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Stadtwerke Lübeck nehmen erstes Rechenzentrum in Betrieb

Lübeck (energate) - Die Stadtwerke Lübeck haben ihr erstes eigenes Rechenzentrum offiziell in Betrieb genommen. Damit will der kommunale Versorger neben der Schaffung einer regionalen Alternative zu internationalen Cloud-Infrastrukturen auch gleichzeitig neue Maßstäbe bei der Energieeffizienz setzen, teilten die Stadtwerke mit. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag, erklärte eine Sprecherin der Stadtwerke Lübeck auf Nachfrage von energate. Ein zentrales Merkmal des Vorhabens ist das integrierte Energiekonzept, das Kühlung, Strommanagement und Energieeinsparung kombiniert.

 

Die Stromversorgung basiere auf ausschließlich zertifiziertem Ökostrom, bestätigte die Sprecherin. Das neu entstehende Quartier "Geniner Ufer" wird unter anderem mit zwei Blockheizkraftwerken (BHKW) im benachbarten Umspannwerk mit jeweils 100 kW elektrischer Leistung versorgt. Diese BHKW werden zwar mit Erdgas betrieben, dem werde aber "bilanziell mindestens 65 Prozent Biomethan beigemischt", so die Sprecherin. Ergänzt wird das Konzept durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Rechenzentrums mit einer Leistung von rund 180 bis 200 kW. Auch die entstehende Abwärme der Server soll genutzt werden: Sie dient der Beheizung angrenzender Räume. Damit kombinieren die Stadtwerke digitale Infrastruktur mit einem regionalen Energiekreislauf.

 

Digitale Infrastruktur in kommunaler Verantwortung

 

Mit dem neuen Rechenzentrum verfolgen die Stadtwerke das Ziel, sensible und geschäftskritische Daten künftig direkt vor Ort zu verarbeiten und zu speichern. Damit sollen Abhängigkeiten von internationalen Cloud-Anbietern reduziert und die regionale Datenhoheit gestärkt werden. "Wir schaffen eine digitale Infrastruktur, die Sicherheit, Unabhängigkeit und Energieeffizienz vereint - und wir tun das bewusst in kommunaler Verantwortung", sagte Jens Meier, CEO der Stadtwerke-Lübeck-Gruppe. Neben der Sicherung der Datenhoheit soll die Infrastruktur auch die Resilienz zentraler IT-Systeme von Unternehmen, Verwaltung und Betreibern kritischer Infrastruktur erhöhen.

 

Das Rechenzentrum ist für besonders sensible Anwendungen ausgelegt. Alle zentralen Systeme sind mehrfach redundant aufgebaut, um einen unterbrechungsfreien Betrieb auch im Störfall sicherzustellen. Ergänzt wird dies durch eine leistungsfähige Netzanbindung sowie moderne Sicherheitsmechanismen zum Schutz vor Cyberangriffen, beschrieben die Stadtwerke.

 

Eigentlich war die Inbetriebnahme des Rechenzentrums bereits für September 2024 geplant. "Die bauliche Verzögerung resultiert daraus, dass im Gesamtprojekt zusätzliche Redundanzen geschaffen wurden", so die Sprecherin. "Gleichzeitig wurden Aspekte der Sektorenkopplung umfassender in das Gesamtkonzept integriert - inklusive der planerischen Berücksichtigung weiterer Ausbaustufen." Diese Anpassungen erhöhten die Komplexität des Projekts und führten zu einer späteren Inbetriebnahme, erklärte sie.

 

Ausbau bereits beschlossen

 

Die Nachfrage aus Wirtschaft und öffentlicher Hand ist bereits zum Start hoch. Laut Stadtwerke-Sprecherin sind rund 80 Prozent der verfügbaren Rechenzentrumsfläche bereits vergeben bzw. befinden sich im Auftragseingang. "Je nach Kunde entspricht das etwa 400 Serverplätzen", sagte sie weiter. Angesichts des hohen Bedarfs planen die Stadtwerke bereits den nächsten Ausbau. Noch in diesem Jahr soll die Erweiterung starten, die Kapazität des Rechenzentrums wird dabei auf mehr als das Dreifache der heutigen Fläche anwachsen. Die Erweiterung reagiere auf den erhöhten Strombedarf der Computerressourcen der neuen Servergeneration, insbesondere für KI-Anwendungen. Daher rechnen die Stadtwerke derzeit mit einem Ausbau um rund 150 zusätzliche Racks, verbunden mit einer Leistungssteigerung der Stromversorgung um den Faktor 8, wie die Sprecherin beschrieb. "Der Ausbau ist Stand heute bis Ende 2027/Anfang 2028 vorgesehen." /hp

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