KWK-Branche bringt sich bei Kraftwerksstrategie in Stellung
Essen (energate) - Die KWK-Branche fühlt sich bei der Kraftwerksstrategie noch zu wenig gesehen. Bei einem gemeinsamen Pressegespräch auf der Energiefachmesse E-world in Essen forderte der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (BKWK) daher gemeinsam mit dem Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) und dem Unternehmen 2G Energy AG die Bundesregierung auf, mehr auf dezentrale Technologien als auf fossile Großkraftwerke zu setzen. Vor gut drei Wochen hatte sich die Bundesregierung mit der EU-Kommission auf Eckpunkte für die geplante Kraftwerksstrategie geeinigt. Demnach sollen im ersten Schritt als Reserve Gaskraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 12.000 MW Leistung ausgeschrieben werden.
Laut den Verbändevertretern hätten dezentrale Anlagen an der Stelle mehrere Vorteile im Vergleich zu den Großkraftwerken, die bisher vor allem im Gespräch sind. Dazu gehört neben ihrer höheren Flexibilität in erster Linie der Zeitaspekt: Denn kleine Gasmotoren ließen sich schneller errichten und potenziell auf grünen Wasserstoff umrüsten. "Zumal die Auftragsbücher der großen Kraftwerksbauer eh schon voll bis unter die Decke sind", sagte Frank Grewe, Technikvorstand von 2G Energy. Sein Unternehmen baut KWK-Anlagen und seit 2023 auch industrielle Wärmepumpen. Jetzt möglichst schnell in die Umsetzung zu gehen, sei aber wichtig, denn die Bundesregierung habe schon viel Zeit verloren in Gesprächen mit Brüssel.
Welches Design werden die Ausschreibungen haben?
Ob bei den geplanten Ausschreibungen der Bundesnetzagentur auch kleine Anlagen zum Zug kommen werden, hängt vor allem am noch unklaren Ausschreibungsdesign. "Das muss dann schon entsprechend gestrickt sein", sagte BKWK-Hauptgeschäftsführerin Barbara Minderjahn. Welche Voraussetzungen der Verband sich an der Stelle konkret vorstellt, ließ sie auf energate-Rückfrage aber noch offen.
Auch Andreas Mundt, Chef des Bundeskartellamts, sieht Vorteile beim Einsatz dezentraler KWK-Anlagen anstatt weniger Großkraftwerke. Dies schränke in seiner Argumentation die Marktmacht und Möglichkeiten der Preisgestaltung der großen Stromerzeuger ein. Das sagte er beim Führungstreffen Energie im Vorfeld der E-world. "Die Ausschreibungen sind eine super Chance für mehr Wettbewerb", so Mundt. Auch er blickt gespannt auf das Design. "Wenn wir nur auf die Standorte setzen, die wir eh schon haben, ist das wie Handeln mit Zitronen", so der Kartellamtschef. Eine Strategie könnte etwa sein, das Ausschreibungsvolumen in Lose aufzuteilen, sodass die Bieter zum Beispiel nur maximal zehn Prozent des Ausschreibungsvolumens zugesprochen bekommen können. /ml