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Überbauung von Netzanschlüssen im Fokus

Berlin (energate) - Ob Baukostenzuschüsse, Nutzen statt Abregeln oder flexible Anschlussverträge: An Ideen für eine effizientere Verteilung und Nutzung von Netzanschlüssen mangelt es nicht. Beim Berliner Wissenschaftsgespräch zum integrierten Strommarktdesign diskutierten Wissenschaft und Erneuerbarenbranche über zentrale Instrumente zur Netzintegration. Veranstalter waren das Forum für Zukunftsenergien und das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (Ewi).

 

Zu Beginn skizzierte Oliver Ruhnau, Research Scientist am Ewi, die ökonomische Logik hinter der Überbauung: Netzanschlüsse würden heute häufig größer dimensioniert als volkswirtschaftlich sinnvoll. Die Anschlussnehmer nutzten die ihnen zur Verfügung stehende Kapazität nur selten aus. Es gebe "ein Externalitätenproblem", sagte Ruhnau. Betreiber wüssten nicht, welche Netzkosten sie verursachten, Netzbetreiber wüssten nicht, welchen Nutzen zusätzliche Netzanschlussleistung für Projekte habe.

 

Seine Lösung: Baukostenzuschüsse, die diese Informationsasymmetrie überwinden sollen. Projektierer könnten dann entscheiden, wie viel Anschlussleistung sie tatsächlich benötigen. Die Überbauung könne volkswirtschaftliche Kosten senken, ohne den Erneuerbarenausbau auszubremsen. Ein fester, über Baukostenzuschüsse abgesicherter Basisanschluss könne durch eine flexible Zusatzleistung ergänzt werden, deren Nutzung abhängig von Netzsituation und Preisniveau sei. 

 

Planungssicherheit zentrales Kriterium 

 

Ursula Heinen‑Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie, widersprach dem Ansatz nicht grundsätzlich. Sie stellte jedoch klar, dass für die Branche Planungssicherheit das zentrale Kriterium sei. Zudem mahnte sie echte Wahlfreiheit an. Diese sei grundsätzlich gut. "Aber wenn sie so ist, dass ich einen Tod sterben muss, dann halte ich das für keine gute Wahlfreiheit." Es müsse vermieden werden, dass Unsicherheiten lediglich verlagert würden. Der im geleakten Netzpaket des Bundeswirtschaftsministeriums vorgesehene Redispatch‑Vorbehalt bedrohe diese Sicherheit. Bis zu zehn Jahre mögliche Abregelungen in Engpassgebieten erzeugten Unsicherheit und verhinderten Investitionen. Die Folge seien Verzögerungen im Erneuerbarenausbau.

 

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war das Instrument "Nutzen statt Abregeln". Dieses erlaubt es, überschüssigen Strom vor dem Netzverknüpfungspunkt lokal zu nutzen. Heinen‑Esser kritisierte, dass regulatorische Vorgaben die praktische Anwendung verhinderten. Ruhnau ergänzte, das Modell sei ökonomisch kaum handhabbar, da es versuche, lokale Preissignale zu simulieren, ohne echte Preisbildung zu erlauben. Ein Ansatz, der sich "empirisch gesehen als prohibitiv" erwiesen habe. Effektiver seien dynamische Netzentgelte, die Lastverschiebungen marktlich anreizen könnten.

 

Verteilnetzbetreiber wollen Flexibilität selbst beschaffen

 

Ein Vertreter der Stadtwerke‑Initiative 8KU aus dem Publikum forderte, Verteilnetzbetreiber stärker einzubinden und ihre Möglichkeiten zur wettbewerblichen Beschaffung von Flexibilität, etwa über Paragraf 14c EnWG, endlich zu nutzen. Der Paragraf erlaubt es Verteilnetzbetreibern, sich auf wettbewerbliche Weise die Flexibilität, die sie benötigen, selbst zu beschaffen. Ruhnau stimmte zu: Gerade im Verteilnetz lägen große Effizienzpotenziale, sowohl auf der Erzeugungs‑ als auch auf der Lastseite. Heinen‑Esser warnte in diesem Zusammenhang jedoch vor einer völligen Dezentralisierung der Anschlusskriterien durch die fast 900 Verteilnetzbetreiber. Dies könne zu zusätzlicher Komplexität führen. /mh

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