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München plant 15 Kilometer lange Supraleitung

München (energate) - Die Stadtwerke München (SWM) und der Kabelhersteller NKT wollen eine kilometerlange supraleitende Stromleitung errichten. Das Vorhaben baut auf einem Pilotprojekt mit einer circa 150 Meter langen Leitung auf. Nachdem der Test erfolgreich war, soll nun mit einer Länge von bis zu 15 Kilometern in München die weltweit längste supraleitende Hochspannungs-Stromverbindung entstehen, erklärte ein SWM-Sprecher gegenüber energate. Dafür haben die Projektpartner eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Gemeinsam wollen SWM und NKT so die Voraussetzungen für einen kommerziellen Betrieb schaffen. Für das Projekt hatte die SWM bereits 2020 eine Förderung bewilligt bekommen. 

 

Das vorangegangene Pilotprojekt war Oktober 2024 gestartet und dauerte rund neun Monate. Die Teststrecke bauten die Unternehmen anschließend wieder zurück. 

 

Supraleiter mit vielen Vorteilen

 

Bei Superlink handelt es sich um eine 110‑kV‑Stromverbindung. Das System ist darauf ausgelegt, 500 MW im engen städtischen Raum zu übertragen. Das zeigt: Ein Supraleiter kann mit einer sehr viel geringeren Spannung genauso viel Strom transportieren wie ein herkömmlicher Leiter. Beim Hochtemperatur-Supraleiter-System (HTS) kommt flüssiger Stickstoff zum Einsatz. Dieser kühlt das Keramikkabel auf etwa -200 Grad Celsius ab. Durch den dadurch fehlenden elektrischen Widerstand vermeidet das System elektrische Verluste nahezu vollständig. So ermöglicht das HTS hohe Übertragungsleistungen auf engstem Raum. Superlink adressiere Netzengpässe sowie die zunehmende Elektrifizierung im städtischen Raum. "In einem Supraleiter fließt der Strom - anders als in herkömmlichen Freileitungen oder Erdkabeln - nahezu ohne Verluste, und es entstehen keine elektromagnetischen Felder", erklärte SWM Projektkoordinator Peter Michalek.

 

Die Technologie bietet noch weitere Vorteile. Da natürliche Materialien zum Einsatz kommen, schont das System die Umwelt. Zusätzlich ersetzt ein Supraleiterkabel bis zu fünf herkömmliche Kabel, so Michalek. Die SWM haben sich für HTS aufgrund von zwei Herausforderungen entschieden: Zum einen muss der Versorger sein 110-kV-Kabelnetz modernisieren und zum anderen mehr Stromleistung in die Stadt bringen, also die Leitungen ausbauen.  

 

Technologie kompliziert und teuer

 

Da Supraleiter große Mengen elektrischer Energie transportieren können, wären supraleitende Kabel langfristig ideal, um große Strommengen über weite Distanzen zu übertragen, so die SWM. Bei den momentan benötigten Temperaturen sei ein überregionales Netz aus Supraleitern jedoch nicht wirtschaftlich. Die Verlegung der wärmeisolierten Röhren, in denen flüssiger Stickstoff den Leiter umspült, sei derzeit zu teuer und kompliziert.

 

In kleinerem Maßstab kann der Einsatz dieser Technologie allerdings sinnvoll sein, so die SWM. Schließlich sei die Technologie besonders platzsparend. Dafür führen die SWM ein Beispiel an: Ein 110-kV-Umspannwerk, wie es in regionalen Transportnetzen zum Einsatz kommt, habe die Größe einer Turnhalle. Für einen Supraleiter reichten zehn kV aus, dass Umspannwerk passe damit in eine Doppelgarage. Bislang gibt es in Deutschland nur wenige Supraleiter. In Essen beispielsweise nutzt Westnetz die Technik seit längerem. /sr

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