Stromnetz Berlin investiert Millionen in Kritis-Sicherheit
Berlin (energate) - Stromnetz Berlin investiert massiv in den physischen Schutz der eigenen Netzinfrastruktur. Allein im laufenden Geschäftsjahr investiere das Unternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag in Sicherheits- und Resilienzmaßnahmen, erklärte Erik Landeck, Geschäftsführer des Berliner Stromnetzbetreibers, beim Jahrespressegespräch. Hintergrund sind die beiden Brandanschläge, die Unbekannte im Herbst 2025 und Anfang 2026 auf die Netzinfrastruktur der Bundeshauptstadt verübten. Um die Infrastruktur besser zu schützen, sind inzwischen zusätzlich 130 Wachpersonen an wichtigen Stromnetzanlagen im Einsatz, mehr als 200 Kameras wurden installiert und rund 20 Kilometer Zaun verbaut - extrahoch und mit Stacheldraht. "Wir wissen, dass es eine 100-prozentige Sicherheit nicht geben kann, dennoch tun wir das technisch und Menschenmögliche, um das Berliner Stromnetz wirkungsvoll zu schützen", sagte Landeck.
Mit seinen Bemühungen sieht sich Stromnetz Berlin auf dem Weg zum Vorreiter beim Schutz kritischer Infrastrukturen. So sei man dabei, die 120 Strommasten im Stadtgebiet mit Kameras und Sensortechnik auszustatten - quasi Sicherheit von Endmast zu Endmast. Bisher betreibe kein anderer Netzbetreiber in Deutschland einen solchen Aufwand, sagte Landeck. Die Sensorik erfasse Bewegungen, Schwingungen am Mast und Geräusche.
Georedundanzen erweitern
Neben stärkerer Überwachung setzt der Stromnetzbetreiber auch auf den Ausbau sogenannter Georedundanzen. Hier wird Netzinfrastruktur nicht nur mehrfach, sondern vor allem geografisch getrennt voneinander aufgebaut, sodass Störungen, Ausfälle oder Anschläge mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit nicht die Redundanz betreffen. Im Südosten Berlins ist man hier schon recht weit - auch deshalb waren die Folgen des Brandanschlags im September 2025 verhältnismäßig glimpflich. Im Berliner Südwesten, wo der jüngste Anschlag im Januar 2026 verübt wurde, sei man derzeit noch mit Reparaturen beschäftigt. Der Schaden werde sich wohl im einstelligen Millionenbereich bewegen, erklärte der Stromnetz-Berlin-Chef. Die Schäden des Anschlags im September 2025 beliefen sich auf etwa 3 Mio. Euro. Zum laufenden strafrechtlichen Verfahren und zu der Frage, ob es bereits Erkenntnisse zu den Tätern gebe, wollte Landeck sich nicht äußern.
Trotz der Angriffe auf die Infrastruktur und ihrer Schäden blickt der Netzbetreiber auf ein sehr gutes Geschäftsjahr zurück. Der Gewinn nach Steuern in Höhe von 209,2 Mio. Euro liege deutlich über den Erwartungen, betonte die Unternehmensführung. Auch das Vorjahresergebnis in Höhe von 150,9 Mio. Euro hat der Netzbetreiber deutlich übertroffen. Die positive Entwicklung resultiert vor allem aus den preisbedingt geringeren Kosten für die Netzverlustbeschaffung sowie dem finanziellen Saldo aus der Differenzbilanzkreisabrechnung und einer höheren aktivierten Eigenleistung.
Netzkapazität soll sich verdoppeln
Die Investitionen des Verteilnetzbetreibers stiegen mit 452 Mio. Euro ebenfalls und erreichten ein neues Allzeithoch. 2026 will das Unternehmen jedoch noch mal mehr Geld in die Hand nehmen: Investitionen in Höhe von 597 Mio. Euro sind vorgesehen. In den nächsten fünf Jahren sollen die Gesamtinvestitionen auf 3,6 Mrd. Euro steigen. Einer der Hauptposten soll dabei der Stromnetzausbau sein. Die Netzkapazität soll sich bis 2034 auf 4,5 GW gut verdoppeln, denn auch in der Bundeshauptstadt gibt es zu wenig Netzanschlüsse. Treiber seien unter anderem Großprojekte wie die Power-to-Heat-Anlage der BEW in Berlin-Mitte mit 120 MW Leistung.
Bis das Netz tatsächlich allen Anschlussbegehren gerecht werden kann, greift Stromnetz Berlin auf das Repartierungsverfahren zurück. Es gilt für Anlagen ab einer Anschlussleistung von 3,5 MW und funktioniert ähnlich wie das Reifegradverfahren der Übertragungsnetzbetreiber. 70 Anträge mit einem Volumen von 2.300 MW wurden 2025 in der ersten Vergaberunde eingereicht. 365 MW standen zur Verfügung. Letztlich kamen 37 Anträge zum Zug. Vor allem Rechenzentren hätten sich beworben, sagte Geschäftsführer Landeck. Eine weitere Vergabe von Netzanschlüssen über das Verfahren verzögert sich derzeit, denn ein Unternehmen hatte gegen das Vorgehen geklagt. Weiter geht es erst, wenn ein Urteil gesprochen wird.
Beim Smart-Meter-Rollout kommt das Unternehmen gut voran. Bisher hat der grundzuständige Messstellenbetreiber 78.700 intelligente Messsysteme verbaut. Das entspricht etwa 55 Prozent des geforderten Pflichteinbaus bis 2035. Bis dahin will Stromnetz Berlin allerdings nicht wie gefordert 141.000 Systeme installiert haben, sondern 447.000. Als Begründung nannte Stromnetz-Berlin-Chef Landeck den Mieterstrom. In Berlin seien entsprechende Modelle sehr beliebt, deshalb seien deutlich mehr intelligente Zähler vonnöten. /lm