Stadtwerke Meiningen hoffen auf weitere KWK-Ausschreibungen
Meiningen (energate) - Nach einer erfolglosen Teilnahme an einer iKWK-Ausschreibung hoffen die Stadtwerke Meiningen auf weitere Auktionsrunden mit weniger hartem Wettbewerb. Im Juni 2025 war der Thüringer Kommunalversorger mit seiner Bewerbung um ein innovatives Kraft-Wärme-Kopplungssystem inklusive Power-to-Heat-Anlage leer ausgegangen. In der nächsten und vorerst letzten Runde versuchte er es dann gar nicht mehr. Denn schon im Juni war das Bieterfeld groß, die Ausschreibung der Bundesnetzagentur stark überzeichnet. "Ausschlaggebend war die Einschätzung, dass wieder mit nicht darstellbaren Gebotspreisen zu rechnen gewesen wäre", erläuterte eine Stadtwerkesprecherin gegenüber energate. Zumindest gelte dies für komplett neu zu entwickelnde Projekte. Ironischerweise war die letzte Runde dann gar nicht über-, sondern unterzeichnet. Vielleicht hatten noch mehr Interessenten im Vorfeld das Handtuch geworfen. Aber der Durchschnittspreis für die sechs Gewinner sank trotzdem von 7,15 auf 6,67 Cent/kWh.
Meiningen hofft auf Auktionen mit höherem Volumen
Die Stadtwerke Meiningen haben an ihrem alten BHKW-Standort Goethestraße bereits alte Anlagen außer Betrieb genommen. Für Ersatz sollte der neue Standort in der Ernststraße sorgen, mit zwei BHKW-Modulen mit einer Leistung von rund 4 MW bzw. 2 MW. Ein Spitzenlastkessel (mindestens 4 MW) und eine Power-to-Heat-Anlage sollten die Fernwärmeversorgung ein Stück weit grüner und sicherer machen. Daraus wird jetzt erst einmal nichts.
Denn laut der KWK-Ausschreibungsverordnung waren die beiden letzten Runden im Juni und Dezember 2025 angesetzt. Die Branche hofft seit Langem auf eine große Reform des zugehörigen Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG). Diese hängt aber wegen eines beihilferechtlichen Streits mit der EU-Kommission in der Warteschleife. "Wir setzen darauf, dass die Bundesregierung die große Bedeutung des KWKG so einschätzt wie die Branche und eine oder zwei neue Ausschreibungen im Jahr 2026 mit deutlich erhöhten Volumen durchführt", betonte die Sprecherin der Stadtwerke Meiningen. Vor Kurzem hatte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zumindest eine baldige Reform des KWKG versprochen. In den Augen von Meiningen ist es "das einfachste und sinnvollste Instrument der Förderung moderner Erzeugung für Stadtwerke unserer Größe". Infrage kommt zwar auch die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze. Diese sei aber eher für die weitergehenden Anlagenplanungen sowie die schrittweise Dekarbonisierung der Wärmeversorgung geeignet.
Fluss-Luft-Wärmepumpe zur Dekarbonisierung
Am weitesten fortgeschritten ist derzeit die Planung einer kombinierten Fluss-Luft-Wärmepumpe an der Werra in Kombination mit Biomethan in der Ernststraße. Darüber hinaus bestehen Überlegungen und erste Planungsschritte im Bereich der Solarthermie sowie zu saisonalen Großwärmespeichern mit Wärmepumpe und Power-to-Heat-Anlage. Hier holen sich die Stadtwerke Unterstützung. Im Rahmen des Förderprogramms namens Urban Arena soll die Technische Universität Dresden die Ansätze wissenschaftlich begleiten.
Zum Ausbau der Netze und zur Anbindung neuer Erzeugungsanlagen müssen die Bagger rollen. Einmal längs durch das Stadtgebiet ist eine 3,5 Kilometer lange Trasse mit einer Dimension von DN 200 geplant, die eine Leistung von bis zu 10 MW ermöglichen würde. "Dies soll in den nächsten sechs Jahren zusammen mit der Erschließung weiterer Quartiere geschehen", so die Sprecherin. Die kommunale Wärmeplanung greift den Ausbau der Fernwärme derzeit nur in Grundzügen auf. Der Versorger will unabhängig davon in die Quartiersplanung gehen. /mt