Spanischer Netzbetreiber nach Blackout in der Kritik
Madrid (energate) - Der massive Stromausfall auf der Iberischen Halbinsel am 28. April 2025 geht nach Einschätzung der spanischen Regierung auf Überspannung und eine Verkettung technischer Defizite im Stromnetz zurück - darunter fehlerhafte Abschaltungen, unzureichende Spannungskontrolle und mangelnde Koordination bei der Erzeugung. Zu diesem Ergebnis kommt der offizielle Untersuchungsbericht, den die spanische Ministerin für den ökologischen Wandel Sara Aagesen am 17. Juni in Madrid vorstellte.
Demnach sei es bereits am Vormittag des 28. April zu instabilen Netzbedingungen gekommen, unter anderem zu Spannungsschwankungen und Frequenzoszillationen. Gegen 12 Uhr sei die Situation eskaliert. Zwar habe der Übertragungsnetzbetreiber REE Gegenmaßnahmen eingeleitet, diese hätten aber unbeabsichtigt zu weiter steigenden Spannungen geführt, heißt es im Bericht. Schließlich sei es zu einer Kettenreaktion gekommen: Zahlreiche Erzeugungsanlagen hätten sich abgeschaltet, darunter auch solche, die gemäß Vorschrift hätten weiterlaufen müssen. Um 12:33 Uhr sei der sogenannte "cero eléctrico", der vollständige Systemausfall, eingetreten.
Auch Anlagenbetreiber in der Kritik
Kritisch bewertet der Bericht das Verhalten des spanischen Netzbetreibers Red Eléctrica de España (REE). Zwar habe REE im Rahmen der geltenden Vorschriften gehandelt, allerdings seien zahlreiche Maßnahmen zu spät erfolgt oder hätten nicht gegriffen. So sei beispielsweise der Anteil aktiv geregelter thermischer Kraftwerke mit Spannungskontrollfunktion am 28. April auf einem Jahrestief gewesen - nur elf Anlagen dieser Art waren in Betrieb. Nach ersten Spannungsschwankungen um 12:03 Uhr habe REE den Bedarf zusätzlicher Blindleistung identifiziert und den Start weiterer Anlagen veranlasst - diese seien aber nicht mehr rechtzeitig in das Netz integriert worden.
Zudem hätten mehrere Kraftwerke ihre Verpflichtung zur Spannungsregelung nicht erfüllt. Auch bei der Wiederherstellung der Stromversorgung nach dem Blackout habe es Probleme gegeben: Einige Umspannwerke waren nicht fernsteuerbar, das Personal musste vor Ort eingreifen. Anlagen mit sogenannter Autostart-Verpflichtung hätten nicht wie vorgesehen reagiert.
Cyberangriff ausgeschlossen - Maßnahmenpaket angekündigt
Ein gezielter Cyberangriff könne laut Aagesen als Ursache ausgeschlossen werden. Zwei unabhängige Expertengruppen - eine für Netztechnik, eine für Cybersicherheit - hätten keine Hinweise auf eine gezielte Manipulation gefunden. Es habe sich um die größte Cyberanalyse in der Geschichte Spaniens gehandelt, bei der über 300 GB Daten ausgewertet wurden.
Aagesen kündigte ein umfassendes Maßnahmenpaket an. Dieses solle neue Anforderungen an die Netzstabilität, bessere Koordination, Stärkung der Cybersicherheit und eine beschleunigte Integration von Technologien wie Batteriespeichern und netzbildenden Wechselrichtern enthalten. Zudem müsse die Vernetzung mit den Nachbarländern verbessert werden.
Solarbranche verteidigt sich
Unmittelbar nach Veröffentlichung des Berichts reagierten mehrere Solarverbände mit einer gemeinsamen Stellungnahme. Die Unterzeichner - darunter Unef, Apren, Solarpower Europe und die Global Renewables Alliance - erklärten, Solarenergie sei nicht die Ursache des Blackouts gewesen. Vielmehr sei der Vorfall ein Beleg dafür, dass das Management eines Stromsystems "ein komplexes und vielschichtiges Unterfangen" sei. Solarenergie habe prinzipiell die Fähigkeit zur Spannungsregelung - sei jedoch durch fehlende regulatorische Vorgaben daran gehindert worden.
"Dies ist ein Aufruf zu beschleunigten Investitionen in Netzresilienz und Systemflexibilität", heißt es in der Erklärung. Nötig sei insbesondere der Einsatz von netzbildenden Wechselrichtern und Batteriespeichern. Diese Technologien stünden bereit, würden aber bislang nicht systematisch genutzt. 2024 habe Spanien nur rund 250 MWh an neuen Batteriespeichern installiert - trotz 9.000 MW neuer PV-Leistung.
Für 2025 erwarten die Verbände einen Aufschwung, insbesondere im Segment großer Speicheranlagen. Entscheidend sei nun politisches Handeln. Solar werde laut Internationaler Energieagentur bis 2033 die weltweit größte Stromquelle sein, so die Verbände. Es sei ein Fehler, die Technologie als Risiko darzustellen, statt ihre Potenziale gezielt zur Stabilisierung der Stromversorgung zu nutzen. /mh