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PNE: Schlankheitskur im Kern - Industriekunden im Blick

Cuxhaven (energate) - Die PNE AG vollzieht einmal mehr einen Strategieschwenk. Der Cuxhavener Windkraftprojektierer will sich künftig als Dekarbonisierungspartner der Industrie in Stellung bringen. Zielkunden sind "nicht die BASFs dieser Welt", erklärte CEO Heiko Wuttke im energate-Interview. Im Fokus der noch im Entwicklungsstadium befindlichen Geschäftseinheit in Spe stehen "mittelständische produzierende Betriebe - die vielleicht inhabergeführt als Zulieferer für Großkonzerne arbeiten". Diesen will PNE mit einem One-Stop-Shop-Ansatz bei der Elektrifizierung der Produktion mit Ökostrom auf die Sprünge helfen, führte Wuttke aus - als Entwickler und gegebenenfalls auch Betreiber von PV-Anlagen und Großspeichern.

 

"Solche KMUs müssen nicht nur den CO2-Standards ihrer Großkunden gerecht werden", so Wuttke. "Hinzu kommt, dass generell strengere ESG-Vorschriften für Betriebe eine besondere Herausforderung darstellen." Nicht wenige würden dennoch eigene Dekarbonisierungsziele verfolgen, jedoch nicht über die Kapazität und das Know-how verfügen, dies neben dem Alltagsgeschäft zu realisieren, umriss Wuttke das Marktpotenzial. Ob sich PNE die heimische Industrie in dieser Weise als neue Kundengruppe erschließen kann, soll sich auch "in den kommenden zwölf bis 18 Monaten erweisen", blickte er voraus.

 

Wasserstoffpläne bis auf Weiteres "in der Schublade"

 

Der vormals als Zukunftsmarkt adressierte Wasserstoffhochlauf spielt in der neu justierten PNE-Strategie indes "zunächst" keine Rolle mehr, alle Konzepte rund um Planung und Bau von Elektrolyseuren verbleiben bis auf Weiteres "in der Schublade", so Wuttke weiter. Der 2024 und 2025 komplett neu aufgestellten Führung gehe es nicht darum, die PNE komplett neu zu erfinden. "Wichtig ist: Wir sind Projektentwickler und bleiben bewusst bei dem, was wir mit langjähriger Erfahrung können."

 

Die Hinwendung zum Geschäftsfeld Industriedekarbonisierung ist Teil des just selbst verordneten Effizienzprogramms mit dem Titel "Focus & Deliver". Kernziel sei PNE "schlanker und agiler" zu machen, stellte Wuttke klar. Allerdings ist besagte Schlankheitskur demnach nicht allein darauf ausgerichtet den Unternehmenswert für die Aktionäre zu maximieren. Vielmehr sieht Wuttke Deutschlands Projektentwicklermarkt generell unter akutem Konsolidierungsdruck. "Das ist die Aufgabe vor der wir als Branche 2026 stehen. Wer das zu spät angeht, gerät in Schwierigkeiten", mahnte er.

 

Konzentration auf "eine Handvoll" Windkraft und PV-Märkte

 

Tatsächlich sind einzelne Mitbewerber, die wie die Cuxhavener zur ersten Generation der Windparkentwickler in Deutschland gehören in Schieflage geraten und auch PNE beendete das vergangene Geschäftsjahr in der Verlustzone. Zur neuen "stringenten strategischen Ausrichtung" gehört deshalb auch, eine deutliche Konzentration im Projektgeschäft rund um Windkraft und PV. Allein im laufenden Jahr werde sich das Unternehmen voraussichtlich aus Kanada und der Türkei zurückziehen und ein Holzheizkraftwerk in Thüringen verkaufen, so Wuttke. Von weltweit 14 Projektierermärkten werde "eine Handvoll" übrig bleiben. 

 

Die Gründe für das "rauere Marktumfeld", mit dem sich Windparkentwickler wie PNE gegenwärtig konfrontiert sehen, beschrieb Wuttke als vielfältig. Ein Treiber sei der erfolgreiche Kampf der mittlerweile abgelösten Ampelregierung gegen den Genehmigungsstau bei der Onshore-Windkraft. Die verkürzten Genehmigungszeiten hätten sowohl "Masse als auch Menge an umsetzbaren Projekten" am Markt "dramatisch" verändert. Weil die Ausschreibungsvolumina damit nicht Schritt hielten, folgerte Wuttke, führte dies zum Preisverfall bei den seit November 2024 kontinuierlich stark überzeichneten BNetzA-Auktionen. Letzteres nahm BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek unlängst zum Anlass, um bei energate für schnelle Zusatzausschreibungen zu trommeln.

 

Somit seien Konkurrenz- und Preisdruck gestiegen. Gleichzeitig allerdings habe der Ukrainekrieg die Kosten der Branche für Komponenten verteuert, berichtete Wuttke. Obenauf habe die veränderte Diktion der gegenwärtigen Regierung rund um die Energiewende und das lange Warten auf geleakte oder angekündigte energiepolitische Weichenstellungen sowohl die Branche als auch Investoren verunsichertet. "Neue Gesetze sind nicht auf den Weg gebracht." Deshalb mangle es an Planungssicherheit, monierte Wuttke.

 

PNE auf dem Konsolidierungspfad "vor der Welle"

 

Dieser Gemengelage und der belasteten PNE-Bilanz zum Trotz sei PNE auf dem eingeschlagenen Konsolidierungspfad dennoch nach wie vor "vor der Welle", stellte er klar. Ebenjene Konsolidierung brachte das Unternehmen in die roten Zahlen: "Wir haben auf die gesamte Projektpipeline geschaut. Überall wo ersichtlich wurde, dass Projekte oder auch Märkte nicht so laufen wie sie sollten, haben wir Werte abgeschrieben.", führte er aus. Bereinigt um diesen Negativeffekt stand sein Unternehmen im "vergangenen Jahr besser da als 2024".  Positiv auf der Habenseite verbuchte Wuttke zudem die 2025 und 2026 erzielten Fortschritte im laufenden Projektgeschäft ebenso wie die Tatsche, mit allen Geboten bei den BNetzA-Ausschreibungen 2025  "zu 100 Prozent erfolgreich" gewesen zu sein. /pa

 

Lesen Sie im vollständigen Wortlaut-Interview, warum PNE als künftiger Dienstleister für Industriedekarbonisierung vor der Konkurrenz "nicht bange" ist, inwiefern die gegenwärtige Transformation im Unternehmen auch einen Kulturwandel erforderte und was der PNE-Chef in diesem Zusammenhang aus der Erfahrung bei ehemaligen Arbeitgebern wie Prokon mit nach Cuxhaven brachte. Das Interview lesen Sie im Add-on Mark & Industrie.

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