Warum das Gewerbe Effizienzpotenziale liegen lässt
Berlin (energate) - Es klingt wie ein betriebswirtschaftliches Paradoxon: Wer im aktuellen marktlichen Umfeld energieeffiziente Technologien einsetzt, kann innerhalb kurzer Zeit signifikante Kostenersparnisse erzielen. Trotz dieser einfachen Logik bleiben viele Effizienzpotenziale in Betrieben ungenutzt. Eine neue Studie der Beratungsgesellschaft PWC im Auftrag der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) geht der Sache auf den Grund - mit eklatantem Ergebnis: Viele Unternehmen verschenken nicht nur Energie, sondern bares Geld. Die Gründe sind oft simpel, aber tief in Strukturen verwurzelt.
"Kein Technikproblem, sondern ein Strukturproblem"
Die Studie zeigt anhand des Beispiels der Prozesswärme drei zentrale Hürden, die dem Energiesparen häufig im Wege stünden: falsche Anreize, politische Unsicherheiten und interne Entscheidungslogiken. Selbst hochrentable Investitionen werden der Studie zufolge durch kurzfristige Investitionskriterien, unklare Zuständigkeiten sowie fehlende Planungssicherheit ausgebremst. "Das ist kein Technikproblem, sondern ein Strukturproblem", sagte Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deneff. "Wer Wettbewerbsfähigkeit und industrielle Transformation ernst nimmt, muss die Investitionslogik ändern", so sein Appell.
In der Studie identifizieren die PWC-Berater fünf Handlungsfelder, in denen besonders viele Potenziale brachliegen. Da ist beispielsweise das Themenfeld der Elektrifizierung von Prozesswärme. Industrielle Wärmepumpen können die Abwärme auf ein für Produktionsprozesse nutzbares Niveau heben und somit fossile Dampferzeugung ersetzen - eine effiziente, kosten- und umweltfreundliche Technologie. Doch in der Praxis wird deren Einsatz durch hohe Strompreise und fehlende Netzanschlüsse oftmals verhindert. Ähnlich ergeht es den Hochtemperatur-Wärmespeichern. Diese ermöglichen es, Energie dann aufzunehmen, wenn sie günstig und verfügbar ist, und dann zu nutzen, wenn sie gebraucht wird. Auch diese nützliche Technologie kommt laut PWC bislang kaum zum Einsatz, weil regulatorische Hürden sowie Preisstrukturen ihre Wirtschaftlichkeit schmälern.
Vermeidbare Wärmeverluste bleiben bestehen
Nach wie vor verpufft der Studie zufolge in vielen Betrieben Abwärme ungenutzt, weil die notwendige Infrastruktur bisher nicht gefördert oder nur als Einzelmaßnahme betrachtet wird. Dabei könnten innerbetriebliche Wärmenetze Abwärme systematisch erschließen und langfristig erhebliche Einsparungen ermöglichen. Selbst auf einfache Wärmeisolierungen, die schnell und günstig realisierbar wären, wird der Studie zufolge in vielen Unternehmen verzichtet, weil sie häufig als nachrangig oder gar als lästig betrachtet würden. Die Folge daraus seien vermeidbare Wärmeverluste, die lange Zeit bestehen blieben.
Ebenfalls günstig und schnell könnten intelligentes Energiemanagement sowie geschultes Nutzerverhalten den Energieverbrauch senken. Doch in den Betrieben fehlten dafür häufig die nötige Aufmerksamkeit und Zuständigkeit, um dadurch sparsamer wirtschaften zu können.
Im Fazit betont PWC ein Umsetzungsdefizit bei einfachen Maßnahmen mit hohem Einsparpotenzial. "Obwohl sie geringe Investitionen erfordern und kurze Amortisationszeiten haben, werden sie vielfach nicht umgesetzt", resümieren die Autoren. "Unternehmen sollten ihren Energiebedarf senken, bevor sie neue Erzeugungs- oder Versorgungslösungen aufbauen." Gefordert werden "verlässliche politische Rahmenbedingungen und funktionierende Energiemanagementsysteme", die Transparenz ermöglichen.
Deneff warnt: Effizienzvorgaben nicht abschwächen
Deneff-Chef Noll indes betonte anlässlich der Studienergebnisse die Rolle der Energieeffizienz angesichts der aktuellen Herausforderungen in vielen Wirtschaftsbranchen. Sie sei "der grundlegende Hebel für den wirtschaftlichen Erfolg der Transformation hin zu einer resilienten Industrie". In dem Zuge warnte er die Politik auch davor, das bestehende Energieeffizienzgesetz abzuschwächen. Im Dezember waren Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums publik geworden, die Effizienzvorgaben in dem Gesetz zurückzuschrauben. Dies habe bereits für "erhebliche Verunsicherung und weitere Investitionszurückhaltung" gesorgt, gab die Deneff nun zu bedenken. /Rainer Kreuzer
Die PWC-Kurzstudie "Prozesswärme in der Industrie - Investitionsentscheidungen verstehen" können Sie online einsehen.