Trianel tritt bei Elektrolyseuren auf die Bremse
Aachen (energate) - Die Hiobsbotschaften rund um den Wasserstoffhochlauf reißen nicht ab. Mit Blick auf die "deutlich eingetrübten Marktaussichten" setzt auch die Stadtwerkekooperation Trianel ihre Aktivitäten als Projektierer von Elektrolyseuren bis auf Weiteres aus. Davon betroffen sind vor allem die Bauvorhaben am im Aufbau befindlichen Wasserstoffzentrum Hamm und "GreenLink Münsterland" im nordrhein-westfälischen Coesfeld. Die Projekte würden "nicht gestoppt", betonte Trianel-CEO Sven Becker im Rahmen der Bilanzpressekonferenz gegenüber energate, wohl aber zurückgestellt, bis sich die Rahmenbedingungen dafür verbessern: "Wir fahren auf Sicht", so die Losung von Trianel und den jeweils involvierten Partnern.
Dazu verwies Becker zum einen darauf, dass zahlreiche potenzielle Industriekunden ihrerseits ihre Wasserstoffambitionen bremsten, "etwa im Verkehrssektor". Dort fehle die Nachfrage ebenso wie die Regelung zu Treibhausgasquoten über das Jahr 2030 hinaus, monierte er. Außerdem sende der Haushaltsentwurf der neuen Bundesregierung ein fatales Signal für den Wasserstoffhochlauf, weil die dafür vorgesehenen Gelder auf ein Drittel dessen gekürzt worden seien, was die Vorgängerregierung mit ihrer Wasserstoffstrategie anvisiert hatte. Eine Kritik, die auch der BDEW unlängst geäußert hatte.
Zeitplan für Wasserstoffzentrum Hamm in der Schwebe
Während der staatlich geförderte 20-MW-Elektrolyseur in Hamm laut der Ursprungsplanung ab 2027 Wasserstoff erzeugen sollte, war für das 50-MW-Vorhaben im Münsterland 2028 anberaumt. Dabei, so Trianel-Chef Becker, könne speziell das Vorhaben in Hamm derzeit "nicht mehr als gesichert angesehen werden". Deshalb warte die Trianel die weitere politische Entwicklung ab, um daraufhin einen neuen Zeitplan für das Wasserstoffzentrum Hamm aufzubauen. Bezüglich des ungleich größeren Elektrolyseurvorhabens in Coesfeld betonte Becker, dass dazu bislang lediglich eine Absichtserklärung und eine Machbarkeitsstudie vorlägen. Somit könne daran "im Hintergrund" weitergearbeitet werden. Neben Trianel sind auch Gelsenwasser und weitere kommunale Versorger aus Münster, Borken und Coesfeld an dem Vorhaben beteiligt.
Mit dem schleppenden Wasserstoffhochlauf wackelt auch die anvisierte Fortführungsperspektive für das Trianel-Kohlekraftwerk in Lünen. Um diesen Meiler längerfristig betreiben zu können, erwäge die Trianel die Umrüstung des Kraftwerks auf Gas und perspektivisch auch Wasserstoff. Auch hierzu hat die Trianel eine mit der Landesregierung abgestimmte Machbarkeitsstudie in der Schublade, die sehr schnell zur Umsetzung kommen könne, sobald Klarheit über die Ausgestaltung eines Kapazitätsmechanismus herrscht.
Mit der Entscheidung, das Projektgeschäft rund um Wasserstoff zurückzustellen, wähnt sich die Trianel längst nicht allein. Zuletzt hatten die Leag und die EWE einzelne Wasserstoffvorhaben gestoppt. Bei der EWE folgte dies dem Rückzug des Stahlkonzerns Arcelor Mittal von weiten Teilen seiner Dekarbonisierungsstrategie in Deutschland. Wie auch EWE-CEO Stefan Dohler für sein Unternehmen betonte Trianel-Geschäftsführer Becker, dass Wasserstoff langfristig sehr wohl eines der großen Wachstumsfelder der Trianel bleiben solle.
Zweifel am 20-GW-Gaskraftwerke-Ziel bis 2030
Bis es dazu kommt, setzt die Trianel aktuell im Projektgeschäft einen Fokus auf große Batteriespeicherparks, die nahe der Trianel-Kraftwerke entstehen. Dies sei inzwischen die neue Heimat der Projektentwicklereinheit, die früher Offshore-Windparks entwickelte. Von letzterem Betätigungsfeld hatte sich Trianel schon im Vorjahr zurückgezogen. Im Erneuerbaren-Segment bleibt die Onshore-Windkraft-Entwicklung Kern der Trianel-Aktivitäten. Das dritte große Projektentwickler-Segment der Trianel konzentriert sich auf Gaskraftwerke - über die geplante Erweiterung des bereits für Wasserstoff ertüchtigten Gaskraftwerks am Standort Hamm hinaus. Hier allerdings sieht sich die Stadtwerkekooperation ebenfalls in der Warteschleife. Trianel werde keinerlei Bestellungen auslösen oder sonstige Investitionen dazu tätigen, bevor nicht auch Klarheit über die Kraftwerksstrategie herrsche, stellte Becker klar. Das gegenwärtige politische Ziel, bis 2030 bundesweit neue Gaskraftwerke mit 20 GW zu installieren, nannte Becker "sehr ambitioniert". Dazu verwies er auf die hauseigene Erfahrung beim Bau von Gaskraftwerken. Seine Einschätzung: "Wenn wir 5 bis 8 GW bis 2030 hätten, wären wir schon klasse."
Energiehandel als wichtiger Ergebnistreiber
Ohnedies sieht sich die Trianel vorrangig als Energiehandelsunternehmen, wie der für dieses Segment verantwortliche Geschäftsführer Oliver Runte betonte. In diesem Geschäftsfeld, das auch IT-seitig in Sachen Cybersecurity aufgerüstet wird, wie Runte gegenüber energate erklärte, lag auch ein Schlüssel dafür, dass die Trianel das zurückliegende Geschäftsjahr deutlich besser beendete als ursprünglich erwartet. Mit etwas mehr als 92 Mio. Euro lag der Gewinn zwar 6,6 Prozent unter dem Rekordergebnis im Vorjahr. Gleichwohl bleibt 2024 damit das mit weitem Abstand zweitbeste Jahr in der Geschichte der Trianel, betonte das Geschäftsführer-Duo. Erwartet hatte das Trianel-Management lediglich 27 Mio. Euro, also deutlich weniger als ein Drittel des Vorjahresgewinns. Neben dem Energiehandel habe auch das Erneuerbaren-Projektgeschäft positiv zu dem Ergebnis beigetragen. /pa