Reiche hält am Redispatch-Vorbehalt fest
Berlin (energate) - Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat bekräftigt, den Ausbau der Erneuerbaren stärker an den Netzausbau anzugleichen. "Ich bleibe dabei: Die systemische Imbalance zwischen schnellem EE-Ausbau und Netzausbau, der nicht hinterherkommt, müssen wir auflösen", sagte die CDU-Politikerin auf der energiepolitischen Klausurtagung des Wirtschaftsrats der CDU. Die Tagung fand unter Chatham-House-Regeln statt. Die Impulse der Vertreter aus der Politik zur Eröffnung der Diskussionsrunden sind zitierfähig. Über die Inhalte der Panels darf berichtet werden, aber nur ohne die Aussagen konkreten Personen und Unternehmen zuzuordnen.
Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreite deutlich schneller voran als der Netzausbau. "Also müssen wir den Ausbau der erneuerbaren Energie, der gewollt ist und dessen Ausbauziele wir nicht korrigieren, mit dem Netzausbau synchronisieren", so Reiche. "Wenn ein Betreiber an einen überlasteten Netzeinspeisepunkt geht, muss er damit rechnen, dass er Baukostenzuschüsse zahlt, abgeregelt wird und dass ihm die abgeregelte Energie nicht auch noch entschädigt wird." Die Redispatch-Kosten seien mit drei Mrd. Euro nach wie vor zu hoch. Wenn diese Disparitäten nicht geregelt würden, stiegen die Systemkosten. Dies sei die größte Bedrohung für die Energiewende. Die Behauptung, dass die Regierung einen generellen Redispatch-Vorbehalt über das komplette deutsche Netz ziehen wolle, sei nicht richtig.
Ein Branchenvertreter teilte diese Einschätzung und sprach von einer extremen Anschlussknappheit im Netz. Das Reifegradverfahren helfe, löse aber das Problem nicht. "Denn das, was übrigbleibt, übersteigt das, was wir physikalisch realisieren können, um ein Vielfaches." Dabei seien die eigenen Ziele sehr ambitioniert. "Wir wollen 34 GW zusätzliche Anlagen bis 2029 anschließen." Damit werde die Netzanschlusskapazität in den nächsten vier Jahren mehr als verdoppelt. Die Betreiber von Erneuerbarenanlagen derweil sehen den EE-Ausbau durch die Pläne der Ministerin als stark gefährdet. Mehr als 2.000 Unternehmen unterzeichneten einen Appell für einen beschleunigten Erneuerbarenausbau als Reaktion auf die geleakten Vorschläge aus dem Bundeswirtschaftsministerium.
Gaskraftwerke unabdingbar
Auch beim Thema Gasversorgung blieb Reiche ihrer Linie treu. Die Schließung der Straße von Hormus erfülle die Regierung mit Sorge. Jedoch herrsche kein physischer Engpass, weshalb sich die aktuelle Situation nicht mit der Ukraine-Krise vergleichen lasse, sagte die Wirtschaftsministerin. Eine Ökonomin teilte diese Einschätzung. "Wir befinden uns noch nicht in einem Szenario wie Anfang 2022." Dennoch müsse die Entwicklung ernst genommen werden, auch weil wieder Kapazitäten durch Zerstörungen ausfielen. Es brauche Zeit, bis sich die Lage normalisiere.
Reiche betonte, dass es weiterhin Gaskraftwerke zur Sicherung der Versorgungssicherheit brauche. "Wenn man Kohle aus klimapolitischen Gründen nicht fortführt und Kernenergie nicht zurückkommt - zumindest nicht jetzt - dann braucht es eine Technologie, die verlässlich liefert", so Reiche. Das seien dann eben Gaskraftwerke. Die Grundsatzeinigung mit der Europäischen Kommission über Eckpunkte der Kraftwerksstrategie ermögliche Kraftwerke zu fairen Preisen. Dem werde ein technologieoffener Kapazitätsmarkt folgen. "Der wird 2027 und 2029 in Gebotswellen kommen", sagte Reiche. /sr