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Mainova warnt vor Eingriffen in den EU-Emissionshandel

Frankfurt/Main (energate) - Mit Blick auf die Wärmewende zeigt die kommunale Energiewirtschaft wenig Verständnis für die aufgeflammten Diskussionen um den europäischen Emissionshandel. "Die konjunkturelle Lage hat zuletzt die Frage aufgeworfen, ob der skizzierte Entwicklungspfad bei den CO2-Preisen gehalten werden kann. Diese Diskussion sehen wir mit großer Sorge", sagte Michael Maxelon, Vorstandsvorsitzender des Frankfurter Energieversorgers Mainova, im Interview mit energate. Gerade aus der Industrie kamen jüngst Stimmen, die das etablierte Emissionshandelssystem infrage stellten. So hatte beispielsweise der Chef des Chemiekonzerns Evonik, Christian Kullmann, Anfang November den Emissionshandel für die schwierige Lage der deutschen Industrie verantwortlich gemacht. "Wir brauchen eine radikale Reform dieser CO2-Gebühr, keine zusätzlichen Belastungen", sagte er. Zuvor hatte auch die Industriegewerkschaft IGBCE für eine schnelle Reform des EU-Emissionshandels getrommelt

 

Fernwärme muss im Wettbewerb bestehen

 

Maxelon warnte vor Nebenwirkungen von CO2-Reformen im Wärmemarkt, denn die Wärmeversorgung ist indirekt durch die gekoppelte Stromerzeugung in das Handelssystem ETS 1 eingebunden. Die Transformationspläne in der kommunalen Wärmeversorgung gingen nur auf, "wenn die in unseren Planungen hinterlegten Preisansätze auch funktionieren", zeigte sich Maxelon überzeugt. Ohne klare Preissignale im Wärmemarkt "verharren viele Kunden bei bestehenden Lösungen", warnte er. Die Fernwärme sei zwar ein "starkes Instrument der Dekarbonisierung", sie stehe aber im Wettbewerb mit anderen Wärmeträgern. Wer sich für die Fernwärme entscheidet, "rechnet mit einem spitzen Bleistift und wägt gegenüber Alternativen ab", gab der Mainova-Chef zu bedenken.

 

Die Wärmewende in der Metropolregion Frankfurt ist eines der großen Zukunftsprojekte der Mainova AG. Bis 2029 entfallen rund 30 Prozent des eingeplanten Gesamtinvestitionsbudgets von 2,5 Mrd. Euro auf den Ausbau und die Transformation der Frankfurter Fernwärme. Neben dem Stromnetzausbau mit ebenfalls 30 Prozent bildet sie damit den größten Block. "Wir wollen zukünftig mit unserer Fernwärme bis zu 40 Prozent des Frankfurter Wärmebedarfs decken", kündigte Maxelon an. Noch basiert die Wärmeversorgung in der Mainmetropole zu zwei Dritteln auf Erdgas. Grüne Wärmequellen gebe es in Frankfurt jedenfalls genug: "Von der Abwärme aus Abwasser über Abwärme aus Rechenzentren bis zur Geothermie, von unserem gasbasierten Zukunftskraftwerk über Biomasse bis Müll. Wir ziehen all diese Möglichkeiten in Betracht."

 

Finanzierung als "zentrale Herausforderung"

 

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der ambitionierten Investitionspläne in der Wärmeversorgung sieht der Mainova-Chef in Finanzierungsfragen eine "zentrale Herausforderung der gesamten Branche". Maxelon begrüßte in dem Kontext ein neues Förderprogramm der hessischen Landesregierung, mit dem sie kommunalen Energieversorgern Nachrangdarlehen bereitstellt. "Das schafft weitere Handlungsspielräume für die Kommunalwirtschaft", zeigte sich der Stadtwerke-Manager einverstanden. 

 

Ungeachtet dessen sieht der Mainova-Chef den Frankfurter Versorger dank einer im vergangenen Jahr durchgeführten Kapitalerhöhung, die knapp 400 Mio. Euro eingebracht hat, "in einer vergleichsweise komfortablen Situation". Dennoch sei das Unternehmen "auf eine breite Palette an Finanzierungsoptionen angewiesen". Dazu gehörten "neben Fremdkapital und Förderkrediten auch Partnerschaften mit privaten Investoren". Zu letzterem verwies Maxelon beispielhaft auf das Joint Venture mit dem US-Investor Blackrock im Rechenzentrumsgeschäft. Im Juni 2024 hatte die Mainova die Mehrheit ihrer Tochtergesellschaft Mainova Webhouse an den Vermögensverwalter verkauft

 

Juristische Niederlage im Geschäft mit Rechenzentren

 

Von dem vergleichsweise jungen Dienstleistungsgeschäft mit Rechenzentren erhofft sich die Mainova Wachstumsimpulse. Der Aufbau von Rechenleistung sei ein stark wachsendes Geschäftsfeld, insbesondere im Frankfurter Raum, so Maxelon. "Diese Chance wollen wir als Mainova ergreifen." Auch von einem laufenden Rechtsstreit möchte sich der Versorger dabei nicht bremsen lassen. Das Verwaltungsgericht Frankfurt hatte im Mai in erster Instanz die mittelbare Beteiligung der Stadt Frankfurt an der Mainova Webhouse für rechtswidrig erklärt. Der Betrieb von Rechenzentren durch ein öffentliches Unternehmen verstoße gegen den Subsidiaritätsgrundsatz, wonach öffentliche Träger erst dann eingreifen sollen, wenn sich eine Aufgabe nicht marktlich organisieren lässt.  

 

Der Mainova-Chef gab sich im Interview mit energate unbeeindruckt: "Die Aktivitäten unserer Minderheitsbeteiligung laufen uneingeschränkt weiter." Der Rechtsstreit sei inzwischen in die nächste Instanz gegangen. Maxelon wies auch darauf hin, dass die Stadt Frankfurt die beklagte Instanz ist, nicht Mainova selbst. Darüber hinaus wolle er sich nicht zu dem laufenden Gerichtsverfahren äußern. /rb 

 

Das gesamte Interview mit Michael Maxelon, Vorstandsvorsitzender der Mainova AG, lesen Sie im Add-on Markt & Industrie

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