Studie zeigt Direktvermarktungsoptionen für kleine PV-Anlagen
Freiburg im Breisgau (energate) - Eine Studie des Fraunhofer ISE zeigt: Sollte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ernst machen und die Einspeisevergütung für PV-Dachanlagen bis 30 kW abschaffen, um sie durch eine Direktvermarktungspflicht zu ersetzen, droht ein deutlicher Rückgang an Investitionen in diesem Segment. Die Forschenden, die von den Elektrizitätswerken Schönau mit der Studie beauftragt wurden, plädieren daher für eine Überarbeitung der Direktvermarktung. Diese sei nach jetzigem Stand für solch kleine Anlagen schlichtweg zu ineffizient, um als EEG-Alternative gelten zu können.
Wird die EEG-Vergütung abgeschafft, könnten Anlagenbetreiber nur noch über die Direktvermarktung Erlöse für überschüssigen Solarstrom erzielen. Damit das wirtschaftlich ist, sei eine möglichst hohe Eigenverbrauchsquote wichtig, etwa über die Nutzung von Wärmepumpen oder Batteriespeichern, so die Studienautoren und -autorinnen. Ist dies nicht möglich, müsste die PV-Anlage kleiner dimensioniert werden, um eine hohe Eigenverbrauchsquote zu erreichen.
Das Fraunhofer ISE schätzt, dass in der Direktvermarktung eine um etwa 15 Prozent höhere Eigenverbrauchsquote nötig wäre, um den gleichen wirtschaftlichen Ertrag wie unter EEG-Vergütung zu erzielen. Damit müssten die Erlöse pro kWh bei gleicher Eigenverbrauchsquote in der Direktvermarktung um 2 bis 3 Cent über denen der EEG-Vergütung liegen, um die Kosten des Vermarkters zu decken. Der Wechsel führt laut Studie insgesamt zu geringerer Wirtschaftlichkeit von PV-Batteriesystemen, höherem Aufwand und größerer Unsicherheit für private Haushalte. Außerdem würde weniger PV-Strom für das Gesamtsystem erzeugt werden.
Marktkommunikation flächendeckend umsetzen
Damit es keinen Einbruch im Segment unter 30 kW gibt, müssen die Voraussetzungen für die Direktvermarktung solcher Anlagen angepasst werden. Um die Transaktionskosten und den Aufwand für Betreiber zu senken, schlägt die Studie vor, den Smart-Meter-Rollout zu beschleunigen und die standardisierte Marktkommunikation inklusive Marktkommunikationsverordnung flächendeckend umzusetzen.
Die Solarbranche ist bei der verpflichtenden Direktvermarktung für Kleinanlagen geteilter Meinung. Während sich Branchenverbände wie BEE und BSW in der Vergangenheit klar gegen eine Abschaffung der fixen Einspeisevergütung positioniert haben, sehen Unternehmen wie Enpal oder auch Energiekonzepte Deutschland das anders. Sie meinen, Aufdachanlagen kämen auch ohne EEG-Vergütung zurecht, allerdings käme es stark auf andere Anreize und die Ausgestaltung der Direktvermarktung an.
Festpreistarife oder flexible Einspeisevergütung als netzdienliche Anreize
Die Fraunhofer-Studie geht derweil davon aus, dass selbst wenn die Prozesse der Direktvermarktung verbessert würden, der Aufwand hoch und die eingespeisten Mengen gering blieben. Daher machen die Forschenden drei Alternativvorschläge. Erstens einen Festpreistarif, zu dem der Überschussstrom an einen Stromversorger verkauft wird. Dieser wiederum vermarktet den Strom und stellt gleichzeitig den Reststrom für den Haushalt bereit. Der Netzbezug würde dabei typischerweise über einen dynamischen Stromtarif laufen, sodass der Haushalt einen Anreiz hat, den Strom zu Hochpreiszeiten selbst zu nutzen und zu Niedrigpreiszeiten ins Netz einzuspeisen.
Zweitens wäre eine flexible Einspeisevergütung denkbar. Diese sollte sich am Marktwert orientieren und könnte Anreize zum Verschieben von Stromüberschüssen in Zeiten höherer Strompreise setzen, ohne einen Akteur wie einen Direktvermarkter oder Aggregator einbinden zu müssen. Sie würde gleichzeitig einen Anreiz zur Netzdienlichkeit setzen sowie Investitionssicherheit für den Betreiber gewährleisten, so die Autoren und Autorinnen.
Einspeiseleistung begrenzen
Drittens könnte die PV-Einspeiseleistung dauerhaft begrenzt werden. Dabei denken die Forschenden an einen Cap bei 50 oder 60 Prozent der Nennleistung. Dies ist bei Neuanlagen bis zum Einbau eines Smart Meters bereits Standard. Grob überschlagen könnte so bei gleicher Netzbelastung doppelt so viel PV-Anlagenleistung installiert werden. Rund 80 Prozent der neu gebauten PV-Anlagen im Jahr 2025 wurden mit Batteriespeicher kombiniert. Viele Batteriehersteller bieten heute schon die Option des prognosebasierten Ladens, sodass PV-Anlagen systemdienlich agieren können, wenn dafür ein Anreiz besteht.
Derzeit stemmen kleine Solar-Dachanlagen mehr als ein Drittel der Stromleistung aus PV. Die neu installierte Leistung solcher Anlagen lag im Jahr 2023 bei rund 8.000 MW, im vergangenen Jahr waren es immerhin noch circa 5.000 MW. /lm