KI steuert Energie für Dönerproduktion und Logistik
Bremen/Berlin (energate) - Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in das industrielle Energiemanagement. Ein aktuelles Beispiel liefert die Polat Dönerproduktion in Mönchengladbach (NRW). Gemeinsam mit dem Bremer Softwareunternehmen Flexality optimiert der Lebensmittelhersteller den Betrieb von Blockheizkraftwerken, Kälteanlagen und Wärmespeichern über die zentrale Plattform Fenoms. Dadurch kann der Dönerproduzent vorhandene Flexibilität gezielt zur Lastverschiebung nutzen und Strom bevorzugt in günstigen Preisphasen beziehen. Dafür eignen sich beispielsweise die Tiefkühllager in besonderer Form. Sie können innerhalb einer Temperaturspannweite fahren und so ihren Strombezug zumindest teilweise an den Preis anpassen.
Die Produktion von Polat umfasst 20 Kühl- und Tiefkühlräume, darunter auch Schockkühlung für die fertigen Dönerspieße. "Die Energieinfrastruktur umfasst eine installierte Leistung von rund 1,2 MW sowie energieintensive Kühl- und Tiefkühlprozesse mit einem jährlichen Energiebedarf im Gigawattstundenbereich", erklärte Christian Peterkes, Betriebsleiter der Polat Dönerproduktion GmbH. Nach Angaben der Unternehmen konnten durch die Implementierung der intelligenten Steuerung bereits Energiekosten um rund zwölf Prozent und CO2-Emissionen um etwa zehn Prozent reduziert werden. An einzelnen Tagen seien Einsparungen von bis zu 35 Prozent möglich gewesen.
Logistik setzt auf standortübergreifende Optimierung
Auch in der Logistikbranche gewinnt KI-gestütztes Energiemanagement an Bedeutung. Die Metro Logistics Germany GmbH setzt ebenfalls auf eine Flexibilisierungsplattform. Dafür führte Metro das System Flexon des Anbieters Encentive an allen deutschen Logistikstandorten ein. Das System erfasst Energieverbrauch und Photovoltaikerzeugung standortübergreifend und steuert unter anderem Kälteanlagen sowie die Ladevorgänge elektrischer Flurförderzeuge, die automatisiert in Zeiten mit günstigen Strompreisen oder hoher Eigenstromproduktion verschoben werden.
Dadurch lässt sich der Eigenverbrauch von Solarstrom erhöhen und Lastspitzen vermeiden. Kühlanlagen werden bei hoher PV-Erzeugung gezielt stärker betrieben, um thermische Reserven aufzubauen, während sie in Zeiten hoher Strompreise gedrosselt werden können. Als Pilotstandort dient Metro dabei der Standort Marl, bei dem die PV-Aufdachanlage mit 18 MWp optimiert wird. Das Konzept soll künftig auf die Standorte in Altlandsberg, Bergkirchen, Hamm, Kirchheim und Groß-Gerau übertragen werden.
Flexibilität wird zum Wettbewerbsfaktor
Auch das Bayernwerk nutzt das Flexibilisierungstool von Encentive und setzt dies in einer Brauerei in der bayerischen Marktgemeinde Zusmarshausen ein. Allgemein gewinnt die intelligente Nutzung vorhandener Flexibilität in der Industrie angesichts volatiler Strompreise, steigender Netzentgelte und wachsender regulatorischer Anforderungen zunehmend an Bedeutung. /hp