Stilllegung: Stuttgart ist kohlefrei
Stuttgart (energate) - Stuttgart ist nach über 100 Jahren kohlefrei. Mit Ablauf des ersten Quartals 2026 endet die Reservefunktion des alten Kohleblocks in Stuttgart-Münster. Die Restbestände an Kohle wurden letztmals am 20. Februar verfeuert, wie der Betreiber EnBW mitteilte. Die drei Kohlekessel liefen vor allem im Winter, wenn die Leistung der bestehenden Müllverbrennungsanlage nicht ausreichte.
Jetzt sichert das erste wasserstofffähige Gaskraftwerk der EnBW die Versorgung der Landeshauptstadt. Dieses ging bereits am 17. Oktober 2025 von der Testphase in den kommerziellen Betrieb über."Die neue Gasturbinenanlage hat sich im Betrieb als zuverlässig erwiesen", berichtete Peter Heydecker, EnBW-Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur. Die gute Bilanz bestärke den Konzern darin, seine Fuel-Switch-Strategie mit dem Umbau weiterer Standorte fortzusetzen. Das neue Gaskraftwerk verfügt über eine thermische Leistung von 370 MW und eine elektrische Leistung von 124 MW. Damit summiert sich der Kraftwerksstandort Stuttgart-Münster mit Müllverbrennungsanlage und Großwärmpumpe (24 MW) auf insgesamt 450 MW thermisch.
Investitionen in zwei weitere Standorte
Zwei weitere wasserstofffähige Gaskraftwerke baut die EnBW derzeit in Altbach/Deizisau und Heilbronn. In Heilbronn ging der Kohleblock 7 kürzlich in die Netzreserve. Dort baut der Konzern als "HLB 8" ebenfalls ein neues, wasserstofffähiges Gas- und Dampfkraftwerk, das in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 den kommerziellen Betrieb aufnehmen soll. Für den Kohleausstieg an den drei Standorten investiert der Konzern nach eigenen Angaben 1,6 Mrd. Euro. Ab frühestens Mitte der 2030er Jahre soll Wasserstoff zum Einsatz kommen, "wenn dieser ausreichend zur Verfügung steht", schränkt der Konzern ein. Die EnBW verfolgt den Plan, bis Ende 2028 komplett aus der Kohleverstromung auszusteigen. Wegen zahlreicher politischer Unwägbarkeiten hat das Unternehmen seine Ausstiegsambitionen inzwischen mit dem Zusatz versehen, sofern die Rahmenbedingungen es erlauben. /mt