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Mehr Wirtschaftlichkeit für E-Busse durch THG-Quote

Aachen (energate) - Durch die THG-Novelle schlagen sich Elektrobusse ab 2027 besonders positiv auf die Treibhausgasbilanz eines Unternehmens nieder. Positiv zugutekommt dies auch kommunalen Verkehrsbetrieben, die neben der Energiesparte auch noch im ÖPNV tätig sind und E-Busse betreiben. Diese begrüßten daher auf energate-Nachfrage die geplanten Änderungen.

 

Diese wirken sich unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen aus. So erklärten die Stadtwerke Ulm gegenüber energate: "Das macht unser Angebot, den ÖPNV mit E-Bussen zu betreiben, deutlich wirtschaftlicher." Warum das so ist, erläuterte ein Sprecher der Stadtwerke Osnabrück. Elektrobusse seien in der Anschaffung und im Betrieb nach wie vor kostenintensiver als konventionelle Fahrzeuge. Grund dafür seien insbesondere die hohen Investitionen in Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur. "Erlöse aus der THG‑Quote können helfen, diese Mehrkosten teilweise zu kompensieren", so der Sprecher. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erklärten ebenfalls, durch die Änderung werde sich die Wirtschaftlichkeit ihrer Busflotte erhöhen, zumindest, wenn nicht gleichzeitig die Betriebskosten anstiegen.

 

Nicht ausschlaggebend für Investitionsentscheidungen

 

Auch für die Aachener Aseag ist der Sondermultiplikator eine gute Nachricht. Das Unternehmen verwies aber darauf, dass die Erlöse in diesem Bereich erheblichen Preisschwankungen unterlägen. Zudem werde der Multiplikator im Preisverlauf auch wieder abgesenkt. "Für unsere strategischen Entscheidungen ist der Sondermultiplikator daher nicht ausschlaggebend", hieß es vom Unternehmen weiter. Maßgeblich blieben verlässliche Förderprogramme von Bund und Land sowie die Kosten für Fahrzeuge, Infrastruktur und Energie.

 

Auch die NEW mit Sitz in Mönchengladbach begrüßte die Anpassung der THG-Quote zwar grundsätzlich. Ausschlaggebend für die Investitionsentscheidung sei sie jedoch nicht. Für die NEW-Gruppe sei die Elektrifizierungsstrategie vielmehr ein zentraler Baustein auf dem Weg zu einem treibhausgasneutralen Unternehmen bis 2030. Bis dahin will die NEW entsprechend alle ihre Busse auf Elektroantrieb umstellen.

 

Vorreiter Osnabrück

 

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg: Bis zum Sommer will die NEW zunächst 89 ihrer insgesamt 257 Busse auf Elektroantrieb umstellen. Auch die BVG haben das Zieljahr 2030 für die vollständige Umstellung ihrer Busflotte auf Elektroantrieb im Blick. Bislang haben 280 der 1.500 Fahrzeuge einen Elektromotor, in einem nächsten Schritt bis Ende 2027 sollen es 550 sein. Deutlich weiter sind hier die Stadtwerke Osnabrück: 81 ihrer insgesamt 86 Busse fahren bereits heute elektrisch, die Quote liegt damit bei 94 Prozent.

 

In Ulm fahren bislang zwar nur 14 der insgesamt 75 Busse elektrisch. Diese Zahl wird aber bis Jahresende auf 51 steigen. Auch in Aachen soll die Anzahl der Elektrobusse im Jahresverlauf weiter wachsen. Derzeit fahren in der Kaiserstadt 92 Elektrobusse, bis Jahresende kommen 25 weitere dazu. Die restlichen der derzeit insgesamt 230 Busse fahren mit HVO 100, also mit Hydrotreated Vegetable Oil. Das ist ein nicht fossiler Dieselkraftstoff aus biologischen Rest- und Abfallstoffen. Auch in diesem Bereich will die Aseag acht weitere Busse kaufen, aufgrund der größeren Reichweite. 

 

Änderungen bei der THG-Quote

 

Hintergrund ist das jüngst beschlossene Zweite Gesetz zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote. Darin erhöhte die Bundesregierung die Minderungsverpflichtung auf 17,5 Prozent, was zu einem Preisanstieg führte. Gleichzeitig änderte sie die Berechnungsgrundlage für Elektrofahrzeuge. Für Elektrobusse und E-LKWs gilt demnach ab 2027 ein Sondermultiplikator von 4. Dieser sinkt danach schrittweise: auf 3,5 ab 2035, 3 ab 2036, 2,5 ab 2037, 2 ab 2038, 1,5 ab 2039 und schließlich 1 ab 2040. Elektro-PKWs starten zwar zunächst wie gehabt mit dem Faktor 3, dieser sinkt aber im Zeitverlauf schneller als zuvor geplant. /sd

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