Zum InhaltZum Cookiehinweis

RSS Feed

Unternehmen drängen auf schnelle Kraftwerksausschreibungen

Essen/Berlin (energate) - Mehrere Unternehmen stehen für die von der Bundesregierung geplanten Kraftwerksausschreibungen in den Startlöchern. Für sie von wesentlicher Bedeutung ist dabei zum einen der Faktor Zeit, zum anderen aber auch die räumliche Verortung der Kraftwerke. Wobei hier die Meinungen jeweils auseinandergehen.

 

So erklärte Georg Stamatelopoulos, Vorstandsvorsitzender von EnBW: "Der Bedarf an disponibler Leistung ist im Süden Deutschlands besonders hoch." Es sei daher wichtig, dass diesem Bedarf besonders Rechnung getragen werde. Stefan Kapferer, CEO des Übertragungsnetzbetreibers 50 Hertz, mahnte wiederum, auch in Ostdeutschland brauche es neue Kraftwerke an netzdienlichen Standorten. Insbesondere, um nach einem Schwarzfall die Stromversorgung ausreichend schnell wiederherstellen zu können. Er forderte entsprechend, "ein Drittel der neuen Kraftwerke sollte daher im netztechnischen Norden verortet sein, zwei Drittel im netztechnischen Süden". Dass die Kraftwerksausschreibungen eine regionale Steuerung beinhalten werden, steht bereits fest, allerdings noch nicht, wie diese konkret aussehen soll.

 

Unternehmen sind vorbereitet

 

Mit entsprechenden, bereits bestehenden ostdeutschen Standorten will der Kraftwerksbetreiber Leag ins Rennen gehen, wie er auf Anfrage von energate mitteilte. Konkret betrifft dies die Standorte "Schwarze Pumpe" und "Lippendorf". Darüber hinaus will sich das Unternehmen mit dem süddeutschen Kraftwerksstandort Leipheim an der Auktion beteiligen. Es gebe bereits Teilgenehmigungen, das Unternehmen bereite sich seit Monaten für die Ausschreibungen vor, hieß es aus Cottbus.

 

Die nordrhein-westfälische Steag Iqony entwickelt ebenfalls an vorhandenen Standorten wie Bergkamen Projekte für Gaskraftwerke und Batteriespeicher. Das Unternehmen will mit 2 GW ins Rennen gehen. "Pragmatismus sollte das Gebot der Stunde bleiben, etwa bei technischen und wirtschaftlichen Anforderungen wie den Sicherheiten- und Pönale-Regelungen", erklärte ein Sprecher. Als Beispiel nannte er die Definition der H2-Readiness der Kraftwerke. Zudem sei es wichtig, dass die Ausgestaltung des Kapazitätsmarkes zügig erfolge.

 

Uniper-Vorstand Holger Kreetz hatte bei einem Besuch der energate-Redaktion ins gleiche Horn gestoßen. "Für uns zählt Geschwindigkeit mehr als Volumen", sagte er im November vergangenen Jahres. Sein Unternehmen habe mit den Kraftwerksstandorten Staudinger und Gelsenkirchen-Scholven zwei Projekte in der Schublade und plane mit ebenfalls 2 GW. Darüber hinaus bereite Uniper eine zweite Welle an Standorten vor.

 

Auch RWE beharrt auf Geschwindigkeit. "Wir hoffen, dass nun zügig das konkrete Gesetz vorgelegt wird, damit die ersten wasserstofffähigen Gaskraftwerke so schnell wie möglich nach den Ausschreibungen gebaut und in Betrieb gehen können", teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. RWE habe an mehreren Standorten die Genehmigungsplanung bereits weit vorangetrieben. Wenn die Ausschreibungen im Frühjahr 2026 stattfänden, könnten die ersten neuen Gaskraftwerke frühestens 2030 in Betrieb gehen.

 

Erstes Ausschreibungsverfahren wird dauern

 

Ausschreibungen noch im Frühjahr 2026 dürften aber sehr sportlich werden. Schließlich muss das Parlament zuvor ein entsprechendes Gesetz verabschieden, auf dessen Basis die Bundesnetzagentur dann die Ausschreibungen veröffentlicht und durchführt.

 

"Die Kommission hat noch keine Entscheidung getroffen", stellte zudem der für Wettbewerb zuständige Sprecher der EU-Kommission, Ricardo Cardoso, in Brüssel klar. Es handele sich bisher nur um eine technische Übereinkunft während der Voranmeldephase. Gleichwohl böte "dieser Ansatz" den deutschen Behörden eine solide Grundlage, um die notwendigen Gesetzesvorschläge zu erarbeiten und darauf aufbauend den Kapazitätsmechanismus zu etablieren. "Wir beabsichtigen, die Maßnahme nach Abschluss dieser Schritte so bald wie möglich zu genehmigen, damit Deutschlands geplantes erstes Ausschreibungsverfahren noch in diesem Jahr stattfinden kann."

 

Trianel pocht auf Akteursvielfalt

 

"Der Zeitplan bleibt ambitioniert", erklärte denn auch Peter Feldhaus, CEO des Kraftwerksbetreibers Onyx Power, gegenüber energate. Die Stadtwerkekooperation Trianel mahnte in diesem Zusammenhang, dass trotz Zeitdruck ausreichend Zeit eingeplant werden sollte zwischen der Bekanntgabe der Auktionsbedingungen und der Durchführung, sodass kommunale Gremien und Gesellschafter dem Vorhaben zustimmen können.

 

Um die Akteursvielfalt zu sichern, könnten die Zuschläge pro Anbieter zudem begrenzt werden. Darüber hinaus sollten Trianel zufolge die Sicherheitsleistungen reduziert werden. So könnten auch kommunale Unternehmen an den Ausschreibungen teilnehmen und es bleibe finanzieller Spielraum für weitere Investitionen in die Energiewende erhalten.

 

Hohe Nachfrage bei Turbinenherstellern

 

Wie schnell die Unternehmen Gaskraftwerke nach einem Zuschlag in der Auktion realisieren können, wird wohl insbesondere davon abhängen, ob sie schon die entsprechenden Vorverträge mit Lieferanten getroffen haben. Der Turbinenhersteller GE Vernova etwa sieht sich mit einer anhaltend hohen Nachfrage konfrontiert und hat seine Produktionskapazitäten für Gasturbinen bereits bis 2028 vollständig vergeben, wie GE-Vernova-Manager Yoshito Murakami im Interview mit energate erklärte.

 

Parallel treibt das Unternehmen die Entwicklung wasserstofffähiger Turbinen voran. Die Einigung Deutschlands mit der EU sieht vor, dass es sich bei den zunächst ausgeschriebenen Kapazitäten von 10 GW um H2-ready-Kraftwerke handeln soll. In einem weiteren Schritt soll es dann Zuschläge zugunsten eines schnelleren Umstiegs auf Wasserstoff geben. Nach Angaben von Murakami können alle GE-Modelle bereits Wasserstoffanteile verbrennen, kleinere Aggregate in bestimmten Konfigurationen sogar vollständig. Größere H-Klasse-Turbinen erreichten derzeit rund 50 Prozent. Bis 2030 solle ein klarer Fahrplan für höhere Anteile vorliegen. Der Energiemanager erklärte jedoch, dass technologische Fortschritte mit dem Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur Schritt halten müssten. Die Produktion, der Transport und die Speicherung seien noch nicht ausreichend entwickelt, weshalb ein schneller Übergang zu 100 Prozent Wasserstoff unrealistisch sei.

 

Auch Erik Zindel, Vice President Hydrogen & Decarbonization Strategy bei Siemens Energy, hatte im energate-Interview bereits auf technologische Grenzen und fehlende Marktreife vollständig wasserstofffähiger Kraftwerke verwiesen. Zindel plädierte für ein zweistufiges Vorgehen: zunächst H2‑ready‑Kapazitäten ausschreiben, also Gaskraftwerke, die eine spätere Umrüstung auf Wasserstoff ermöglichten. Anschließend solle es eine separate Runde für Testbetrieb und Umrüstung geben. Diese sei bislang noch nicht möglich, da es an ausreichenden Mengen Wasserstoff mangele. Zindel warnte vor Fehlanreizen, wenn die Politik Umstellungen verlange, bevor genügend Wasserstoff verfügbar sei. Ohne klare wirtschaftliche Perspektive drohten Investitionen zu stranden. /sd/mh/rl

 

Das vollständige Interview mit GE-Vernova-Manager Yoshito Murakami lesen Sie im Add-on Strom.

Zurück