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Wind- und PV-Strom zukünftig immer weniger wert

Berlin/Frankfurt am Main (energate) - Die Kannibalisierung der Marktwerte für Windkraft und Photovoltaik wird sich in den kommenden Jahren verschärfen. So könnte der Marktwert Solar im Jahr 2028 bei 37 Euro/MWh liegen, wie aus einer Studie der Unternehmensberatung Enervis im Auftrag des Softwareanbieters Node Energy hervorgeht. Dies entspricht einem Rückgang um mehr als 25 Prozent. Je nach Wetterjahr könnten die Marktwerte sogar noch drastischer sinken, heißt es in der Studie. Auch bei dem Marktwert von Onshore-Wind erwartet Enervis einen Rückgang von bis zu 25 Prozent auf rund 56 Euro/MWh.

 

Speicherausbau kann Rückgang zunächst nicht auffangen

 

Eine klare Absage erteilt die Studie der Hoffnung, dass eine Stabilisierung der Marktwerte durch den Aufbau von Speicherkapazitäten zu erwarten sei. "Auch wenn das Thema Speicher derzeit boomt, steckt der Aufbau noch in den Anfängen und kann mit dem Zuwachs der Erneuerbaren noch nicht Schritt halten", dämpfte Christian Schock, Senior Consultant bei Enervis, die Hoffnungen. Mit einer kurzfristigen Trendumkehr sei daher bei der Kannibalisierung nicht zu rechnen, so Schock weiter.

 

Marktwert Solar sinkt im Mai auf 19,97 Euro/MWh

 

Die Kannibalisierung des Strompreises lässt sich gut an den aktuellen Marktwerten ablesen. Im Mai 2025 sank der Marktwert Solar mit 19,97 Euro/MWh auf den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Im Vormonat lag der Wert noch bei 30,41 Euro/MWh, wie aus aktuellen Daten der Übertragungsnetzbetreiber hervorgeht. Auch der Marktwert für Onshore-Wind nahm im Vergleich zum Vormonat ab. Im April lag der Wert noch bei 73,14 Euro/MWh, im Mai fiel er auf 61,71 Euro/MWh. Auch der durchschnittliche Spotmarktpreis sank deutlich von 77,94 Euro/MWh auf 67,34 Euro/MWh.

 

Der Marktwert hat auch Auswirkungen auf das EEG-Konto. Fällt der Marktwert, sinken die Einnahmen auf dem EEG-Konto. Gleichzeitig steigen bei sinkendem Marktwert auch die Ausgaben, da die ausgezahlte und anlagenspezifische Marktprämie bei sinkendem Marktwert steigen. Im Mai sorgte eine Finanzspritze in Höhe von gut 1,63 Mrd. Euro aus dem Bundeshaushalt dafür, dass der EEG-Kontostand um 132,7 Mio. Euro auf rund 795 Mio. Euro sank. Seit Jahresbeginn hat sich der Überschuss auf dem EEG-Konto etwa halbiert. Im Januar waren noch knapp 1,58 Mrd. Euro auf dem Konto. Seit Jahresbeginn kamen insgesamt 5,02 Mrd. Euro aus dem Bundeshaushalt, um das Konto stabil zu halten. Im gleichen Zeitraum haben Anlagenbetreiber rund 5,85 Mrd. Euro an Vergütungen erhalten.

 

Entwicklung durch Co-Location-Speicher und PPAs entgegenwirken

 

Zur Erinnerung: Der Marktwert spiegelt die Einnahmen aus dem Verkauf von Ökostrom an der Strombörse wider. Im Rahmen der EEG-Förderung wird der Marktwert als Grundlage genommen, um darauf aufbauend eine zusätzliche Förderprämie, die Marktprämie, zu zahlen. Sie stellt die Differenz zwischen dem Marktwert der Einspeisung aus erneuerbaren Energien und einer definierten Förderhöhe dar. Angesichts der Studienergebnisse empfiehlt Node Energy Betreibern von Wind- und Solarparks zwei Strategien, um der negativen Marktentwicklung entgegenzuwirken. So könne der Ausbau von Co-Location-Speichern den individuellen Marktwert von Anlagen verbessern, da die Kannibalisierungseffekte besser ausgeglichen werden.

 

Außerdem empfiehlt Node Energy den Abschluss von Short-Term-PPAs - das Unternehmen bietet diese auch selbst an. "Mit PPAs können sich Betreiber von ausgeförderten und neuen PV-Freiflächenanlagen auf die neuen Rahmenbedingungen vorbereiten und gleichzeitig die Erlössituation ihrer bestehenden Anlagen optimieren", rät Node-Energy-CEO Matthias Karger. Nach Einschätzung des in Frankfurt am Main ansässigen Unternehmens ignorieren bislang noch viele Erneuerbarenbetreiber die Kannibalisierungsgefahr. "Die Hälfte der Betreiber in Deutschland hat noch nicht die Dramatik ihrer künftigen Erlösentwicklung realisiert", so Karger. Bislang verließen sich noch viele Betreiber auf die sicheren EEG-Zahlungen. Spätestens mit Einführung einer marktbasierten Förderung durch das EEG 2027 gilt jedoch für Neuanlagen der Marktwert als entscheidender Faktor.

 

Norwegische Studie blickt etwas optimistischer in die Zukunft

 

Eine Studie des norwegischen Beratungsunternehmens Thema Consulting kam vor Kurzem zu ähnlichen Ergebnissen. Die Thema-Analysten erwarten einen durchschnittlichen Jahresmarktwert von 40 Euro/MWh im Jahr 2030 für Solarstrom - und blicken damit etwas positiver auf die zukünftige Marktwertentwicklung. Zwar werden in Zukunft fast 40 Prozent der Solarstromproduktion in Deutschland auf Stunden mit Null- oder Negativpreisen fallen, so das Ergebnis der Thema-Studie. Jedoch behielte die PV-Stromproduktion in den anderen Monaten einen erheblichen Wert, sodass die Marktwerte im Jahresdurchschnitt nicht komplett abfielen. /rh

 

Die Studie von Enervis kann hier heruntergeladen werden.

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