Ostwestfalen-Lippe will Energiewende-Vorreiterregion werden
Bielefeld (energate) - In den kommenden Jahren soll die Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) zu einem Vorreiter der Energiewende werden. Demnach will die Energiebranche in der Region mindestens 16 Mrd. Euro bis 2040 investieren, wie der Regionalverband Ostwestfalen-Lippe im Landesverband Erneuerbare Energien (LEE NRW) gemeinsam mit ortsansässigen Unternehmen mitteilte. "Die Klimakampagne OWL, die von mehr als 70 Kommunen getragen wird, hat beschlossen, dass der Regierungsbezirk Detmold Vorreiterregion in OWL für den Klimaschutz werden soll", erklärte Jürgen Wrona, OWL-Regionalvorsitzender im LEE NRW.
Mehr als 8000 MW an Wind- und PV-Leistung geplant
Mit rund 7 Mrd. Euro soll fast die Hälfte der geplanten Investitionen in den Ausbau von Windenergieanlagen fließen. Aktuell sind in der Region rund 1.000 Windräder mit einer Leistung von 2.099 MW installiert. Bis 2040 soll die Anzahl der installierten Anlagen auf 700 sinken, dank Repowering und Neubau die Leistung aber auf 4.200 MW steigen. Die Bezirksregierung Detmold hatte 14.000 Hektar in der Region für die Windkraft ausgewiesen. Eine große Rolle bei diesen ambitionierten Plänen zum Windkrafthochlauf will die Westfalen Weser Energie spielen. Der Regionalversorger plant seinerseits 1,5 Mrd. Euro in 31 Windparks mit 1.000 MW zu investieren, die bis Ende 2027 realisiert sein sollen.
Auch beim PV-Ausbau gibt es in der Region große Pläne. Bislang werde nur ein Viertel der verfügbaren Landesfläche für Photovoltaik genutzt, heißt es in der Mitteilung. Wie bei der Windenergie soll die Leistung auf 4.200 MW steigen, dafür sind 3,15 Mrd. Euro vorgesehen. Komplementär zum Ausbau von Wind- und PV-Leistung rechnet der regionale Batteriespeicherprojektierer Intilion mit einem Speicherbedarf von rund 14.400 Megawattstunden. "Wir rechnen in Ostwestfalen-Lippe mit Investitionen von rund 2,6 Mrd. Euro", so Marco Pape, Sales Manager bei der Intilion AG.
Bei der Wärmewende noch viel zu tun
Beim Thema Wärmewende setzt die Region aufgrund der überwiegend ländlichen Siedlungsstruktur auf dezentrale Strukturen ohne Wärmenetz. In nur rund 20 bis 30 Prozent des Gebäudebestands sei ein Wärmenetz vorgesehen, erklärten die Vertreter. Bielefeld verfügt über 260 Kilometer Wärmenetze und will die Anschlussquote verdoppeln. In Paderborn hingegen müsse quasi bei null angefangen werden. Insgesamt rechnet die Unternehmensallianz mit einem Investitionsbedarf von rund 2 Mrd. Euro für die Wärmewende in OWL.
Umrüstung statt Neubau von Biogasanlagen
Für Umrüstung statt Neubau warb Johannes Lackmann, Geschäftsführer bei dem Windprojektierer Hellweg Wind, beim Thema Biogasanlagen. "Gebraucht wird die Leistung nicht im Grundlastbetrieb, sondern komplementär zu Sonne und Wind." Derzeit gibt es in der Region rund 270 Biogasanlagen mit einer installierten Leistung von 108 MW. Ziel sei, diese Leistung mithilfe von größeren Motoren, Generatoren, Netzanschlüssen, Materiallagern, Gasspeichern und Wärmespeichern zu verfünffachen. Das Investitionsvolumen liege dabei bei 702 Mio. Euro. /rh