land erst 2026 erreichen werde. Das Ziel von 84 GW bis Ende 2026 sei kaum noch realistisch.
Wettbewerb setzt Projektierer unter Druck
Projektentwicklern bereitet das gegenwärtige Marktumfeld zunehmend Schwierigkeiten. Die zuletzt kontinuierlich fallenden Zuschlagswerte bei den Ausschreibungen drücken auf die Marge der Projektierer. Auf den zunehmenden Wettbewerb in den Ausschreibungen wies auch Hendrik Eichholz von Enervis hin. "Es gibt Projekte, die mittlerweile einmal, zweimal oder dreimal keinen Zuschlag bekommen", sagte er im Januar im Gespräch mit energate. Sinkende Zuschlagswerte setzten viele Entwickler unter Druck, die wirtschaftliche Umsetzung sei nicht mehr in jedem Fall gesichert. In der Folge müssten Projektparameter wie Pachthöhen angepasst werden, im Extremfall sei sogar eine Umgenehmigung des Anlagentyps nötig. Die Zeit der Gewinnoptimierung sei vorbei: "Mittlerweile gehen die Leute eher in die Defensive und schauen, dass sie ihre Projekte tatsächlich in den Auktionen mit einem Zuschlag unterbringen."
Der Projektierer PNE etwa bestätigte gegenüber energate, dass das gegenwärtige Preisniveau strategische Zurückhaltung erfordere. "Wir gehen davon aus, dass mittelfristig die Zuschlagspreise wieder steigen werden", sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Deshalb habe die Februarauktion nicht im Fokus gestanden. PNE sei nur mit einem Projekt an den Start gegangen, "das einen Gebotspreis hatte, bei dem wir davon ausgehen würden, dass er mittelfristig einen Zuschlag bekommt". Das Unternehmen wolle "nicht Projekte um jeden Preis durch die Auktion bringen", sondern eine klare mittelfristige Strategie verfolgen.
Zustimmung aus der Industrie
Aus der Industrie kommt ebenso Zustimmung zu zusätzlichen Ausschreibungen, verbunden mit klaren Erwartungen an die Politik. Die sinkenden Zuschlagswerte zeigten, dass Windenergie "Stromkosten senkt und die Unabhängigkeit von importierten Brennstoffen erhöht", sagte Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer des Maschinenbauverbands VDMA Power Systems.
Er mahnte jedoch fehlende politische Klarheit an. Diese fehle noch immer bei der bevorstehenden EEG‑Novelle und dem Netzanschlusspaket. Für Investitionsentscheidungen sei "ein sicherer Rahmen unverzichtbar". Unsicherheiten gefährdeten nicht nur den Ausbau, sondern auch industrielle Wertschöpfung. Die Windindustrie könne ihre Kapazitäten flexibel an steigende Nachfrage anpassen, so Rendschmidt weiter. Voraussetzung seien jedoch "ein verlässlicher Ausbau und Investitionssicherheit".
Aufdach‑Solar: Unterzeichnete Runde, stabile Preise
Die Ausschreibung für Photovoltaik auf Gebäuden und Lärmschutzwänden blieb deutlich hinter der Nachfrage im Oktober. Für 283 MW meldeten Unternehmen nur 177 MW an. Nach dem Ausschluss von 13 Geboten konnten 85 Projekte mit zusammen 155 MW bezuschlagt werden. Angedacht für die Auktionsrunde waren eigentlich 367 MW. Bislang fehlt aber noch immer die beihilferechtliche Genehmigung des Solarpakets I, das diese Anhebung des Volumens vorsieht.
Die Zuschlagswerte lagen zwischen 7,88 und 10 Cent/kWh, der Durchschnitt bei 9,56 Cent/kWh, leicht unter der Vorrunde (9,66 Cent/kWh) und dem geltenden Höchstwert. Die meisten Zuschläge entfielen auf Nordrhein‑Westfalen (50 MW), gefolgt von Niedersachsen (17 MW) und Brandenburg (17 MW). /mh