Zum InhaltZum Cookiehinweis

RSS Feed

Uniper: Bedingungen an Reprivatisierung als Stolperstein?

Berlin/Düsseldorf (energate) - Der Bund sucht jetzt offiziell einen Käufer für Uniper. Der Startschuss zum Verkaufsprozess jenseits der Börse fiel über eine Zeitungsanzeige. Das für die Uniper-Beteiligung zuständige Bundesfinanzministerium schaltete diese Annonce jetzt in der Financial Times. Demnach nehmen die mandatierten Investmentbanken noch bis zum 12. Juni Interessenbekundungen entgegen. Eine Entscheidung, auf welchem Weg sich der Staat von seiner Mehrheitsbeteiligung trennen will, ist damit allerdings ausdrücklich noch nicht getroffen. "Ein Re-IPO bleibt weiterhin eine mögliche und gleichberechtigte Option", stellte eine Ministeriumssprecherin gegenüber energate klar.

 

Letzteres hatte sowohl zu Zeiten der Ampel-Regierung als auch danach als eine präferierte Option gegolten. Uniper-CEO Michael Lewis begrüßte die Ankündigung des Mehrheitseigners. Uniper sei inzwischen krisenfester aufgestellt "und wieder in der Lage, Dividenden auszuschütten", sagte er. Zugleich könne der Konzern "gezielt in Wachstum und Transformation investieren". Ohnedies präferierte das Konzernmanagement stets die Reprivatisierung über die Börse.

 

Offen ist laut dem Ministerium auch noch, wann es zu der Transaktion kommt. Klar ist wiederum, dass die Bundesrepublik ihr Uniper-Aktienpaket bis spätestens 2028 von aktuell etwas über 99 Prozent mindestens auf eine sogenannte Sperrminorität von 25 Prozent + 1 Aktie reduzieren muss. So schreiben es die EU-Auflagen vor, unter denen die Verstaatlichung im Zuge der Krise der Jahre 2021/22 grünes Licht bekommen hat. Eben diese Vorgabe sorgt inzwischen für Zeitdruck, zumal die Suche nach einem oder mehreren Mehrheitsaktionären seine Zeit braucht.

 

Tibor Fedke ist M&A-Experte für die Energiebranche bei der Wirtschaftskanzlei Noerr. Er hält es für realistisch, dass bis zum Jahresende Klarheit herrscht, ob Uniper privat den Besitzer wechselt oder an die Börse zurückkehrt. "Voraussetzung dafür ist ein straff organisiertes Bieterverfahren", sagte er zu energate. Innerhalb von sechs Monaten könne es "zu einem Vertragsabschluss kommen, nicht aber zu einem Closing, sprich einem Vollzug mit allen dafür nötigen Genehmigungen", stellte er klar. Offen sei indes, ob sich ein Käufer finde, so Fedke.

 

Zerschlagungsoptionen ausgeschlossen 

 

Die Bundesregierung knüpft den Verkauf an Bedingungen, die einerseits Uniper gut gefallen dürften, andererseits jedoch die Suche nach einem geeigneten Abnehmer erschweren könnten. Letzteres fürchtet Fedke. Stein des Anstoßes ist die Ankündigung des Ministeriums, im Verkaufsprozess darauf zu achten, "dass die Zukunftsfähigkeit des Gesamtunternehmens und damit die Versorgungssicherheit Deutschlands gewahrt bleibt." Ohnedies wäre "die EU-Verkaufsauflage durch eine Veräußerung von einzelnen Geschäftsteilen der Uniper nicht erfüllt", stellte das Ministerium klar. "Verkäufe einzelner Vermögensgegenstände sind deshalb nicht Teil des Verkaufsprozesses." Ferner will der Bund langfristig als Uniper-Anteilseigner an Bord bleiben und besagte Sperrminorität, sprich das Vetorecht bei bestimmten Entscheidungen, wahren, so die Sprecherin. Dies gilt unabhängig davon, ob der Anteilsverkauf außerbörslich oder über die Rückkehr der Düsseldorfer an die Börse vollzogen wird.

 

Bieterkreis zu stark verengt?

 

Als Stolperstein für die Investorensuche gilt M&A-Experte Fedke vor allem das Ganz-oder-gar-nicht-Prinzip beim Verkauf. Seiner Ansicht nach bleiben viele potenzielle Interessenten damit außen vor: "Uniper ist zwar durch einzelne Abverkäufe, teils durch EU-Auflagen, schlanker als früher. Dennoch sind einzelne Teile des Konzerns für unterschiedliche Bieter unterschiedlich interessant", argumentiert er. Außen vor seien beispielsweise "Bieterkonsortien, die gemeinsam bieten, um später je einen Teil des Konzerns zu übernehmen", führte er aus. "Mögliche Kaufinteressenten sind entweder Strategen, die für sie interessante Unternehmensteile integrieren wollen, oder Fonds, die das Unternehmen weiterentwickeln wollen." Beide bräuchten dazu jedoch das Recht, nach dem Closing "entsprechende Änderungen vornehmen zu können."

 

Lange war durchaus ernsthaft diskutiert worden, passende Teile von Uniper mit Teilen des ebenfalls verstaatlichten Gasimporteurs Sefe zu einem neuen Konzern zu formen. Diese Option scheint aufgrund der Bietervorgaben offenbar ebenfalls endgültig vom Tisch. Dazu passt, dass die ehemalige Deutschlandsparte von Gazprom - die ebenfalls bis 2028 reprivatisiert sein muss - inzwischen unabhängig von Uniper Schritte in diese Richtung geht.

 

"Drehbuchänderung oder Börsengang"

 

Beide verbliebenen Exit-Optionen - Privatverkauf und IPO - mehr oder weniger parallel laufen zu lassen, ist bei sehr großen Transaktionen ein durchaus gängiges Vorgehen. Am M&A-Markt spricht man in solchen Fällen von einem Dual-Track-Verfahren. Einen ähnlichen Weg beschritt etwa die niederländische Regierung beim Verkauf von Tennet Germany, wobei sich die Niederlande schließlich gegen ein IPO entschieden, während sich die Bundesrepublik eine Minderheitsbeteiligung an der deutschen Tennet sicherte. Vor dem Hintergrund der an die Bieter gestellten Bedingungen sind für Noerr-Experte Fedke zwei Szenarien denkbar: "Der Bund wird entweder aufgrund des Feedbacks der Bieter sein Drehbuch ändern und Strukturänderungen nach Closing zulassen", so Fedke. Dies sei auch denkbar, wenn sich eine große Zahl an Bieterkonsortien melden sollte. "Oder aber das Ganze läuft auf den Börsengang hinaus", fügte er an. Für die Staatskasse geht es in jedem Fall um sehr viel Geld. Gemessen am Schlusskurs der Uniper-Aktie vom 19. Mai kommt der Konzern aktuell auf knapp 18 Mrd. Euro Marktkapitalisierung. /pa

Zurück