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Studie warnt: Gesicherte Kapazität nicht überschätzen

Berlin (energate) - Die am Markt verfügbaren gesicherten Kapazitäten in der Stromerzeugung werden gemeinhin überschätzt. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Kurzstudie "Preisspitzen am deutschen Strommarkt" der Beratungsgesellschaft Neon Neue Energieökonomik im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers 50 Hertz. Darin untersuchen die Autoren insbesondere die Preisspitzen am 12. Dezember 2024. An diesem Tag hatte es Stundenpreise gegeben, die in der Spitze bei über 900 Euro/MWh lagen. Wie zuvor Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt fanden sie keine Anzeichen für marktmissbräuchliches Verhalten. Die Preisspitzen seien stattdessen auf Knappheiten zurückzuführen.

 

Reale Erzeugung geringer als erwartbar

 

Das Untersuchungsdesign der Berliner Berater unterschied sich von denen der Behörden. Sie betrachteten nur die auf der Transparenzplattform von Entso-E gelisteten Kohle-, Erdgas- und Pumpspeicherkraftwerke, allesamt Anlagen mit einer Erzeugungsleistung von mindestens 100 MW. Die anlagenscharfe Auswertung der Autoren zeigte: Nur etwa 60 Prozent der betrachteten Kraftwerke liefen bei voller Leistung. Die restlichen 40 Prozent liefen hingegen nicht oder mit einer Leistung unterhalb von 80 Prozent ihrer Nennleistung. Gründe dafür könnten Alterung, Wartungen oder technische Störungen sein, heißt es in der Studie. Insgesamt habe die verfügbare Erzeugungsleistung damit aber weit unter der erwartbaren gelegen. Aufgrund der geringen Verfügbarkeit mahnen die Studienautoren bezüglich eines künftigen Kapazitätsmarktes daher eine realistische Einschätzung von Erzeugungskapazitäten an.

 

Insgesamt waren mehr als zehn Prozent der Erzeugungsleistung kurzfristig nicht verfügbar. Die Autoren der Kurzstudie geben zu bedenken: Dahinter sowie auch hinter gedrosselter Leistung könne auch die strategische Zurückhaltung der Betreiber stehen, also Marktmanipulationen. Belege, die diese Vermutungen erhärten könnten, legen sie allerdings nicht vor. Das Bundeskartellamt war in seiner Analyse dieser Frage nachgegangen, hatte aber hier ebenfalls keine Auffälligkeiten gefunden. Die Neon-Autoren haben für 6.000 MW der nicht zur Verfügung stehenden Leistung gar keine Ursachen benennen können.

 

Keine Hinweise auf Marktmissbrauch

 

In der Betrachtungsweise der Autoren handelt es sich um eine Preisspitze, wenn ein Handelspreis über die variablen Kosten der teuersten Kraftwerke hinausgeht. Das sind in der Regel Kraftwerke auf Basis von offenen Gasturbinen. Für die erste Stunde betrachten die Autoren dabei zusätzlich die Anfahrtskosten dieser Kraftwerke, Investitions- und Fixkosten bleiben jeweils außen vor. Für den 12. Dezember 2024 ermittelten sie als Kosten einer offenen Gasturbine 218 Euro/MWh, für die erste Stunde 418 Euro/MWh. An diesem Tag lagen 14 Stunden oberhalb dieses Wertes, der Day-Ahead-Preis für diesen Tag lag bei 395 Euro/MWh. Zum Vergleich: Nach einer energate-Auswertung gab es bislang im Dezember 2025 (1.-12.12.) nur 26 Viertelstundenpreise oberhalb von 200 Euro/MWh, wobei der höchste Viertelstundenpreis 358 Euro/MWh betrug.

 

Die Neon-Autoren verweisen darauf, dass selbst solch hohe Preise wie im vergangenen Jahr notwendig sind, damit auch Betreiber sehr teurer Anlagen ihre Investitions- und Fixkosten refinanziert bekommen. /sd

 

Die vollständige Kurzstudie "Preisspitzen am deutschen Strommarkt" finden Sie im Internet.

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