Kettenreaktion? - THG-Quotenhändler Emovy ist insolvent
Ettlingen (energate) - Im Bereich des THG-Quotenhandels scheint sich die Konsolidierung fortzusetzen. Der Markt steht seit geraumer Zeit unter Druck, auch als Nachwehen des massiven Preisverfalls der Treibhausgasminderungsquoten (THG). Nun hat mit der Emovy GmbH aus dem baden-württembergischen Ettlingen ein weiteres Unternehmen Insolvenz angemeldet. Der Händler von THG-Quoten hat jüngst beim zuständigen Amtsgericht Karlsruhe die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter sei der Mannheimer Rechtsanwalt Olaf Spiekermann, Partner der Kanzlei Brinkmann & Partner, bestellt, teilte das Unternehmen dazu mit.
Erheblicher Schaden durch Landwärme-Insolvenz
"Emovy ist ein solides, zukunftsorientiertes Unternehmen. Durch die Insolvenz eines Vertragspartners ist aber eine finanzielle Lücke entstanden, die das Unternehmen nicht auffangen konnte", erklärte Geschäftsführer Matthias Kerner zu der Schieflage seines Unternehmens. Er bezieht sich damit auf die Insolvenz des Biomethanhändlers Landwärme, die den gesamten Markt durcheinandergewirbelt und für viel Unruhe gesorgt hatte. Emovy sei auf Auszahlungen und Leistungen der Landwärme angewiesen, hieß es dazu weiter. Der Händler hatte im August 2024 Insolvenz angemeldet, die Auswirkungen sind bis heute zu spüren.
Emovy verkaufte frühzeitige große Mengen
Warum Emovy als Anbieter für die Vermarktung der THG-Quote von Elektrofahrzeugen und öffentlichen Ladesäulen überhaupt auf Landwärme als "Zwischenhändler" gesetzt hat, wird von Marktteilnehmern allerdings unterschiedlich bewertet. Tim Kimpel, Geschäftsführer und Mitgründer des THG-Quotenanbieters Carbonify, einem Konkurrenzunternehmen von Emovy, etwa sprach gegenüber energate von "rückblickend herausfordernden Geschäftsentscheidungen in einem seinerzeit schwierigen Marktumfeld".
Dazu gehört für ihn nicht nur die Zusammenarbeit mit der unter Marktteilnehmern in die Kritik geratene Münchener Landwärme. Denn Emovy hat laut ihrer offiziellen Kundenkommunikation schon im Herbst 2024, als der Marktpreis nahe den Tiefständen war, relevante Mengen an 2025er-Quote an Mineralölkonzerne verkauft. Derart frühzeitig entsprechende Mengen zu verkaufen, sei aus seiner Sicht sehr riskant gewesen, auch wenn die Handlungen vermutlich zur Absicherung vor einer weiteren Reduktion von Marktpreisen gedacht waren.
Emovy beklagt regulatorische Eingriffe
"Da unser Geschäftsmodell auf einem sicheren Quotenhandel mit Back-to-back-Geschäften basiert, haben wir bereits im Herbst 2024 Verträge mit Verpflichteten für das Jahr 2025 abgeschlossen, um unseren Kunden frühzeitig neue Angebote unterbreiten zu können", schreibt Emovy dazu in einem an seine Kunden gerichteten Mitteilung, die energate im Wortlaut vorliegt. Im November 2024 seien jedoch dann "unerwartet regulatorische Änderungen durch die Bundesregierung ohne jede Vorankündigung in Kraft getreten". Diese führten zu erheblichen Marktpreisschwankungen, die sich nachteilig auf die bereits für 2025 abgeschlossenen Handelsgeschäfte auswirkten.
Kimpel befürchtet Kettenreaktion
Dies hält auch Carbonify-Vertreter Kimpel grundsätzlich für problematisch. Hinzu kämen fehlende regulatorische Leitplanken, langwierige Zertifizierungsprozesse und volatile Preisentwicklungen - teils ausgelöst durch betrügerische Aktivitäten rund um gefälschte UER-Zertifikate. Das sorge allgemein für eine schwierige Marktlage. "Das bringt viele im Vergleich zu Carbonify kleinere THG-Quotenanbieter an ihre Grenzen und fordert derzeit Opfer unter verschiedensten Marktakteuren", so Kimpel. Als Beispiele nannte er neben Landwärme die Anbieter Green Air und Equota, die zuvor bereits in die Insolvenz gegangen waren. Dies belege aus seiner Sicht nochmals, wie riskant einseitige Abhängigkeiten seien. Auch die Folgen der Landwärme-Insolvenz für Emovy unterstreiche diese Problematik eindrücklich. Weitere Unternehmen könnten in einer Art Kettenreaktion davon mittelfristig betroffen sein.
Emovy ist vor allem auf die Vermarktung der THG-Quoten für Fuhrpark- und Flottenbetreiber sowie Ladesäulenbetreiber spezialisiert und verkauft sie dann an Mineralölkonzerne. Diese müssen in Deutschland ihre Treibhausgasemissionen, die sie durch das sogenannte Inverkehrbringen von konventionellen Kraftstoffen verursachen, jährlich um einen festgeschriebenen Prozentsatz (die THG-Quote) reduzieren. Dies soll den klimafreundlicheren Alternativen wie Grünstrom in E-Autos, Biodiesel, Biomethan oder Wasserstoff Auftrieb geben. Laut der gültigen Verordnung lassen sich bis zu 1,2 Prozentpunkte der THG-Quoten mit UER-Nachweisen erfüllen.
"Wir verfügen über ein tragfähiges Geschäftsmodell, das die Basis für einen nachhaltigen Neustart bilden soll", betonte Geschäftsführer Kerner dazu. Der Geschäftsbetrieb soll im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens weit möglich fortgeführt werden. Was das für die Kunden und laufenden Verträge bedeutet, ist noch unklar. Eine entsprechende Anfrage von energate blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.
Investorensuche gestartet
Der eingesetzte Insolvenzberater will jedenfalls laut eigenen Angaben in den kommenden Tagen die Optionen zur Restrukturierung des Geschäftsbetriebes prüfen und die Suche nach möglichen Investoren beginnen. Eine einfache Aufgabe wird das wohl nicht, zumal das gesamte Feld des THG-Quotenhandels als Folge der Betrugsskandale um gefälschte Nachhaltigkeitsnachweise an Ansehen eingebüßt hat und der Preisverfall viel Energiewendeprojekte ins Straucheln gebracht hatte.
Carbonify-Geschäftsführer Kimpel hofft im Sinne der etwaigen Schadensbegrenzung für Kunden von Emovy dennoch auf eine erfolgreiche Suche. Aber auch der Experte sieht das zuletzt gesunkene Vertrauen in den THG-Quoten-Markt. Was dahingehend helfen würde, wäre ein größeres Sicherheitsbewusstsein aufseiten der Anbieter, etwa über einen nachhaltigeren Quotenhandel sowie das Einsetzen von Instrumenten wie Sicherungsabtretungen und Treuhandkonten. "An der Stelle hat der Markt noch zu wenig gelernt", sagt Kimpel. Er betont, aber, dass ein verantwortungsvoller und risikoarmer Handel von THG-Quoten möglich sei. /ml