Industrieverbände sehen Chancen durch Mercosur
Berlin (energate) - Der Industrieverband BDI und die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) haben die Zustimmung zum Mercosur-Abkommen begrüßt. "Das Abkommen bringt neue Absatzperspektiven für die Industrie, angrenzende Dienstleister und den Handel. Außerdem sichert es Lieferketten für die Energieversorgung und den Zugang zu Rohstoffen aus den Mercosur-Staaten", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier laut einer Mitteilung der DIHK. Das Abkommen sei zudem ein wichtiges Signal "an unsere Wettbewerber aus den USA und insbesondere China". Europa sichere sich seinen Platz im globalen Handel, "und zwar durch Marktöffnung, nicht durch Protektion". Angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sei die deutsche Wirtschaft darauf angewiesen, neue Märkte zu erschließen und langfristige strategische Partner zu finden.
BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner sagte, die Verabschiedung des Handelsabkommens sei "ein wichtiger Erfolg für die deutsche und europäische Wirtschaft". Unternehmen sparten durch das Abkommen rund vier Mrd. Euro jährlich an Zöllen. "Besonders wichtig ist der Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium und Kupfer etwa für Elektromobilität und erneuerbare Energien", so Gönner.
Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Sepp Müller, betonte, dass "wir" als Europäer schneller und besser werden müssten, "wenn wir den Anschluss an weiteren Märkten nicht verlieren wollen. Der nächste Schritt ist daher eine strategische Anbindung, vielleicht sogar ein Beitritt an das pazifische Freihandelsabkommen CPTPP."
Zustimmung im EU-Parlament erwartet
Dem Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay haben ausreichend Vertreter der 27 EU-Länder zugestimmt. Wann das Abkommen in Kraft tritt, ist noch nicht deutlich. Rechtlich könnte es bereits direkt nach dem Abschluss vorläufig angewendet werden, sogar noch vor einer ausstehenden Abstimmung im Europäischen Parlament. Zuletzt wurde allerdings erwartet, dass die zuständige EU-Kommission die Abstimmung abwartet. Die Zustimmung des Parlaments gilt angesichts der Zugeständnisse an die Agrarlobby als sehr wahrscheinlich. Die Unterzeichnung des Abkommens soll bereits in den nächsten Tagen erfolgen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa wollen dazu nach Paraguay reisen. /kij/dpa