Smart-Meter-Rollout: Netze BW warnt vor "Marktversagen"
Stuttgart (energate) - Wie viele politische Initiativen stecken nach dem Ampel-Aus auch die geplanten Änderungen am Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) derzeit im politischen Nirgendwo fest. Das Bundeskabinett hat die Neufassung im Zuge der EnWG-Novelle zwar auf den Weg gebracht, doch ohne politische Mehrheiten ist die Verabschiedung ungewiss. Der Messstellenbetreiber Netze BW schlägt nun aufgrund der Ungewissheiten bezüglich des weiteren Smart-Meter-Rollouts Alarm. Im Interview mit energate erklärte Arkadius Jarek, Leiter Messstellenbetrieb bei Netze BW, er sehe die aktuelle Situation "mit großer Sorge". So sei beispielsweise vollkommen unklar, "welche Preisobergrenzen im kommenden Jahr gelten".
Erhöhung der Preisobergrenzen liegt auf Eis
Die aktuell geltenden Preisobergrenzen sind den Netz- und Messstellenbetreibern schon seit Längerem ein Dorn im Auge. Die Preisobergrenzen legen fest, welche Kosten der Messstellenbetreiber dem Netzkunden für den Einsatz eines intelligenten Messsystems in Rechnung stellen darf. Diese sind bislang aber so niedrig angesetzt, dass der Smart-Meter-Rollout für jeden grundzuständigen Messstellenbetreiber ein Verlustgeschäft ist. Die jetzige MsbG-Novelle hatte den Messstellenbetreibern eine Erhöhung in Aussicht gestellt - die nun aber nach dem Aus der Regierungskoalition auf Eis liegt.
"Ich sehe ein Risiko, dass wir ohne Anpassungen der Preisobergrenzen in ein Marktversagen hineinlaufen, wenn die Digitalisierung der Energiewende mit dem Fortschritt der Energiewende nicht mithalten kann", warnte Jarek nun. Die geplante Gesetzesnovelle bringe "wichtige Impulse", die einen auskömmlichen wirtschaftlichen Rahmen für Messstellenbetreiber sicherstellten, betonte er. Ohne diese wirtschaftliche Basis für den Messstellenbetrieb sei der Rollout "zum Scheitern verurteilt".
Schlechte Aussichten auf Verabschiedung
Jarek betonte, dass Netze BW in intelligenten Messsystemen grundsätzlich eine "wichtige Basis-Infrastruktur für die Energiewende" sehe, doch an eine Beschleunigung des Rollouts sei nicht zu denken: "Je mehr Rollout, desto größer der wirtschaftliche Schaden beim Messstellenbetreiber". Die Hoffnungen darauf, dass die angedachten Änderungen im MsbG noch in die Umsetzung kommen, sind in großen Teilen der Branche inzwischen gering. Aussicht auf eine Verabschiedung durch den Bundestag haben nach einhelliger Einschätzung politischer Beobachter allenfalls besonders kritische Gesetzesvorhaben. Dazu zählt die EnWG-Novelle, die auch die Neufassung des MsbG umfasst, wohl nicht.
Eine Erhöhung der Preisobergrenzen zum Jahreswechsel war für die Messstellenbetreiber auch deswegen von hoher Priorität, da ab dem kommenden Jahr der Einbau auf Kundenwunsch greift. Dann könnten die Rollout-Pläne der Netzbetreiber einen externen Impuls erfahren, der schwierig vorherzusehen ist. Jarek sieht Netze BW für diesen Einbauwunsch gut vorbereitet, die entsprechenden Prozesse seien "vollständig digitalisiert und massentauglich aufgestellt". Trotzdem sieht er "ein gewisses Risiko, dass sehr viele Kunden gleichzeitig mit dem Einbauwunsch auf uns zukommen". Das könnte die Verteilnetztochter des EnBW-Konzerns "kapazitativ überfordern". /rb
Das gesamte Interview mit Arkadius Jarek, Leiter Messstellenbetrieb bei Netze BW, lesen sie im heutigen Add-on Strom.