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Tesa: Klimaschutzverträge als Türöffner für Transformation

Hamburg (energate) - Die Transformation der energieintensiven Industrien stagniert. Klimaneutrale Technologien sind zwar verfügbar, doch hohe Investitionskosten und regulatorische Unsicherheiten bremsen Entscheidungen aus. In dieser Phase kommt politischen Förderinstrumenten wie beispielsweise den sogenannten Klimaschutzverträgen eine zentrale Rolle zu. Der Klebstoffhersteller Tesa bricht eine Lanze für diese Form der Förderung: "Der Klimaschutzvertrag war für uns wichtig, um Investitionsentscheidungen in einer unsicheren Phase abzusichern", sagte Thomas Erfurth, Head of Energy bei Tesa.

 

Als eines der Unternehmen, die in der ersten Ausschreibungsrunde erfolgreich waren, nutzt Tesa das Instrument gezielt, um die Neuaufstellung der eigenen Energieversorgung voranzutreiben. Der Klimaschutzvertrag dämpfe die Volatilität der Energiekosten und ermögliche es, Transformationsprojekte umzusetzen, die sonst schwer darstellbar wären, so Erfurth im energate-Interview.

 

Mittelstand kritisch gegenüber Klimaschutzverträgen

 

Genau das ist auch das erklärte Ziel der im Jahr 2024 erstmalig ausgeschriebenen Klimaschutzverträge, auch bekannt als "Carbon Contracts for Difference" (CCfD). Das Förderinstrument der Bundesregierung ist speziell auf energieintensive Industrien ausgelegt und soll bei der Umstellung auf klimafreundliche Produktionsverfahren unterstützen. So sollen Mehrkosten, die durch den Einsatz emissionsarmer Technologien im Vergleich zu konventionellen Verfahren entstehen, ausgeglichen werden. Die Verträge laufen insgesamt über 15 Jahre.

 

Mit dem Klimaschutzvertrag lässt sich Tesa die Umstellung auf grünen Wasserstoff, elektrifizierten Prozessdampf mit Wärmespeicher und eine KI-optimierte Anlagensteuerung wirtschaftlich absichern. Der Bund kompensiert dafür einen Teil der operativen Mehrkosten, die durch den Einsatz erneuerbarer Energieträger entstehen.

 

Zweite Ausschreibungsrunde soll kommen

 

Neben Tesa stehen auch andere Branchen den Klimaschutzverträgen positiv gegenüber. Besonders energieintensive Branchen wie Stahl oder die Elektroindustrie sehen darin eine wichtige Unterstützung, um Investitionsentscheidungen für emissionsarme Technologien abzusichern. Dabei stand eine zweite Ausschreibungsrunde der Klimaschutzverträge noch lange auf der Kippe wegen einer unklaren Finanzierung sowie EU-beihilferechtlicher Hürden. Die seit 2025 amtierende schwarz-rote Regierung hat sich jedoch zu einem Fortführen des Instruments durchgerungen. Die zweite Gebotsrunde soll Mitte 2026 stattfinden. Neu ist diesmal Flexibilität bei Abweichungen von Emissionsminderungen sowie ein erleichterter Zugang für den Mittelstand.

 

Genau dieser steht den CCfDs nämlich kritisch gegenüber: Viele kleine und mittlere Unternehmen empfinden die Verträge als zu stark auf Großindustrie zugeschnitten und sehen den bürokratischen Aufwand als Hürde. Branchenvertreter forderten daher, die Verträge stärker auf die Bedürfnisse des Mittelstands zuzuschneiden und administrative Hürden zu senken.

 

Sorge vor "Bürokratiemonster"

 

Auch bei Tesa bestanden Sorgen vor möglichen Risiken, die mit Klimaschutzverträgen einhergehen könnten, wie Erfurth im Interview erläuterte. Er verwies etwa auf mögliche Rückzahlungen der Fördermittel, falls das Unternehmen durch günstige Marktbedingungen Mehreinnahmen erziele. Dieses Szenario sei zwar nicht zu unterschätzen, rückblickend falle das Fazit jedoch positiv aus, betonte der Energiemanager. Anfangs habe er durchaus Sorge vor einem "möglichen Bürokratiemonster" gehabt, räumte Erfurth ein. Doch der Aufwand sei im Nachhinein überschaubar. Gleichwohl sieht Tesa in dem Instrument kein Allheilmittel, sondern vielmehr einen "sinnvollen Baustein für die industrielle Transformation".

 

Leuchtturm Hamburg: Transformation unter Realbedingungen

 

Im Mittelpunkt der eigenen Transformation steht für den Klebemittelhersteller das Hamburger Werk als größter und energieintensivster Standort in Europa. Ziel ist eine klimaneutrale Produktion bis 2030. Tesa verfolge dabei einen Ansatz, der vier klaren Leitlinien folge, wie Erfurth erklärte: maximale Energieeffizienz, konsequente Elektrifizierung, erneuerbare Eigenerzeugung und eine umfassende digitale Steuerung. Effizienz steht dabei bewusst an erster Stelle. "Die beste Energie ist die, die wir gar nicht erst verbrauchen", so Erfurth. In vielen Industrieanlagen seien noch erhebliche Einsparpotenziale vorhanden, da Energie lange Zeit nicht im Fokus stand.

 

Elektrifizierung braucht Speicher

 

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Tesa-Pläne sind Speicher. Gemeinsam mit dem Hamburger Anbieter Energynest errichtet das Unternehmen derzeit einen Wärmespeicher mit rund 40 MWh Kapazität. Dieser soll Stromerzeugung und Wärmebedarf zeitlich entkoppeln. Strom für die Dampferzeugung kann dann genutzt werden, wenn er günstig oder reichlich verfügbar ist, etwa bei hoher Wind- oder PV-Erzeugung. "Der Speicher macht die Elektrifizierung wirtschaftlich sinnvoll", bekräftigte der Head of Energy das Vorgehen.

 

Die Elektrifizierung hat auch erhebliche Auswirkungen auf den Strombedarf. Dieser werde sich den Angaben von Erfurth zufolge vervierfachen. Damit stößt Tesa an Grenzen, beispielsweise durch begrenzte Netzanschlussleistungen. Hier komme Wasserstoff ins Spiel, nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung, wie der Energiemanager betonte. Er eröffne zusätzliche Energiemengen und schaffe Perspektiven für weiteres Wachstum. Gleichzeitig zähle Wasserstoff aktuell zu den schwierigsten Bausteinen: "Es gibt noch keinen transparenten Markt, die Infrastruktur entsteht erst, und viele Standards fehlen", gab Erfurth zu bedenken. /hp

 

Das vollständige Interview mit Thomas Erfurth, Head of Energy bei Tesa, lesen Sie im Add-on Markt & Industrie

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