Zum InhaltZum Cookiehinweis

RSS Feed

Leipzig macht Tempo im Fernwärmevertrieb

Kassel (energate) - Die Leipziger Stadtwerke machen Tempo im Fernwärmevertrieb. Dank der Abwärme aus der Total-Raffinerie soll das Versorgungsgebiet stark wachsen. 300 Kilometer Netz sollen in Leipzig hinzukommen, der Fernwärmeanteil von 30 auf 50 Prozent steigen. "Wir krempeln den ganzen Vertrieb dafür um", erläuterte Jens Großmann, Leiter Team Wärme, bei den "Fachtagen Fernwärme" in Kassel. Vor zwei Jahren gab es noch einen Vertriebsmanager, der bei Kundeninteresse aktiv geworden ist, bei den Netzkollegen angefragt und die Vertragsgestaltung in die Hand genommen hat. Inzwischen geht es um Kaltakquise bei potenziellen Kunden, die noch nie etwas von Fernwärme gehört haben und womöglich das Vorurteil im Kopf haben, Fernwärme sei fossil und teuer. 

 

Leipzig priorisiert seine insgesamt 20 Fernwärmeausbaugebiete. In einem wird bereits gebaut, in vier weiteren ist die Kundenkommunikation gestartet. Etwa 5.000 Kundenanfragen gilt es zu bearbeiten. Heute sind etwa 80 Neuverträge pro Jahr das Übliche, bald sollen es aber doppelt so viele werden. Mittelfristig soll es in Richtung 400 gehen. Das Personal kann nicht im gleichen Umfang wachsen, daher setzt Großmann auf Automatisierung und ein gutes CRM-System.

 

Die Akquise muss mit viel Vorlauf geschehen, am besten mit dem Satz: "In zwei Jahren kommt die Fernwärme zu euch/Ihnen". Bei größeren Wohnungsgesellschaften ist die Kommunikation einfacher. Aber Wohnungseigentümergemeinschaften tagen in der Regel nur einmal im Jahr. Und für ein hohes Investment ist eine gute Kommunikation im Vorfeld nötig, damit die Entscheidung in der Sitzung fallen kann. Der Fernwärmeanschluss in Mehrfamiliengebäuden geht in den fünfstelligen Eurobereich, eine Förderung über die Bundesförderung für effiziente Gebäude ist bis zu 70 Prozent möglich.

 

Zehnjahresverträge für Planungssicherheit 

 

Der Spatenstich für den Bau einer 19 Kilometer langen Abwärmetrasse von der Raffinerie in Leuna nach Leipzig erfolgte im September 2025. Die Stadtwerke investieren dafür 170 Mio. Euro, Total Energies 60 Mio. Euro und weitere 90 Mio. Euro fließen aus Fördermitteln des Bundeswirtschaftsministeriums. Bei den hohen Kosten braucht der Versorger Planungssicherheit. Die Abwärme sei über einen Zeitraum von 20 Jahren gesichert, die Verträge mit den Kunden sollen eine Laufzeit von zehn Jahren aufweisen, so Großmann. Voraussichtlich 2028 werden die Leipziger ein neues Produkt anbieten, das die 40 Prozent Industrieabwärme plus Solarthermie abbildet. "Da bauen wir gerade eine neue Preisgleitklausel. Das ist eine ganz neue Herausforderung, weil es nicht mehr die klassische Kraftwerkserzeugung ist."

 

Aktuell spielt die Abwärme aus dem Braunkohlekraftwerk Lippendorf eine große Rolle im Fernwärmemix. Angesichts der im Zuge des Iran-Kriegs verdoppelten Erdgaspreise ist man in Leipzig darüber auch nicht unglücklich. Künftig wird die Großstadt die Wärmequellen deutlich erweitern, von fünf bis zehn Standbeinen sprach der Teamleiter. In Leipzig geht im Sommer Deutschlands größte Solarthermieanlage mit 65.000 Quadratmetern in Betrieb. Zwar ist der Anteil mit zwei Prozent am Fernwärmemix gering, aber die Wirkung für die Kundinnen und Kunden nicht zu unterschätzen: Wärmewende zum Anschauen vor Ort, Schafe sollen unter den Kollektoren grasen können, erläuterte Großmann. /mt

Zurück