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Kritik an Chemnitzer Wärmeplan wegen Wasserstoff

Chemnitz (energate) - Die Stadt Chemnitz hat einen ersten Entwurf für die kommunale Wärmeplanung veröffentlicht und viel Kritik dafür eingesteckt. Noch bevor der Entwurf am 11. Dezember im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung vorgestellt wird, gab es kritische Stimmen auf der Social-Media-Plattform Linkedin. Auch die Linksfraktion im Chemnitzer Stadtrat zeigte sich irritiert. Stein des Anstoßes ist, dass weite, dezentrale Versorgungsgebiete als Wasserstoffprüfgebiete ausgewiesen sind.

 

"Ich bin schockiert", schrieb Mika Eckhardt, Mitglied des Chemnitzer Klimabündnisses, auf Linkedin zur kommunalen Wärmeplanung in Chemnitz. Zur Rolle von Wasserstoff in Gebäudeheizungen werde ein unrealistisches Bild gezeichnet, für die Erhöhung des Fernwärmeanteils auf über 60 Prozent gebe es nur schlechte Umweltpotenziale und das Wort Wärmepumpe komme in der zentralen Übersichtskarte gar nicht vor. Wer auf der Basis des Plans in eine H2-ready-Heizung investiere, drohe in eine Kostenfalle zu laufen, warnte Eckhardt.

 

Bezahlbare Wärmeversorgung in Gefahr?

 

"Die geplante massive Ausweitung der Fernwärme sowie die großflächige Ausweisung von Wasserstoff-Prüfgebieten stehen in einem klaren Widerspruch zu Wirtschaftlichkeits- und Sozialverträglichkeitszielen", kritisierte auch der energiepolitische Sprecher der Linksfraktion im Chemnitzer Stadtrat, Toni Späth. Das gefährde langfristig die Bezahlbarkeit der Wärmeversorgung in Chemnitz. Vor einer unbezahlbaren Wärmewende hatte das Chemnitzer Klimabündnis schon Anfang Dezember in einem Schreiben gewarnt.

 

"Was im Entwurf steht, widerspricht dem weitläufigen Konsens aus Wirtschaft, Forschung und Verbraucherschutz, dass grüner Wasserstoff nur in sehr geringen Mengen und bei absehbar hohem Bedarf - und damit sehr teuer - verfügbar sein wird", führte Späth aus. Hier sollte aus Sicht der Linken dringend nachgebessert werden.

 

Prüfgebiet ist kein Eignungsgebiet

 

Der Versorger Eins Energie aus Chemnitz wollte sich zur geäußerten Kritik auf energate-Nachfrage nicht äußern. Die kommunale Wärmeplanung sei Sache der Stadt. Von der Stadt heißt es, die Kritik sei bekannt. Die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in Chemnitz sei schwierig, weil die Ressourcen an erneuerbaren Energien sehr begrenzt seien. Die Behauptung, dass die Stadt Chemnitz vehement auf grünen Wasserstoff setzt, sei nicht zutreffend. Das erkenne man daran, dass eben keine Wasserstoffnetzausbaugebiete festgesetzt wurden, sondern Prüfgebiete.

 

Auch Max Peters von der GEF Ingenieurs AG hat sich mittlerweile auf Linkedin zu der Kritik geäußert. Das Unternehmen hat von der Stadt den Auftrag erhalten, den Entwurf zur Öffentlichkeitsbeteiligung zu erstellen. Laut Wärmeplanungsgesetz könnten Netzbetreiber für die Versorgung eines Teilgebietes die Versorgung über ein Wärme- oder Wasserstoffnetz vorschlagen. Das sei in Chemnitz geschehen. Für das Wärmenetz liege der vorgeschriebene Transformationsplan vor, der verbindliche Fahrplan für ein Wasserstoffnetz noch nicht. Es sei Sache der Stadt, die Vorschläge zu prüfen und entweder zu verwerfen oder zu übernehmen.

 

Wärmepumpen sinnvoll

 

Die Stadt hat sich, so heißt es auf Anfrage, "aufgrund vieler Unwägbarkeiten auch bezüglich der Änderung von gesetzlichen Grundlagen" und nach intensiver Beratung mit dem Planungsbüro GEF für Variante 3 entschieden. Das heißt: eine weitere Prüfung durch Vorlage der Planungsgrundlagen. Dieser rechtskonforme Weg sei nach dem Wärmeplanungsgesetz formal beschrieben und im Berichtsentwurf auch nachzulesen. Damit sei die Entscheidung zum Thema Wasserstoff praktisch vertagt. So lägen auch die Voraussetzung für den Einsatz umrüstbarer Gasheizungen nicht vor. Aus dem Planentwurf sei auch ersichtlich, dass in den Prüfgebieten kein Fernwärmenetz vorgesehen ist und damit eine dezentrale Lösung erforderlich ist. Hier seien Wärmepumpen sinnvoll.

 

Die Kritiker des Entwurfs haben zur Teilnahme an der Informationsveranstaltung am 11. Dezember aufgerufen. Den Entwurf zur kommunalen Wärmeplanung hat der Stadtrat im Ratsinformationssystem veröffentlicht. /tc

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