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Run auf KWK-Ausschreibungen - mit Preisrutsch

Bonn (energate) - Ausverkaufsstimmung bei den vorerst vorletzten KWK-Ausschreibungen der Bundesnetzagentur. Beide Runden mit dem Stichtag 1. Juni waren deutlich überzeichnet, beim Wettbewerb um innovative KWK-Systeme mit grünem Wärmeanteil kam es zu einem bemerkenswerten Preisrutsch. Dies geht aus den Auktionsergebnissen hervor, welche die Regulierungsbehörde jetzt vorgelegt hat. 

 

Nach zwischenzeitlich unterdeckten Runden dürfte der Endspurt bei den Ausschreibungen der ausschlaggebende Grund dafür sein. Denn die Uhr tickt für die Ausschreibungen durch das Ende 2025 auslaufende Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz. Der vorläufig letzte Gebotstermin wird am 1. Dezember stattfinden. "Wir können gerade beobachten, wie das Bieterfeld unter allen Umständen versucht, sich noch rechtzeitig Förderansprüche für bereits geplante Projekte zu sichern", sagte Christoph Benkert von der Unternehmensberatung Enervis zu energate. Zwar hatte es kurz vor der Neuwahl im Februar noch eine KWK-Novelle light über die Ziellinie geschafft. Diese betrifft aber nur die KWK-Förderungen außerhalb der Ausschreibungen, welche die mittelgroßen Anlagen im Bereich von 0,5 bis 50 MW abdecken.

 

Aggressive Gebote nahe den Mindestpreisen

 

Daher scheinen Unternehmen eher auf Nummer sicher zu gehen, um einen Zuschlag zu ergattern. "In der Konsequenz sehen wir aggressive Gebote - oftmals mit oder nahe an den individuell kalkulierten Mindestpreisen", ordnete Benkert ein. Der bescheidenste Bieter der iKWK-Runde, bei der ein grüner Wärmeanteil von mindestens 35 Prozent Pflicht ist, nahm unter 6 Cent in Kauf und damit die Hälfte des zulässigen Maximalpreises in Höhe von 12 Cent/kWh.

 

Den durchschnittlichen Zuschlagswert bezifferte die Bundesnetzagentur auf 7,15 Cent - im Vergleich zu 9,84 Cent in der letzten (Dezember 2024) und 11,25 Cent in der vorletzten Ausschreibung (Juni 2024). Gleich vier Zuschläge räumten die Stadtwerke Lübeck ab, die bereits Erfahrungen mit dem Auktionssystem haben und in der Vergangenheit auch schon eine Förderung für ihre Solarthermieanlagen gewonnen hatten. Ein Unternehmenssprecher konnte auf energate-Nachfrage noch keine konkreten Informationen zu den neuen Projekten nennen. Weitere Gewinner sind dieses Mal die Stadtwerke aus Hürth (NRW), Bad Kissingen (Bayern), Schwäbisch Hall (Baden-Württemberg) sowie die Ahrtal-Werke, die nach der Flutkatastrophe die Wärmeversorgung wieder aufbauen müssen. Die Leistung der Gewinnerprojekte summiert sich auf 25,340 MW und damit mehr als in der Vergangenheit. In Schwäbisch Hall ist für den Kraftwerksstandort Salinenstraße beispielsweise ein 4,5-MW-iKWK-Modul sowie ein 0,7-MW-KWK-Modul geplant - in Kombination mit einer Flusswärmepumpe und einer Power-to-heat-Anlage, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. 

 

KWK-Ausschreibungen dreifach überzeichnet

 

Auch bei der KWK-Ausschreibung war das Interesse riesig - was auch einem Sondereffekt geschuldet sei, erläuterte Andreas Görtz, Leiter Kompetenzteam Erzeugung Strom & Wärme bei der Aachener Unternehmensberatung BET, auf energate-Nachfrage. "Der strategische Bieter, der in der letzten Ausschreibung mit seinem 47-50-MW-Gebot bei einem Ausschreibungsvolumen von 25 MW die Zuteilung nahezu vollständig (2 MW) blockiert hat, hat für einen erheblichen Überhang gesorgt. Damit machte er zugleich klar, dass in den letzten beiden verbleibenden Runden ein Kampf um begrenzte Mengen stattfinden wird." 

 

Die Bundesnetzagentur vergab insgesamt 17 Zuschläge, 37 Gebote waren für erdgasbefeuerte BHKW in Bonn eingegangen und damit dreimal mehr als zuletzt. Die Zuschlagswerte reichen von 4,99 bis 6,38 Cent/kWh. Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert liegt bei 5,73 Cent/kWh und damit ebenfalls unterhalb der letzten beiden Ausschreibungsrunden mit 6,00 Cent/kWh sowie 6,51 Cent/kWh. Zur Erinnerung: Für gasbefeuerte KWK-Anlagen sind maximal 7 Cent zulässig. Einige Marktteilnehmer wie der Verband BNE kritisieren, dass fossile Systeme überhaupt noch gefördert werden.

 

Wie bei der iKWK-Runde gibt es auch bei der konventionellen Runde einen Gewinner mit gleich vier Zuschlägen: die Stadtwerke Gießen. Der Kommunalversorger hatte bereits in einer früheren Runde gewonnen - allerdings bei der iKWK für eine Flusswärmepumpe an der Lahn, die voraussichtlich im Sommer 2026 in Betrieb gehen soll. Die Investitionen in konventionelle Anlagen ergänzten sich gut und seien an bereits vorhandenen Standorten geplant, erläuterte eine Stadtwerkesprecherin auf Nachfrage. Die Stadtwerke setzten zudem auf die Möglichkeit, "grünes Gas" zu verwenden.

 

Letzte Runde wird voraussichtlich noch intensiver

 

Sollte es keine kurzfristige Anpassung des KWKG geben, wird in der letzten Runde zum Stichtag 1. Dezember 2025 ein ähnlich harter Wettbewerb erwartet. "Ein erfolgreicher Zuschlag wird dann keinesfalls zum Selbstläufer. Projektträger sollten sich frühzeitig und sorgfältig mit der Marktdynamik sowie der Wettbewerbssituation auseinandersetzen", empfiehlt Enervis-Berater Benkert. Auch der BET-Experte teilt die Einschätzung zu mehr Wettbewerb. "Viele Versorger haben erkannt, dass H2-ready-KWK-Anlagen weiterhin ihre Daseinsberechtigung im Fernwärmeversorgungssystem haben und einer Transformation nicht im Wege stehen, sondern diese eher im Zusammenspiel mit Großwärmepumpen begünstigen", so Görtz. Damit das positive Momentum aufrechterhalten werden kann, bedürfe es jedoch unbedingt einer Verlängerung des KWKG. Dies sieht auch die KWK-Branche wenig überraschend so. Die Bundesregierung habe bisher noch keine weiteren Angaben dazu gemacht, wie es weitergehen könnte, kritisierte der Präsident des Branchenverbandes BKWK Claus-Heinrich Stahl. /mt

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