Versorger kämpfen mit Wechseldruck
Essen (energate) - Am 6. Juni ist es so weit. Zwei Monate später als ursprünglich vorgesehen kommt der Start des 24-Stunden-Lieferantenwechsels. Aber die Änderung setzt die Versorger weiterhin unter massiven Druck. So gaben mehrere Stadtwerke auf energate-Anfrage an, einen reibungslosen Übergang zum 6. Juni nicht garantieren zu können. "Die Einführung des 24-Stunden-Lieferantenwechsels stellt unser Unternehmen vor vielschichtige Herausforderungen. Besonders anspruchsvoll ist die fristgerechte Bereitstellung aller notwendigen IT-Services", erklärten etwa die Stadtwerke Jena auf Anfrage von energate. Bei dem ostdeutschen Versorger führt die Umstellung in der Folge zu einem deutlich erhöhten Arbeitsaufwand. "Die Vorbereitungen laufen bei uns im Haus bereits seit über einem Jahr und betreffen die gesamte technische Infrastruktur sowie nahezu jeden Unternehmensbereich", erklärte eine Unternehmenssprecherin.
Stadtwerke Hamm: Umstellung bringt nur Nachteile
Ähnlich sieht es bei den Stadtwerken Hamm aus. Eine Unternehmenssprecherin erklärt gegenüber energate, dass die Umstellung und die neuen Prozesse für alle Beteiligten "mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden" seien. Die Stadtwerke Düsseldorf gaben an, sich im Zuge der Umstellung ganz bewusst personell verstärkt zu haben. In Hamm sieht man unterdessen den 24-Stunden-Lieferantenwechsel äußerst kritisch. "Sowohl für die Stadtwerke als auch für die Kundschaft sehen wir aktuell nur Nachteile. Der Gesetzgeber schafft so enge Grenzen, dass ein kulantes Verhalten gegenüber der Kundschaft nicht mehr möglich ist", klagte die Unternehmenssprecherin.
Kündigungsfrist und Umzug größte Sorge
Zwei Punkte bereiten den Stadtwerken derzeit besonders Kopfzerbrechen. Zwar können Verbraucher künftig innerhalb von 24 Stunden den Stromlieferanten wechseln. Allerdings gilt weiterhin die vertraglich festgelegte Laufzeit und Kündigungsfrist mit dem Stromanbieter, auch wenn sich die Frist zur Bearbeitung eines Wechsels durch den Lieferanten verkürzt. Auch deshalb erwarten die Stadtwerke Düsseldorf nicht "mit einer signifikanten Veränderung im Kundenverhalten", wie eine Sprecherin gegenüber energate erklärte.
Gleichzeitig führt der 24-Stunden-Lieferantenwechsel auch dazu, dass ein Wohnungswechsel künftig vor dem konkreten Umzug gemeldet werden muss. "Nun kommt es darauf an, während der Umzugsplanungen auch frühzeitig bei uns zu melden. Andernfalls wird es schwierig, die Stromkosten zutreffend auf Vor- und Nachmieter oder Verwaltung zu verteilen", erklärten die Stadtwerke Kiel. Das Problem: "Die breite Öffentlichkeit hat bisher kaum Kenntnis von dieser neuen Regelung", so ein Sprecher der Stadtwerke Kiel. Auch die Stadtwerke Neuwied haben ihre Kundinnen und Kunden dementsprechend darauf hingewiesen, ihre Umzüge rechtzeitig zu melden.
Versorger starten Kommunikation nach außen
Wer sich nicht rechtzeitig abmeldet, riskiert Konsequenzen. "In solchen Fällen zahlt der ausgezogene Kunde die Energiekosten des Nachmieters bis zur fristgerechten Abmeldung", erklärte Sven Stauf, Bereichsleiter Vertrieb den Stadtwerken Neuwied. Auch deshalb starten die befragten Versorger derzeit allesamt eine Kommunikationsoffensive in Richtung ihrer Kunden. "Wir rechnen mit einer Flut von Beschwerden, wenn die ersten Ummeldungen nicht zeitnah erfolgen", sagte etwa die Sprecherin der Stadtwerke Hamm.
Die Stadtwerke Ettlingen erwarten insbesondere in der Einführungsphase einen erhöhten Aufwand aufgrund zusätzlicher Informations- und Kommunikationsmaßnahmen. "Bislang sind keine Rückmeldungen eingegangen. Umso wichtiger ist es uns, über verschiedene Kanäle - darunter unsere Website, klassische Pressearbeit sowie Social Media - aktiv zu informieren", so ein Sprecher der Stadtwerke Ettlingen zu energate.
Enge Abstimmung zwischen Markt und Regulierung notwendig
Ursprünglich sollte die Umstellung auf den 24-Stunden-Lieferantenwechsel bereits am 4. April 2025 kommen. Die Bundesnetzagentur verschob den Wechsel jedoch nach heftiger Kritik aus der Energiebranche um zwei Monate. So habe eine "Vielzahl von Marktakteuren" vorgetragen, dass der Auslieferungszeitpunkt der benötigten Software überwiegend erst Mitte des ersten Quartals 2025 liege, hieß es aus Anfang April aus Bonn. Einig waren sich die befragten Unternehmen darin, dass die regulatorischen Anforderungen größtenteils klar definiert seien. Dennoch zeige sich in der Praxis immer wieder, dass es Auslegungsfragen oder Abstimmungsbedarfe gebe, die einer weiteren Klärung bedürfen. "Hier ist ein enger Austausch zwischen Marktteilnehmern und Regulierungsbehörden weiterhin wichtig", erklärten etwa die Stadtwerke Ettlingen. /rh