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Kommunalversorger: Grüner Wasserstoff für H2-Busse

Köln (energate) - Das Kölner Verkehrsunternehmen RVK wird für Deutschlands größte Wasserstoffbusflotte in die eigene H2-Produktion einsteigen. Wie Geschäftsführer Marcel Frank im energate-Interview erläutert, sprechen dafür nicht nur das Ziel nach mehr Unabhängigkeit, sondern auch finanzielle Vorteile: "Mit der Steuerung der Erzeugungszeiten im Zusammenhang mit einer puffernden Wirkung durch Speicherung von Wasserstoff in Druckbehältern können die besten Konditionen für Strompreise gezogen werden", sagte er. Ende April bestellte die RVK zwei ME450-Elektrolyseure beim Hersteller Quest One für den Standort in Mechernich in der Eifel. Täglich 450 kg hochreinen Wasserstoff will das Verkehrsunternehmen für eine neue Tankstelle herstellen, die voraussichtlich 2026 in Betrieb gehen wird.  

 

Reichweite und schnelles Tanken überzeugen

 

Die RVK hat bereits zehn Jahre Praxiserfahrungen mit Wasserstoffbussen gesammelt und "Kinderkrankheiten" unterschiedlicher Hersteller mitgemacht. Inzwischen sind die etwa 130 Busse "ein fester und verlässlicher Bestandteil unseres Fuhrparks", so der RVK-Geschäftsführer. Im Rheinisch-Bergischen Kreis, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Kreis Euskirchen sowie Rhein-Erft-Kreis sind die Strecken mitunter bergig. Bei der Alternative E-Busse fehlt dann bei niedrigen Temperaturen im Winter und Betrieb der Klimaanlage im Sommer die nötige Reichweite. Bei einem der Solaris-Gelenkbus-Typen mit einem zusätzlichen Fahrzeugteil seien dagegen 350 Kilometer erreichbar, erläuterte Frank. Auch die Betankungszeit von ca. 15 Minuten bei Gelenkomnibussen und unter zehn Minuten bei Kraftomnibussen spreche für den Wasserstoffeinsatz. Für die im Vergleich teurere Anschaffung der Fahrzeuge sind Fördergelder aus Nordrhein-Westfalen, vom Bund, aber auch aus der EU geflossen.

 

Bisher kombiniert das Kölner Verkehrsunternehmen die H2-Busse noch mit Batterieelektrik, Biomethan und Diesel. Bis zum Jahr 2030 sollen sich die Emissionen auf nahe null reduzieren. Die strengen EU-Vorgaben zur Stromversorgung der Elektrolyseure schrecken das Unternehmen nicht vor der Investition ab. "Wir sehen uns gut vorbereitet und erwarten keine großen Probleme, die Vorgaben zu erfüllen", sagte Frank. Andere Marktteilnehmer sehen ihre Projekte durch die Vorgaben gefährdet. Bisher will Brüssel, dass die Elektrolyseure an neue Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen angeschlossen werden (Zusätzlichkeit). Zudem soll der Strom vom Elektrolyseur zeitnah verbraucht werden (Gleichzeitigkeit). Neben preislichen Vorteilen bei der Eigenerzeugung will die RVK damit resilienter werden. Als Beispiel nannte Frank witterungsbedingte Fahrverbote von anliefernden LKW, die durch die Produktion vor Ort wegfallen.

 

Kommunalversorger setzen auf unterschiedliche Verkehrswenden 

 

Neben Köln setzt auch Rostock in ähnlichem Maße auf Wasserstoff. Die Rebus Regionalbus Rostock GmbH hat knapp ein Drittel ihrer 180 Busse auf H2-Antriebe umgestellt. Auch hier waren Fördergelder Voraussetzung. Für die Anschaffung von 52 Bussen - Kostenpunkt 34 Mio. Euro und weitere 6 Mio. Euro für Tankstellen - steuerte das Bundesverkehrsministerium etwa die Hälfte bei. Ebenso wie in Köln ist die Wasserstoffproduktion fest eingeplant. Das Unternehmen H2-Apex betreibt in Rostock bereits einen 2-MW-Elektrolyseur, hat aber mit dem Neubau einer 100-MW-Anlage deutlich mehr Leistung im Blick.

 

Ein anderes Beispiel sind die Wuppertaler Stadtwerke (WSW), die wie die RVK ebenfalls anspruchsvolle Strecken abdecken müssen. 32 neue Wasserstoffbusse hatte das nordrhein-westfälische Unternehmen auf seinem Betriebshof im Februar präsentiert. Rund 20 Prozent des Wasserstoffs werden im Müllheizkraftwerk der Abfallwirtschaftsgesellschaft Korzert produziert, der Rest stammt von einem externen Lieferanten.

 

Andere kommunale Verkehrsunternehmen schlagen unterdessen die entgegengesetzte Richtung ein. Die Stadtwerke Augsburg, die eine der bundesweit größten Biomethanflotten in Betrieb haben, stellen langfristig auf Elektromobilität um. Bis Ende 2039 will das Unternehmen die verbliebenen Biogasbusse ausmustern und schafft für den Übergang nochmals 14 neue Biogasbusse an. /mt

 

Das vollständige Interview mit dem RVK-Geschäftsführer Marcel Frank lesen Sie im heutigen Add-on Gas. 

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