Kommunale Gasspeichergesellschaft Epe geht komplett an MET
Epe (energate) - Das Schweizer Energieunternehmen MET übernimmt alle Anteile an der Kommunalen Gasspeichergesellschaft Epe (KGE). Mehrere Stadtwerke aus dem Ruhrgebiet ziehen sich aus dem Speichergeschäft zurück und verkaufen ihre Anteile in Höhe von insgesamt 75 Prozent. Auf energate-Anfrage führten die Sprecher aller verkaufenden Unternehmen gleich mehrere Gründe an: erhöhte Risiken durch die volatilen Gaspreise und Spreads, die staatlichen Füllstandsvorgaben, die den Speicherbetrieb anspruchsvoller machen, sowie neue Rahmenbedingungen und politische Diskussionen.
Es sei kein strategisches Geschäftsfeld mehr, hieß es unisono von den Versorgern. Darunter sind Gelsenwasser mit Sitz in Gelsenkirchen und die Dortmunder DEW 21, die jeweils 25 Prozent veräußerten. Die Stadtwerke Essen sowie Energie- und Wasserversorgung Mittleres Ruhrgebiet gaben jeweils 12,5 Prozent ab, letztere ist die Stadtwerke-Holding der Städte Bochum, Herne und Witten. Um sich Flexibilität zu sichern, müsse man keine Speicher betreiben, sondern könne Speicherkapazität buchen, bestätigte ein Marktteilnehmer die Perspektive der Verkäufer.
MET glaubt an Gasspeichergeschäft
MET war bereits 2020 mit 25 Prozent eingestiegen und hatte dafür das Gasspeicherportfolio der Frankfurter Gas-Union übernommen. Jetzt sind die Schweizer alleiniger Eigentümer. Zum Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben. Es geht um vier Kavernen mit einer Arbeitsgaskapazität von knapp 180 Mio. Kubikmetern. Jan Massmann, bei MET für das Gasspeichergeschäft in Deutschland verantwortlich, hat energate die Gründe für die Übernahme erläutert:
energate: Herr Massmann, andere Betreiber in Deutschland denken über Speicherstilllegungen nach, der niedrige Sommer-Winter-Spread macht den Speicherbetrieb unattraktiv, die Gasnachfrage in Deutschland geht zurück, die Winter werden wärmer. Warum übernimmt MET die KGE vollständig?
Massmann: Wir glauben, dass Flexibilität dauerhaft für die Energiemärkte gebraucht wird und ihren Preis finden wird. Aber auch wir nehmen Realitäten zur Kenntnis. Ein neuer Speicher ist komplett unwirtschaftlich. Aber bei zum guten Teil abgeschriebenen Speichern sieht das anders aus.
energate: Nutzt der Handel von MET die bisher von MET betriebenen Speicher und in Zukunft KGE weitgehend selbst, oder wird die Kapazität an Dritte vermarktet?
Massmann: Zurzeit ist der Speicher vollständig ausgebucht. Frei werdende Kapazitäten wird MET Epe Speicher, wie regulatorisch vorgegeben, dem Markt anbieten. Die Vermarktungsstrategie wird von der Geschäftsführung festgelegt. Die Schwestergesellschaft MET Speicher GmbH hat mit einer First-Come-First-Served-Logik gute Erfahrungen gemacht. Aber dies wird wie gesagt noch festgelegt und dann veröffentlicht.
energate: Das heißt, Ihr bisheriges Speichergeschäft ist profitabel?
Massmann: Sagen wir es so, unsere Erwartungen wurden erfüllt.
energate: Die ehemalige KGE bleibt als MET Epe Speicher eine eigene Gesellschaft?
Massmann: Ja, das war die einfachste Möglichkeit, das Geschäft weiterzuführen, da wir die ganze Gesellschaft kaufen. Ob wir das in Zukunft irgendwann ändern werden, ist noch offen.
energate: Wollen Sie noch weitere Speicher kaufen?
Massmann: Wir schließen weiteres Wachstum nicht aus. Wir glauben, dass Speicher dauerhaft Teil einer zuverlässigen Energieversorgung sind und sie in unserem inzwischen sehr umfangreichen und diversifizierten Portfolio ihren Wertbeitrag leisten können.
energate: Sind denn die Speicher Teil einer Deutschlandstrategie oder Teil der MET-Gesamtstrategie? Erdgasspeicher haben Sie ja nur in Deutschland...
Massmann: Sowohl als auch. Bei MET Group gehören die Gasspeicher zusammen mit den Kraftwerken und Batteriespeichern zur Gruppe der flexiblen Assets. Wir wollen auch in Deutschland entlang der Wertschöpfungskette weiter wachsen - nicht nur, aber eben gerne auch mit Gasspeichern.
energate: Und 2045 nutzen Sie dann die Speicher für Wasserstoff?
Massmann: Fragen Sie mich mal in zehn Jahren!
energate: Sie kaufen die Speicher mit der Erwartung, sie auch 2045 noch für Erdgas zu nutzen?
Massmann: Es ist aus unserer Sicht sehr gut möglich, dass wir auch noch in zwanzig Jahren Erdgas im größeren Umfang brauchen. Es wird eine Übergangsphase von Erdgas zu dem geben, was kommen wird. Wie die Phase aussieht und was kommen wird, wissen wir heute so genau nicht. Aber da liegt genau das Rational für die Übernahme. Als alleiniger Eigentümer eines Speichers können wir viel schneller und flexibler auf zukünftige Entwicklungen im Markt reagieren.
energate: Sie glauben, dass Sie auch 2045 noch Moleküle speichern werden? Andere Betreiber legen Speicher still.
Massmann: Es wird sicher einen Verdrängungswettbewerb geben, bei dem die teuersten Speicher aus dem Markt gehen werden.
energate: Und mit dem MET Speicher Epe sind Sie konkurrenzfähig?
Massmann: Wir gehen davon aus, dass wir bei den laufenden Betriebskosten konkurrenzfähig sind. Und die Fähigkeit, als alleiniger Eigentümer schnell reagieren zu können, ist ein Wert an sich.