Uniper blickt mit Sorge gen Nahost
Düsseldorf (energate) - Als Gasimporteur ist Uniper nicht direkt von der kriegsbedingten Sperrung der Straße von Hormus im Nahen Osten betroffen. Weder erwartet noch plant der Düsseldorfer Konzern derzeit mit LNG-Lieferungen aus der Region. Das machte CEO Michael Lewis bei der Vorstellung der Bilanz für das Geschäftsjahr 2025 deutlich. Mit Blick auf die damit verbundenen Preiskapriolen an den Energiebörsen und die wachsende Sorge vor einer neuen Energiekrise hofft das Management allerdings darauf, dass der militärische Konflikt in der Golfregion "möglichst schnell zu einer diplomatischen Lösung" kommt.
Zugleich trat der Vorstandschef möglichen Sorgen entgegen, die nach wie vor staatliche Uniper könnte abermals unter die Räder einer Gaskrise geraten. "Heute ist die Situation für Uniper grundlegend anders. Wir agieren aus einer deutlich günstigeren und robusteren Position heraus." Derartig starke Abhängigkeiten wie zum Anfang des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine gebe es nicht mehr. Auch bilanziell sei 2025 das letzte Jahr gewesen, in dem die Gaskrise von 2022 Spuren hinterlasse, fügte Finanzvorstand Christian Barr an.
Uniper setzt auf Diversifizierung des LNG-Bezugs
Dem CFO zufolge haben die Düsseldorfer rund um die Eskalation im Nahen Osten einen Krisenstab gebildet, der sich mit möglichen Markt- und Preisentwicklungen auseinandersetzt. Zu möglichen Krisenszenarien, mit denen sich das Expertengremium beschäftigt, wollte der CEO allerdings keine Stellung beziehen. Gegenwärtig gehe der Handel allgemein von einer kurzfristigen Hochpreisphase aus, so Lewis. Dazu verwies er darauf, dass sich die Preise für Termingeschäfte im Jahr 2028 etwa noch "auf Normalniveau" bewegten. Ganz so entspannt wie in Düsseldorf blicken aber nicht alle Analysten und Marktexperten auf eine mögliche Energiepreiskrise. Ob und wie sehr es dazu kommt, hänge auch davon ab, wie sehr die LNG-Infrastruktur im Nahen Osten durch den Krieg beschädigt wird, hieß es jüngst bei einer Expertenrunde, zu der der BDI eingeladen hatte.
Uniper-CEO Lewis zufolge schließen die Düsseldorfer, wie viele Mitbewerber, etwa mit Industriekunden Verträge mit zwei bis drei Jahren Laufzeit ab. Dieser Logik folgend bekommen nur die Kunden die Hochpreisphase zu spüren, die in dieser Zeit einen neuen Vertrag abschließen. Um auch im Falle einer anhaltenden Hochpreisphase für Versorgungssicherheit zu sorgen, arbeite Uniper an der Diversifizierung der LNG-Bezugsquellen. Als Beispiele nannte Lewis gegenüber energate unter anderem Australien, Kanada und auch die USA.
Lewis: Speichervermarktung über CfDs statt staatlicher Gasreserve
Der immer lauter diskutierten Idee einer nationalen Gasreserve erteilte Lewis trotz der gegenwärtigen Unsicherheiten eine Absage. Er brachte als Alternative "das französische Modell" ins Spiel. Daran angelehnt sollte die Bundesnetzagentur als oberster Regulierer Gasauktionen mit einem CfD-Marktdesign ausrichten. Auch staatliche Eingriffe ins gegenwärtige Marktgeschehen im Gashandel brauche es zurzeit nicht, so Lewis weiter. Deutschlands Strategie, die Energiewende mit gesicherter Leistung aus Gaskraftwerken abzusichern, sei nach wie vor richtig und unumgänglich.
Passend dazu bekräftigte die Uniper-Führung abermals ihr Interesse, mit 2 GW Leistung an den Kraftwerksstandorten Staudinger und Scholven an der ersten Welle der angepeilten Ausschreibungen im Rahmen der Kraftwerksstrategie teilnehmen zu wollen. Dank weit fortgeschrittener Vorbereitungen sei der Konzern in der Lage, direkt mit einem möglichen Zuschlag zu bauen und die Realisierungszeit auf fünf statt bis zu sieben Jahre zu begrenzen, erläuterte COO Holger Kreetz. Als ein erhofftes Zieljahr für ein erstes fertiges neues Gaskraftwerk nannte er 2031. Dafür müssten aber in diesem Jahr noch Ausschreibungen erfolgen, bei denen die Düsseldorfer dann erfolgreich sind.
Sparprogramm macht Fortschritte
Uniper steht vor entscheidenden Jahren und befindet sich deshalb selbst im Umbruch. Ein Sparprogramm jenseits der inzwischen weitgehend erfüllten EU-Auflagen zum Verkauf verschiedener Geschäftsaktivitäten und Kraftwerke ist weit fortgeschritten. Mit dem Ziel, die laufenden jährlichen Kosten um 100 Mio. Euro zu drücken, ist Uniper im Begriff, den Personalbestand um 10 Prozent zu drücken und 765 Stellen zu streichen. Der Stellenabbau ist laut Personalvorständin Fabienne Twelemann bereits zur Hälfte umgesetzt und soll im laufenden Jahr vollzogen sein.
Das Geschäftsjahr 2025 beschloss Uniper mit knapp 1,1 Mrd. Euro Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) und einem Nettoertrag von 544 Mio. Euro. 2024 hatten die Düsseldorfer sowohl auf Ebitda-Ebene als auch beim Nettoergebnis noch jeweils deutlich mehr als das Doppelte einfahren können. Wichtigster Faktor des Ergebniseinbruchs war die Normalisierung der Marktpreise im Nachgang der Gaskrise ab 2022.
Bund darf sich über millionenschwere Uniper-Dividende freuen
Ungeachtet dieser Geschäftsentwicklung und des Sparprogramms sieht sich Uniper heute schon wirtschaftlich weitgehend erholt und bereit für die spätestens 2028 anstehende Reprivatisierung durch den Bund. Das wichtigste Indiz dafür ist die Tatsache, dass der Konzern für 2025 erstmals wieder eine Dividende ausschütten will - immerhin 300 Mio. Euro, die vor allem an den Bund als Haupteigner fließen. Letzterer bekäme als Inhaber von 99 Prozent aller Aktien exakt 297 Mio. Euro der Ausschüttung. /pa