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Studie: Deutschland verfehlt Klimaziel 2045

Berlin (energate) - Deutschland wird sein Ziel der Klimaneutralität bis 2045 nicht erreichen. Das geht aus dem Energy Transition Outlook des Beratungsunternehmens DNV hervor. Demnach werden die CO2-Emissionen bis 2045 nur um 89 Prozent und bis 2050 um 95 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken. Grund ist unter anderem die anhaltende Nutzung fossiler Energieträger wie Erdgas, etwa im Gebäudesektor. Die Studie hält aber auch positive Botschaften bereit, etwa den Rückgang der Energieimporte: Während bisher 70 Prozent der Primärenergie aus dem Ausland eingeführt wurden, wird dieser Anteil demnach bis 2050 auf 27 Prozent sinken.

 

Elektrifizierung treibt Wandel

 

Die Autoren gehen davon aus, dass sich die Nutzung von elektrischer Energie in den kommenden 25 Jahren verdoppeln wird. Der Anteil von Strom am Endenergieverbrauch werde von derzeit 19 auf 46 Prozent im Jahr 2050 steigen. Bis dahin verdoppele sich die Stromproduktion auf 1.050 Terawattstunden, wobei 98 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen sollen. Dennoch würden die Ausbauziele knapp verfehlt: Bei Solarenergie würden 325 GW erreicht (Ziel: 400 GW), 142 GW bei Onshore-Wind (Ziel: 160 GW) und 66 GW bei Offshore-Wind (Ziel: 70 GW).

 

Getrieben wird die Entwicklung unter anderem von einer weitgehenden Elektrifizierung des Verkehrssektors. Laut Studie werden Mitte der 2030er Jahre kaum noch Verbrenner auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Eine gute Nachricht betrifft darüber hinaus die Kosten. Demnach werden die Energiepreise für die deutsche Industrie über den gesamten Prognosezeitraum auf einem ähnlichen Niveau liegen wie in anderen europäischen Ländern. Gleichzeitig stehen hohe Investitionen an: rund 3,3 Bio. Euro müssten laut Outlook in den kommenden Jahrzehnten allein in die Energieinfrastruktur in Deutschland fließen. Die größte Summe - 1,7 Bio. Euro - entfällt auf Endverbraucher, die etwa ihre Heizsysteme modernisieren müssen.

 

Wasserstoff bleibt teure Hoffnung

 

Dennoch werde Deutschland weiterhin auf fossile Energieträger angewiesen sein. Die Erdgasnachfrage bleibt demnach mit 290 TWh im Jahr 2050 auf hohem Niveau. Zwar gewinnt Wasserstoff an Bedeutung, doch werde er nicht schnell genug zur tragenden Säule. Rund 250 TWh Wasserstoff und Derivate würden 2050 nachgefragt, doch nur ein Drittel werde im Inland produziert. Der Rest müsse importiert werden, vor allem aus Norwegen, Spanien und dem Ostseeraum.

 

Bis 2050 werden Erdgas und Wasserstoff also parallel genutzt und ähnlich stark nachgefragt werden. Der Energieträger Wasserstoff bleibt zudem vorerst teuer. Erst gegen Ende der 2030er Jahre wird er laut Prognose wettbewerbsfähig sein. Bis dahin seien umfangreiche Subventionen notwendig.

 

Reduzierte Energieimporte, aber nicht autark

 

Ein Erfolg der Energiewende zeichnet sich laut DNV dennoch ab: Die Importabhängigkeit wird drastisch sinken. Besonders die Importe von Kohle und Öl würden um 99 bzw. 79 Prozent zurückgehen. Laut Prognose wird 2050 ein Fünftel der Haushalte aber weiterhin mit Erdgas heizen, weil die Umrüstung schleppend verläuft. Viele Haushalte könnten sich den Umstieg nicht leisten und außerdem verzögere sich der Ausbau der Strom- und Wärmenetze, heißt es im Report.

 

Der Outlook geht von einigen Annahmen aus: Beispielsweise, dass der CO2-Preis weiter steigt - auf 230 Euro pro Tonne CO2 bis 2050. Die Bevölkerungszahl bleibt in der Studie stabil bei 85 Mio. Menschen in Deutschland. Zudem gehen die Autoren davon aus, dass Deutschland seine Erneuerbarenziele nicht verändern wird. Auch bei einem Regierungswechsel sei ein fundamentaler Strategiewechsel unwahrscheinlich, heißt es in der Studie. Jegliche neue Regierung müsse die Vorgaben der Verfassung bezüglich Klimaschutz einhalten sowie weiter daran arbeiten, weniger von Energieimporten abhängig zu sein und ein attraktiver Industriestandort zu bleiben. "Daher prognostizieren wir, dass Deutschland seine sektorübergreifende Transformation fortsetzt." /ck

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