Milliardenschwere Kapitalspritze für Berliner Wärmewende
Berlin (energate) - Die BEW Berliner Energie und Wärme hat sich für die Wärmewende der Hauptstadt ein finanzielles Fundament geschaffen. In einer ersten Finanzierungsrunde erhielt der kommunale Versorger 1 Mrd. Euro - deutlich mehr als ursprünglich geplant, deutlich weniger als geboten. So hatte die BEW ihre Suche nach Finanzmitteln mit einem Kapitalbedarf von 700 Mio. Euro gestartet. "Wir haben bewusst ein Volumen von 1 Mrd. Euro aufgenommen - obwohl Angebote in Höhe von bis zu 1,4 Mrd. Euro vorlagen", sagte eine BEW-Sprecherin auf Nachfrage von energate. Grund sei vor allem, dass weitere Mittel aktuell nicht benötigt würden. Zudem seien die Konditionen günstig gewesen, weshalb das ursprünglich geplante Volumen ausgeweitet wurde.
Schlussendlich stellen acht verschiedene Banken, darunter nationale und internationale Groß- und Privatbanken, Landes- und Genossenschaftsbanken Kapital bereit. Um welche es sich genau handelt, ist nicht bekannt. Aufgrund der Vertraulichkeit werde hierzu keine Angabe gemacht, hieß es aus Berlin. "Die hohe Nachfrage und das Vertrauen der Banken haben uns gezeigt, dass viele Partner:innen bereit waren, uns zu begleiten", erklärte die Sprecherin weiter. Ein leichtes Polster sei zudem sinnvoll, um flexibel auf künftige Entwicklungen reagieren zu können. Zusätzliche bereitgestellte Mittel hätten trotz der sehr günstigen Konditionen zu vermeidbaren Kosten geführt - etwa durch Bereitstellungszinsen. Das Geld soll einerseits investiert werden, um die acht großen Heizkraftwerke und circa 100 Blockheizkraftwerke Richtung Klimaneutralität umzurüsten. Andererseits soll das Fernwärmenetz mit derzeit 100.000 Haushalten weiter wachsen. Geplant ist bis zum Ende der Dekade die Leistung von derzeit 100 MW zu verdoppeln.
Weitere Finanzierungsrunde geplant
Der Kapitalbedarf bis Ende März 2027 ist nun über die Brückenfinanzierung gesichert. "Wir sind finanziell solide aufgestellt, um die Transformation unserer Erzeugung konsequent voranzutreiben und Berlins Wärmeversorgung klimaneutral zu gestalten", erklärte Axel Pinkert, BEW-Geschäftsführer Finanzen. Mit der unerwartet schnellen und erfolgreichen Finanzierungsrunde stelle die BEW frühzeitig die Weichen für eine finanziell gesicherte Wärmewende in Berlin. Die Finanzierungsrunde sei innerhalb weniger Wochen abgeschlossen gewesen, ergänzte die Sprecherin. Für eine vollständige Transformation der Wärmeversorgung Berlins reiche dies aber noch nicht aus.
Parallel arbeitet die BEW an einem externen Rating, um künftig auch institutionelle Investoren anzusprechen. Bis 2030 wird ein Fremdkapitalbedarf von weiteren zwei Mrd. Euro erwartet. Daher sei eine weitere Finanzierungsrunde bereits in der Planung. Diese soll spätestens Ende des zweiten Quartals 2026 starten. Ziel ist es dabei, mit langfristigen Finanzierungen wie Fördermitteldarlehen, Schuldscheindarlehen oder Namensschuldverschreibungen die aktuelle Brückenfinanzierung abzulösen.
Neuer Dekarbonisierungsfahrplan für Q4 erwartet
Die BEW verfolgt das Ziel, den überwiegenden Teil der Transformation aus eigener Kraft zu finanzieren. Möglich wird das durch ein stabiles Geschäftsmodell und enge Verbindungen zu öffentlichen und institutionellen Kunden. Die Finanzierungskonditionen leisten ebenfalls einen Beitrag zu fairen Wärmepreisen für die Berliner, heißt es aus der Unternehmenszentrale.
Der Dekarbonisierungsfahrplan wird derzeit überarbeitet. Voraussichtlich im 4. Quartal 2025 wird eine aktualisierte Version vorgestellt. Bis 2045 soll die Wärmeerzeugung in Berlin vollständig klimaneutral sein. Um das zu erreichen, setzte die BEW auf einen breiten Mix innovativer Technologien und enge Partnerschaften mit Forschung und Industrie. "Nächster großer Zwischenschritt ist der vollständige Ausstieg aus der Kohlenutzung bis 2030", sagte die Sprecherin. Auch danach erwarte die BEW "stabile" positive Cashflows. Damit will sie ihre Verbindlichkeiten sukzessive zurückführen. Eine Eigenkapitalquote von 53 Prozent und eine starke Kapitaldienstfähigkeit bleiben laut Pinkert zentrale Säulen der Finanzstrategie.
Berlin Wärmewende erst seit Kurzem in öffentlicher Hand
Erst vor knapp einem Jahr wurde die Fernwärmeversorgung Berlins rekommunalisiert. Das Land Berlin hatte die Wärmeerzeugung und das 2.000 Kilometer lange Fernwärmenetz dem Konzern Vattenfall abgekauft. Dem waren ein langwieriges Bieterverfahren und mehrjährige Verhandlungen vorangegangen. Ursprünglich waren knapp 2 Mrd. Euro als Kaufpreis festgelegt worden. Nach Vorlage des Jahresabschlusses für 2023 und dem Abzug von Nettoverbindlichkeiten, einschließlich Pensionszusagen, reduzierte sich der Kaufpreis auf 1,39 Mrd. Euro. Der Berliner Finanzsenator Stefan Evers, CDU, bezeichnete den Kaufpreis damals als "faires Verhandlungsergebnis". /hp