Vom Solarfrust zur Systemlösung: PV-Branche im Umbruch
Hamm (energate) - Das auslaufende Jahr war für die Solarbranche kein leichtes. Alleine 2025 wurden rund 28 Prozent weniger Solaranlagen in Deutschland errichtet als im Vorjahr, wie der Bundesverband Solarwirtschaft mitteilte. Auch Peter Knuth, Geschäftsführer des PV-Installateurs Enerix und Vorsitzender des Bundesverbands des Solarhandwerks (BDSH), spürt die Folgen dieses Nachfrageeinbruchs. "2025 war ein anstrengendes Jahr", sagte er im energate-Interview. Eine Entwicklung, die ihm zufolge bereits Ende 2022 einsetzte, aber erst 2024 so richtig bemerkt wurde. Volle Auftragsbücher aus den Vorjahren erweckten zu lange den Eindruck, als ob das Geschäft noch brummte. Auch deshalb sei 2024 emotional "viel schlimmer" als das laufende Jahr gewesen, weil "da alles anfing zu bröckeln".
Seit Ende 2023 verliert der Markt für Solaranlagen immer mehr an Dynamik. Hinzu kommen die Diskussionen um ein mögliches Förder-Aus und ein Ende der fixen Einspeisevergütung, was die PV-Branche spaltet und die Kundschaft verunsichert. Der hohe Preisdruck brachte eine Vielzahl von Installateuren in Bedrängnis. Dies zeigt sich auch im Geschäftsklimaindex des BSW Solar. In der Septemberausgabe des quartalsmäßig erscheinenden Berichts berichteten 41 Prozent der befragten Unternehmen von einer schlechten oder sehr schlechten Geschäftslage - eine Steigerung um vier Prozent zu den Halbjahresergebnissen. 44 Prozent blicken zudem mit ungünstigen Geschäftserwartungen auf das kommende Jahr.
Aktuelle Schwierigkeiten Produkt von Marktverschiebungen
Bei der Suche nach den Gründen stellte Knuth fest, dass die Nachfrage nach PV-Anlagen im Zuge des Ukraine-Kriegs und Corona stark anstieg. In den Jahren 2022 und 2023 habe sein Unternehmen in der Folge die Preise um 20 bis 25 Prozent anheben können. "Die Kunden fragten nicht nach Rabatten, sondern wann wir installieren können", beschrieb er die ungewöhnliche Situation.
Doch diese Nachfrage brachte auch ihre Schattenseiten mit sich. Eine "Goldgräberstimmung" habe sich breitgemacht und in der Folge gab es "viel zu viel Angebot im Markt". Preiskämpfe setzten ein und es gründeten sich unzählige Installationsbetriebe, die zum Teil aus ehemaligen Mitarbeitern der etablierten PV-Handwerksbetriebe und aus Quereinsteigern bestanden. Immer mehr Ungelernte arbeiteten auf den Dächern - mit weitreichenden Konsequenzen bei der Montagequalität.
"Wenn ich eine Anlage an einem Tag installieren muss, können das Dach und die Kabel nicht ordentlich hergerichtet werden. Dann entstehen Flüchtigkeitsfehler unter Zeitdruck", erklärte Knuth. Werden minderwertige Bauteile verbaut oder eine unsachgemäße Installation durchgeführt, steigt zudem auch die Brandgefahr von PV-Anlagen erheblich. Dies zeigte Knuth zuletzt in einem Gastbeitrag im energate-Magazin emw auf. "Es ist viel Arbeit, im Nachgang eine Baustelle zu retten", stellte der Enerix-Gründer klar. Auch deshalb müssen BDSH-Mitglieder bei ihrer Aufnahme Arbeitssicherheit und einen Meisterfachbachbetrieb nachweisen.
Europäischer Solarmarkt schwächelt
Zuletzt zeigte auch der gesamteuropäische PV-Markt eine negative Entwicklung. 2025 ging erstmals seit 2016 die installierte Solarleistung im Vergleich zum Vorjahr zurück. Dies geht aus dem "EU Solar Market Outlook 2025-2030" von Solar Power Europe hervor. Für dieses Jahr prognostiziert der Verband eine installierte Leistung von 65.100 MW, im Vorjahr waren es noch 65.600 MW. Dies entspricht einem Rückgang von 0,7 Prozent. "Die Boom-Jahre der europäischen Solarindustrie sind vorbei", bilanziert Solar Power Europe daher ernüchtert.
Zwar habe die EU das Ziel von 400.000 MW installierter Leistung im Jahr 2025 erreicht. Das Ausbauziel von 750.000 MW im Jahr 2030 gerate jedoch zunehmend in Gefahr und werde in vielen Szenarien bereits verfehlt. "Diese Unterbrechung des Wachstums des Solarmarktes kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt, an dem eine Beschleunigung unerlässlich ist", erklärte Walburga Hemetsberger, CEO von Solar Power Europe. Es sei von entscheidender Bedeutung, dass "die politischen Entscheidungsträger jetzt robuste Rahmenbedingungen für die Elektrifizierung, die Flexibilität der Systeme und die Energiespeicherung schaffen".
Trotz aller Schwierigkeiten: Knuth blickt mit Zuversicht in Zukunft
Ungeachtet dieser Sorgen blickt Knuth optimistisch in die Zukunft. Er beobachtet derzeit eine Verschiebung der Marktdynamik: Weg von reinen PV-Anlagen und hin zum Energiemanagementsystem. "Der Leitfaden hieß früher 'Schritt für Schritt zur Photovoltaikanlage', jetzt heißt er 'Schritt für Schritt zum Smart Home'", beschrieb Knuth den Wandel. Ähnlich sieht das BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig: "Das Dream-Team aus Solaranlage, Speicher, Wärmepumpe und E-Auto wird immer mehr zum Standard. Solaranlagen sind Zugpferde der Energiewende." Es sei daher unerlässlich, weitere Verschlechterungen der Rahmenbedingungen zu vermeiden, so Körnig.
Die Diskussionen um ein Ende der Einspeisevergütung sieht Enerix-Geschäftsführer Knuth jedoch gelassen. "Wegen der acht oder 7,5 Cent brauchen wir eigentlich gar nicht zu reden", zeigte er sich kämpferisch. Das Problem liege vielmehr darin, dass "der Ottonormalkunde" denke, dass sich eine PV-Anlage ohne die Vergütung nicht rechne. Dabei sei die Direktvermarktung ohnehin viel effektiver.
Eine Haltung, die auch die Konkurrenz rund um Enpal, 1Komma5 Grad und Konsorten vertritt. Jedoch nur dann, wenn das Gesamtsystem auf digitalen Füßen steht - woran es bekanntlich noch immer hapert. Davon unbeeindruckt ist sich Knuth sicher, dass der PV-Ausbau noch lange nicht am Ende ist. Künftige Treiber seien "definitiv die Wärmepumpe und die Elektrifizierung der Mobilität". Und wer dann " PV-Produktion, Wärmeversorgung und Mobilität zusammenbringt", der "kann ein gutes Geschäft machen". /rh
Das gesamte Interview mit Peter Knuth im Wortlaut lesen Sie im Add-on Strom.