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Wärmewende von oben: Leipzig setzt auf Solarthermie

Leipzig (energate)  - Nach über zwei Jahren Bauzeit ist Deutschlands größte Solarthermieanlage in Leipzig ans Netz gegangen. "Die Anlage setzt neue Maßstäbe: 13.200 Kollektoren, 65.208 Quadratmeter Kollektorfläche, 41 MW Leistung - das ist einmalig in Deutschland", sagte der zuständige Bereichsleiter Ekrem Köse vom Anlagenbauer Ritter XL Solar im Interview mit energate. Auch für den Auftraggeber, die Stadtwerke Leipzig, ist dies ein besonderes Projekt. "Wir sind stolz auf die hochmoderne Anlage, die als weiterer Baustein eines robusten Portfolios nun einen Beitrag für Leipzigs Wärmewende leistet und somit unseren Energiemix ergänzt", sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Maik Piehle bei der feierlichen Eröffnung. 

 

Der Trend geht zu größeren Anlagen

 

Die Anlage in Leipzig stößt größentechnisch tatsächlich in neue Dimensionen vor. Im gesamten Jahr 2025 gingen laut den Daten des Forschungs- und Beratungsunternehmens Solites elf neue Freiflächenanlagen mit insgesamt 70.000 Quadratmeter und 43 MW in Betrieb, also etwa so viel wie Leipzig jetzt auf einen Schlag schafft. "Der Trend geht die letzten Jahre zu größeren Anlagen. Dafür brauchen die Projekte zuweilen länger", ordnete Solites-Unternehmensleiterin Magdalena Berberich im Gespräch mit energate ein.

 

In Leipzig war die Inbetriebnahme ursprünglich für das vergangene Jahr angesetzt. Bei dem Projekt waren spezielle Herausforderungen bei der Hydraulik und Regelungstechnik zu meistern, wie Ritter-XL-Solar-Bereichsleiter Köse erläuterte. Im Leipziger Fernwärmenetz besteht die Besonderheit, dass im Vor- wie auch im Rücklauf der Druck schwankt. Ritter XL Solar musste daher eine hydraulische Weiche aufbauen mit 100 Kubikmeter Volumen. "Die Regelungstechnik wiederum ermöglicht die vollautomatische Steuerung der Anlage nach der Sonneneinstrahlung", erläuterte Köse. Im Sommer wird die Anlage täglich bis zu rund 20 Prozent der Fernwärme für die Großstadt liefern. Im Jahresdurchschnitt ist der Beitrag mit zwei Prozent für das städtische Wärmenetz deutlich geringer.

 

Solarthermieanlagen noch kaum verbreitet

 

Solarthermie spielt als Energiequelle in Wärmenetzen bislang nur eine Nebenrolle. Bundesweit sind nach Zahlen von Solites insgesamt 73 Solarthermie-Freiflächenanlagen in Betrieb mit rund 205 MW. Angesichts von rund 3.800 Wärmenetzen in Deutschland bestehe somit noch "erhebliches Ausbaupotenzial", betonte der Bundesverband Solarwirtschaft in einer Mitteilung. Leipzig könne ein wichtiges Beispiel für andere sein.

 

Die bisherige Zurückhaltung der Wärmeversorger liegt nach Einschätzung der Solites-Unternehmensleiterin Berberich auch daran, dass beispielsweise Wärmepumpen mit Flusswärme oder die Integration von Abwärme als erste Optionen bei der Transformation der Wärmenetze gewählt werden. Zum anderen würden Biomasse- und Wasserstoffpotenziale in vielen Wärmeplänen deutlich überschätzt. "Kommunen und Stadtwerke sollten die Potenziale der erneuerbaren Energien vor Ort genau anschauen. Die Solarthermie kann einen deutlichen Beitrag leisten, vielleicht auch erst zu einem späteren Zeitpunkt der Wärmetransformation", so Berberich. 

 

"Unnötig komplexe Antragsprozesse"

 

Bei der Genehmigung und der Umsetzung seien Solarthermievorhaben recht aufwändig, räumte auch der Vertreter des Anlagenbauers Ritter ein. Köse warb für ein Umdenken bei Politik und Genehmigungsbehörden. "Unnötig komplexe Antrags- und langwierige Bewilligungsprozesse bremsen Projekte in der Praxis teilweise bis zum Stillstand aus. Dabei könnten solarthermische Großanlagen sehr schnell realisiert werden, wenn die Genehmigungen erteilt sind", so Köse. Als Positivbeispiel nannte er eine Anlage in Delitzsch (Sachsen-Anhalt), die Ritter XL Solar mit knapp 5.500 Quadratmeter Kollektorfläche in unter zwölf Monaten fertiggestellt hatte. Ritter könnte durchaus mehr Rückenwind für vollere Auftragsbücher brauchen. Im Herbst 2025 musste das Unternehmen betriebsbedingte Kündigungen vornehmen, weil die Umstellung der Wärmenetze unter den Erwartungen blieb.

 

Ebenso wie die Solites-Vertreterin verweist der Ritter-Bereichsleiter aber auf große Chancen und mehr Geduld. "Wenn man sich die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung, beispielsweise aus Baden-Württemberg anschaut, sind das sehr positive Signale", zeigte er sich zuversichtlich. /mt

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