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Philippsburg wird Standort für Rechenzentrum

Philippsburg (energate) - Die Transformation des ehemaligen Kernkraftwerksstandorts Philippsburg schreitet weiter voran. Auf dem Gelände soll ein Rechenzentrum mit einer Leistung von 707 MW entstehen. Diese Pläne hat der Investor und Projektierer Wirth gemeinsam mit der Stadt Philippsburg im Philippsburger Gemeinderat präsentiert. Das Projekt firmiert unter dem Namen "Engrida", was eine Kombination aus Energy, Grid und Data darstellt. Die Stromversorgung erfolgt über die bestehende 380-kV-Schaltanlage des Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW am Standort, teilten die Unternehmen mit. Für die Bezugsleistung über 707 MW steht bereits ein Netzanschlussvertrag - und das in Zeiten immer knapper werdender Netzanschlusskapazitäten.

 

Netzanschluss: Eine der "wertvollsten Infrastrukturen"

 

"Mit dem Anschluss dieses ersten Rechenzentrums an das Höchstspannungsnetz von Transnet BW erreichen wir einen wichtigen Meilenstein: Wir bringen neue digitale Infrastruktur ans Netz und schaffen damit eine zentrale Voraussetzung für Wertschöpfung und Zukunftsfähigkeit in der Region Philippsburg", sagte Oliver Strangfeld, Mitglied der Geschäftsführung von Transnet BW.

 

Markus Wirth, Geschäftsführer der Wirth Gruppe, hob die Bedeutung des Standorts hervor. "Der Standort gehört uns seit über sieben Jahren, und für uns war immer klar: einen besseren gibt es nicht." Die bestehende Netzanbindung sei eine der "wertvollsten Infrastrukturen" Deutschlands, so Wirth weiter. "Es wäre volkswirtschaftlich kaum zu rechtfertigen, diese Höchstspannungsinfrastruktur nicht für die digitale Souveränität unseres Landes nutzbar zu machen."

 

Zugang zum Internetknotenpunkt Frankfurts

 

Für Philippsburg spricht auch die Anbindung an den Internetknotenpunkt DE-CIX Frankfurt. Die Nähe zu einem der zentralen Knotenpunkte der Welt ist für einen Rechenzentrumsstandort von herausragender Bedeutung. Ist die Latenz zu hoch, ist der Standort für zeitkritische Anwendungen uninteressant. Der Standort in Philippsburg verfügt jedoch über fünf physisch voneinander unabhängige Glasfaser-Leitungen, die im Nahbereich des Frankfurter Knotens verlaufen. Laut Informationen Wirths sei dies mit einem Standort im Frankfurter Zentrum zu vergleichen. Gleichzeitig verfüge Philippsburg über bessere Voraussetzungen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Fläche, Energie und Netzanschluss.

 

Das Rechenzentrum soll zukünftig über die anfallende Abwärme auch die Philippsburger Haushalte mit Wärme versorgen. Darüber hinaus loten Wirth Gruppe und Stadt aus, in welcher Form auch benachbarte Kommunen am nördlichen Oberrhein perspektivisch in die Wärmeversorgung eingebunden werden könnten.

 

Philippsburg wird Energiewende-Standort

 

Der ehemalige Kernkraftwerkstandort Philippsburg entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Energiewende-Standort. Der Standort beherbergt das Gleichstrom-Umspannwerk der Gleichstromleitung Ultranet, einem gemeinsamen Projekt der ÜNBs Amprion und Transnet BW. Der Energiekonzern EnBW traf Ende 2025 zudem den finalen Investitionsentscheid für einen 400-MW-Batteriespeicher mit einer Kapazität von 800 MWh auf dem Gelände. /rh

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