Zum InhaltZum Cookiehinweis

RSS Feed

Iqony Sens will Erneuerbaren-Portfolio vervierfachen

Essen (energate) - Das Essener Unternehmen Iqony (ehemals Steag) hatte im Juni seine Windkraft- und Solaraktivitäten unter einem Dach gebündelt. Das in dem Zusammenhang neu gegründete Unternehmen Iqony Sustainable Energy Solutions (Sens) hat große Wachstumspläne. Das Portfolio grüner Erzeugungsanlagen soll sich bis 2030 auf 1.000 MW vervierfachen. Das kündigte Joël Wagner, Geschäftsführer von Iqony Sens, im Interview mit energate an. Er sei zuversichtlich, das Ziel sogar noch früher zu erreichen. Zudem will sich Iqony Sens weitere Märkte erschließen - etwa die nordischen Länder und die Niederlande.

 

Iqony Sens wird zum IPP

 

Vor rund sechs Wochen hatte der Iqony-Konzern den Strategieschwenk seiner Erneuerbarensparte verkündet. Zusätzlich zum bisherigen Fokus, der Planung und Errichtung sowie der Betriebsführung von Windparks und PV-Anlagen für Dritte, positioniert sich die "grüne Schiene" der Steag seit Neuestem auch als sogenannter Independent Power Producer (IPP), also als Betreiber und Vermarkter eines eigenen Erneuerbarenportfolios. Dabei setze Iqony verstärkt auf Hybridanlagen, wie Wagner gegenüber energate erklärte: "Es wird künftig unsere Kernkompetenz werden, Wind und Solar zusammen mit Speichern zu koppeln." Er führte weiter aus, sein Unternehmen habe bereits einige der bestehenden Windprojekte, etwa in Brandenburg und in der französischen Region Grand-Est identifiziert, die es nun um Solaranlagen ergänzen will. "Die entsprechenden Flächen sind schon gesichert", so Wagner.

 

Vermarktungsstrategie ist länderabhängig

 

Die Vermarktung des dort erzeugten grünen Stroms sei von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland erfolgt sie in der Regel über den Trading Desk, der sowohl auf Direktvermarktung als auch auf Power Purchase Agreements (PPAs) setze. In Frankreich gebe es dagegen einen sehr attraktiven Einspeisetarif in einem Contract-for-Difference-System. In den nordischen Ländern und in Großbritannien dominieren PPAs. "Es ist wichtig, die Investitionen langfristig abzusichern, das gelingt häufig aus einer Kombination verschiedener Vermarktungsstrategien", führte Wagner weiter aus. Dazu könne auch eine Kopplung von Grünstrom an Industriekunden gehören, zu denen die Iqony-Gruppe einen guten Zugang habe. Zum Teil will Iqony Sens den Strom aber künftig auch selbst verbrauchen - etwa für die Elektrolyse von Wasserstoff im saarländischen Völklingen-Fenne.

 

Offshore kein Thema 

 

Beim Ausbau der Windenergie nimmt Iqony Sens laut Wagner verstärkt auch Bundesländer in den Blick, die auf diesem Feld bislang hinterherhinken - beispielsweise Baden-Württemberg. Der Bau von Offshore-Anlagen sei hingegen kein Thema für das neue Unternehmen. "Das haben wir uns lange angesehen, sowohl in Europa als auch in Asien, etwa in Taiwan", erklärte Wagner. Iqony habe sich aber in beiden Märkten dagegen entschieden. Stattdessen realisiere das Unternehmen lieber Projekte zwischen 20 und 80 MW. Denn diese Größenordnung eigne sich "für die Vermarktung in besonderer Weise", so Wagner. Dagegen seien Offshore-Anlagen in der Regel viel größer und "insofern außerhalb unseres strategischen Fokus". Die Anlagen finanziere Iqony Sens überwiegend mit Fremdkapital, beispielsweise im Verhältnis 80 zu 20.

 

Solarpaket bringt noch nicht erhofften Bürokratieabbau

 

Vom im Mai beschlossenen Solarpaket I zeigte sich Wagner im Interview nicht überzeugt. Es bringe zwar Erleichterungen mit sich, aber noch nicht den erhofften Bürokratieabbau, klagte er. "Die Genehmigungsverfahren in Deutschland müssten noch schneller werden", forderte Wagner. "Wir haben unterschiedliche Ansprechpartner in den Behörden und bei den Netzbetreibern, das bremst die Projektentwicklung regelmäßig aus", erläuterte er. Er sprach sich für bundesweit einheitliche Regelungen aus sowie eine maximale Laufzeit der Genehmigungsverfahren. Andere Länder machten dies besser. In Italien etwa würde automatisch die Genehmigung als erteilt gelten, wenn diese Maximalzeit abgelaufen ist. /sd /ml

 

Das vollständige Interview mit Joël Wagner finden Sie im Add-on Strom.

Zurück