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Steigende Energiepreise lassen Standortnachteile wachsen

Berlin (energate) - Der Irankrieg hat Folgen: Die Energiepreise steigen, die Befürchtungen um Konjunktur und Wettbewerbsfähigkeit wachsen. Das Wirtschaftsministerium sieht dennoch keinen Anlass zu Sorge. "Wir beziehen nur geringe Mengen Rohöl aus der Region - LNG gar nicht", bestätigte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums Aussagen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Es gelte nun abzuwarten, wie sich die Preise entwickeln. Darüber ließe sich nicht spekulieren. Aber der Markt sei sehr liquide. Abzuwarten sei auch, wie lange der Konflikt andauere, so die Sprecherin.

 

Reiche hatte zuvor im ARD-Fernsehen betont, es würden "keine signifikanten Mengen an Gas" über die Straße von Hormus nach Deutschland importiert. Die Wirtschaftsministerin schloss aber nicht aus, dass es zu Preissteigerungen kommen könnte. "Deutschland und Europa hängen bei der Gasversorgung aktuell zwar nur in begrenztem Umfang direkt an Lieferströmen durch die Straße von Hormus. Klar ist aber auch: Durch die Sperrung fällt ein nennenswerter Teil der globalen LNG-Mengen weg", sagte Matthias Belitz, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit, Energie und Klimaschutz im Verband der Chemischen Industrie (VCI), gegenüber energate. Dadurch dürften die Energiepreise weltweit steigen - auch in Deutschland. Das verschärfe den Wettbewerbsnachteil gegenüber Standorten mit strukturell günstigeren Energiekosten, etwa den USA.

 

Sorge um Speicherbefüllung

 

Der Großhandelspreis für Erdgas legte zuletzt stark zu. Eine Gefährdung der deutschen Gasversorgung sieht aber auch Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur (BNetzA), derzeit nicht. Weniger entspannt zeigt sich hingegen Sebastian Bolay, Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie bei der Deutschen Energie- und Handelskammer (DIHK): "Die Auswirkungen auf die Unternehmen mit Blick auf die Gas- und in der Folge die Strompreise sind aktuell kaum vorhersehbar", sagte er zu energate. Unternehmen würden sich in aller Regel am Terminmarkt eindecken, sodass kurzfristige Preissteigerungen begrenzte Auswirkungen hätten. "Sollte sich der Konflikt allerdings lange hinziehen, sind Produktionseinschränkungen aufgrund zu hoher Energiekosten nicht auszuschließen", erklärte er.

 

Olaf Geyer, Partner und Head of Energy bei dem Beratungsunternehmen Arthur D. Little, sorgt sich um die weitestgehend leeren Speicher, die nun gefüllt werden müssten. "Preissprünge bei LNG machen das Unterfangen schwieriger und vor allem teurer. Das schlägt sich schnell in hiesigen Energiepreisen nieder", so der Unternehmensberater zu energate. Eine längere Krise käme auch für die deutsche Wirtschaft zur Unzeit. "Der Krieg wird die Befüllung der Speicher nicht einfacher machen", sagte auch Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen, gegenüber energate. Energieunabhängigkeit müsse deshalb heißen: runter mit dem Verbrauch, und raus aus der Abhängigkeit von Öl und Gas.

 

Dauerhaft hohe Ölpreise können den Transport von Waren spürbar verteuern, was die Exportnation Deutschland besonders treffen würde. "In den Transportbranchen muss vorübergehend mit höheren Treibstoffkosten gerechnet werden", bestätigte Wolfgang Niedermark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Industrieverbandes BDI. Sorgen um die konjunkturelle Erholung in Deutschland und Europa macht er sich jedoch nicht. "Für die deutsche Industrie sind Erdgas und Strom zentral", sagte er. Die Verwundbarkeit liege primär bei Energie und Transportkosten, nicht bei der physischen Verfügbarkeit.

 

Heimische Gasförderung als Lösung?

 

In Hinblick auf die Gasförderung brachte Wirtschaftsministerin Reiche zuletzt ein Wiederaufleben der heimischen Gasförderung ins Spiel. "Wir haben eigene Reserven in Deutschland", sagte Reiche den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Bundesregierung wolle die Gasförderung "nicht weiter behindern". So solle beispielsweise bei der Gasexploration in der Nordsee mehr möglich sein, forderte sie. Zwischen Umweltinteressen und Rohstoffversorgung müsse "sensibel" abgewogen werden. "Schon mit Blick auf die geringen Mengen und hohen Kosten kann es doch nicht ernsthaft die Antwort der Ministerin sein, das Wattenmeer zu zerbohren. Das kann kein ernst gemeinter Vorschlag sein", entgegnete Grünen-Politiker Kellner.

 

Die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums verwies auch auf die laufenden Überlegungen zu einer strategischen Gasreserve. Diese beträfen aber nicht das Thema Versorgungssicherheit, sondern Eventualitäten wie beispielsweise Pipeline-Anschläge, betonte sie.

 

Und auch die EU beschäftigt sich nun mit der aktuellen Lage: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wird sich die Gas-Koordinierungsgruppe der Europäischen Union am 3. März treffen, um die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten zu bewerten. Die Koordinierungsgruppe besteht aus Vertretern der EU-Regierungen und überwacht die Gasspeicherung sowie die Versorgungssicherheit. /ck/pa

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