Zum InhaltZum Cookiehinweis

RSS Feed

Thüringen hofft auf Investitionen im Energiebereich

Erfurt (energate) - Dem Finanzpaket der Bundesregierung hatte Thüringen auf Druck des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) nicht zugestimmt. Thüringens neuer Energieminister, Tilo Kummer vom BSW, betont dennoch die Bedeutung der Mittel. "Gerade im Energiebereich sind massive Investitionen notwendig: Netzausbau, Speicher, die kommunale Wärmewende", sagte Kummer im Interview mit energate. Er hoffe, dass der Bund Mittel gezielt für diese Zwecke bereitstelle. Wichtig sei, dass die Länder und Kommunen einen großen Gestaltungsspielraum bekämen.

 

Nach der Wahl von Mario Voigt (CDU) zum neuen Ministerpräsidenten von Thüringen übernahm Kummer am 13. Dezember 2024 das Erfurter Ministerium Minister für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten. Er folgt auf Bernhard Stengele (Grüne), dessen Partei bei der Landtagswahl den Wiedereinzug in das Parlament verpasste. Damit übernimmt das BSW erstmals ein für Energie zuständiges Ministerium in einem deutschen Bundesland.

 

Bei der Bundestagswahl scheiterte das BSW allerdings an der 5-Prozent-Hürde. Laut Kummer keine allzu große Überraschung: "Die BSW ist eine junge Partei. Keine Partei hat es bisher innerhalb eines Jahres über die 5-Prozent-Hürde geschafft", sagte er. Bei der Europawahl, in drei Landtagen und bei kommunalen Wahlen seien bereits sehr gute Ergebnisse erzielt worden. "Die Basis ist da, und ich bin überzeugt, dass wir langfristig erfolgreich sein werden", sagte er. Schwieriger sei es, ohne Bundestagsfraktion den Parteiaufbau und die bundesweite Abstimmung zu organisieren. Als stärkster Landesverband und mit der größten Landtagsfraktion habe der BSW in Thüringen hier eine besondere Verantwortung.

 

"Transformation darf Menschen nicht überfordern"

 

In der Energiepolitik betont Kummer die Rolle von Erdgas für die Energieversorgung, wie dies schon im Koalitionsvertrag von CDU, BSW und SPD festgehalten wurde. "Thüringen braucht bis 2030 zusätzliche Erdgaskraftwerke zur Stabilisierung des Stromnetzes", sagte Kummer. Außerdem würden viele Haushalte noch Erdgas zur Wärmeversorgung nutzen, eine sofortige Umstellung sei nicht möglich. Auch Heizöl und andere Energieträger würden gerade im ländlichen Raum noch eine Rolle spielen. Und die Transformation dürfe die Menschen finanziell nicht überfordern.

 

"Thüringen hat ein vergleichsweise niedriges Durchschnittseinkommen. Bezahlbare Energie ist für viele Haushalte essenziell", so Kummer. Hinzu komme die energieintensive Industrie Thüringens: Glas, Keramik und Metallverarbeitung. Beides zusammen mache die Energiepolitik besonders anspruchsvoll. "Das Land hat kaum Einfluss auf Energiepreise, hier liegt die Gestaltung beim Bund, aber wir wollen mit einem neuen Energiegesetz dafür sorgen, dass Erzeugung und Verbrauch besser zusammenpassen."

 

Modelle für kommunale Strompreise

 

Das neue Energiegesetz solle zudem die Akzeptanz der Energiewende im Land steigern. Menschen vor Ort müssten von der Stromerzeugung profitieren, Landwirte stärker eingebunden werden. "Wir brauchen Modelle für kommunale Strompreise, sodass günstiger Strom aus Wind- und Solaranlagen direkt in die Region fließt", so Kummer. Das könne über Bürgerenergiegenossenschaften funktionieren, aber auch für die Bürgerinnen und Bürger, die sich nicht in Energiegenossenschaften engagieren, müssten Lösungen gefunden werden.

 

Von der Bundesregierung in spe erwartet Kummer eine realistische Energiepolitik. "Es darf keinen radikalen Kurswechsel geben, Energiepolitik erfordert langfristige Planung", so der Thüringer Energieminister. /ck

 

Das vollständige Interview mit Tilo Kummer lesen sie hier.  

Zurück