Neue Wege für die Wärmenetzfinanzierung
Halle (energate) - Die Förderbank KFW arbeitet an einem neuen Finanzierungsinstrument, damit Kommunen leichter an Fremdkapital für ihre Wärmewende kommen. Dies kündigte Gudrun Gumb, Abteilungsdirektorin Individual- und Kommunalfinanzierung, bei der dritten Jahrestagung des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW) an. Ziel sei es, ein Stück weit das Risiko von den privaten Banken wegzunehmen mittels einer "Haftungsfreistellung". Banken sollen künftig große Summen für neue Wärmenetze und Erzeuger bereitstellen, müssen aber ihre eigene Bilanzsumme und die Risiken für ihr Geschäft im Blick behalten. Details konnte Gumb bei der Tagung in Halle noch nicht nennen. Aktuell sei die KFW noch in der "Findungsphase" in enger Abstimmung mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE). Ein zweites neues Instrument werde die KFW bald zur Absicherung des Fündigkeitsrisikos bei der Geothermie auflegen.
Stephanie von Ahlefeldt, die neue für Wärme zuständige Abteilungsleiterin im BMWE, betonte die große Rolle der Kommunen bei der Wärmeplanung. Der Bund könne nur flankieren und koordinieren. An den Städten und Gemeinden liege es, die Menschen vor Ort mitzunehmen und "Geld in die Hand zu nehmen". Die Aufstockung der staatlichen Unterstützung durch die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) um "3 Mrd. Euro auf der gesamten Strecke" bezeichnete sie als "Quantensprung". Auch die "ergatterten 50 Mio. Euro" zur Absicherung des Fündigkeitsrisikos der Geothermie seien nicht zu unterschätzen. "Drücken Sie uns mal die Daumen, dass der Haushaltsausschuss im Bundestag das alles mitmacht", sagte sie bei der KWW-Tagung. Von Ahlefeldt, die erst seit 23 Tagen im Amt ist, bezeichnete sich als Neuling in der Wärme und räumte ein, dass sich Berlin mit Blick auf die gigantischen Summen, die auf die Kommunalversorger zukommen, noch mehr Gedanken machen müsse.
Kommunikation mit Banken muss intensiver werden
Uta Schlotfeldt, Leiterin Konzernfinanzmanagement der Stadtwerke Halle, machte die finanzielle Herausforderung anhand ihrer Stadt in Sachsen-Anhalt greifbar. Die Bilanzsumme des Kommunalversorgers mit 3.200 Beschäftigten liegt bei 1,7 Mrd. Euro. 1,2 Mrd. Euro an Investitionen müsse ihr Unternehmen für die Wärme-, Strom- und Verkehrswende in den nächsten zehn Jahren stemmen. "Bei einem Sachanlagevermögen von 1,3 Mrd. Euro heißt das, dass wir die Stadtwerke Halle quasi nochmal gründen", ordnete Schlotfeldt ein. Im Erneuerbarenbereich hat der Kommunalversorger bereits Joint Ventures gegründet, um das Risiko zu teilen. Er thesauriert Gewinne statt sie auszuschütten, nutzt die Innen- und Konzernfinanzierung, aber auch den Kapitalmarkt etwa über Schuldscheindarlehen. Gerade konnte sie lange Verhandlungen mit vielen Abstimmungsrunden zu einem Gesellschafterdarlehen von der Stadt Halle an die Stadtwerke abschließen, berichtete die Finanzexpertin.
Schlotfeldt, die durch ihre frühere Tätigkeit bei der Deutschen Kreditbank die andere Seite gut kennt, mahnte eine enge und transparente Kommunikation an. "Banken sind reguliert und brauchen gute Informationen, etwa Nachhaltigkeitsberichte, die für Stadtwerke und Städte oft nicht an erster Stelle stehen." In Halle würden die einzelnen Quartalsberichte nicht nur online übermittelt, sondern verbal persönlich erläutert, damit die Finanzinstitute das Zahlenwerk besser durchblicken. Eine Überforderung angesichts der 1,2 Mrd. Euro sieht sie nicht. "Zwar geben wir die in den nächsten zehn Jahren aus, aber finanzieren werden wir über 20, 25 oder vielleicht sogar 30 Jahre." Ein Teil komme über die Wärmetarife wieder hinein, ein Teil über öffentliche Mittel. Zudem könnten die Strom- und Wärmeerzeugungskosten auf lange Sicht durch die Transformation günstiger werden.
KFW-Abteilungsdirektorin Gump nannte bei der KWW-Tagung noch zwei andere wichtige Finanzierungsquellen. Zum einen den Ansatz, Fonds zu strukturieren, über die kleinere und mittlere Stadtwerke Zugang zum Kapitalmarkt bekommen können. Hier werde die KFW künftig vermutlich auch eine größere Rolle spielen. Zum anderen privates Kapital bei den Bürgerinnen und Bürgern einzusammeln - in ihren Augen eine große Chance im ländlichen Raum. "Das ist günstiges Kapital, denn wenn ich in meine Heizung investiere, habe ich andere Renditeerwartungen als internationale Player mit 10 bis 15 Prozent."
Kommunale Wärmeplanung macht Fortschritte
Das in der Deutschen Energieagentur (Dena) angesiedelte KWW mit Sitz in Halle übernimmt eine bundesweite Beratungsfunktion für alle Kommunen. Fast die Hälfte der Kommunen hätten sich bei der Wärmeplanung bereits auf den Weg gemacht, 450 Kommunen ihren Wärmeplan fertiggestellt, erläuterte Corinna Enders, Vorsitzende der Dena-Geschäftsführung. "10.000 Wärmewenden müssen bottom-up gestaltet werden", sagte sie in Halle. Besonders wichtig sei es, die kleinen Kommunen unter 10.000 Einwohner mitzunehmen und zu unterstützen, die 85 Prozent ausmachen.
Auch BMWE-Abteilungsleiterin von Ahlefeldt appellierte an die Kommunen, das strategische Instrument der Wärmeplanung zu nutzen. Bestenfalls sollten die Städte und Gemeinden in fünf Jahren Klarheit darüber haben, wie sie die klimaneutrale Wärmeversorgung auch bezahlbar und versorgungssicher erreichen. Die dafür nötigen Baustellen gelte es "mit Fassung zu ertragen". Aus ihren ersten Gesprächen nehme sie mit, dass auch Kostenreduktionen möglich seien, beispielsweise 20 bis 30 Prozent allein beim Tiefbau durch eine effizientere Planung. /mt