Hinkender E-Mobilitätshochlauf beflügelt E-Fuels
Berlin (energate) - E-Fuels könnten ab 2046 den gesamten europäischen Bedarf an flüssigen Kraftstoffen decken, sofern ein beschleunigter industrieller Hochlauf zustande kommt. So das Ergebnis einer aktuellen Studie der E-Fuel Alliance, die gemeinsam mit der Porsche Consulting GmbH verfasst wurde. Ein oft befürchteter Verteilungskonflikt zwischen Luftfahrt, Schifffahrt und Straßenverkehr wäre damit aus Sicht der Autoren hinfällig. Der Konflikt sei auflösbar, sofern die Produktionskapazitäten wie in der Analyse modelliert wachsen.
Engpässe als Treiber für alternative Pfade
Ausgangspunkt der Studie ist eine potenzielle Schwäche der Elektrifizierung. Denn die Autoren nehmen an, dass die Ziele der Europäischen Kommission für batterieelektrische Fahrzeuge zunehmend unter Druck geraten. Gründe seien vor allem Engpässe bei kritischen Rohstoffen wie Lithium und Nickel sowie begrenzte Ausbaugeschwindigkeiten bei Infrastruktur und Energieversorgung. In einem angepassten Szenario würde sich der Hochlauf der Elektromobilität um mehrere Jahre verzögern, was eine dauerhaft höhere Nachfrage nach flüssigen Kraftstoffen zur Folge hätte. Genau hier setzen E-Fuels als ergänzende Option an, um die entstehende Dekarbonisierungslücke zu schließen, heißt es in der Studie. "Klimaziele könnten durch eine Beschleunigung des E-Fuel-Hochlaufs erreicht werden", beschreiben die Autoren.
Viele Projekte geplant - Umsetzung aber noch wackelig
Wie in der Studie aufgezählt, seien weltweit mehr als 500 Projekte angekündigt, rund 300 davon mit Fokus auf den Verkehrssektor. Insgesamt wurde bis 2030 eine globale Kapazität von bis zu 20 Mrd. Liter E-Fuels jährlich angekündigt. "Bis 2045 könnte der E-Fuel-Markt 200 Milliarden Liter Benzinäquivalent erreichen", so die Studienautoren. Auffällig sei die geografische und technologische Schwerpunktsetzung: Die Studienautoren identifizieren HIF Global als einen internationalen Vorreiter, daneben treiben aber insbesondere chinesische Akteure den Markthochlauf voran. Gleichzeitig dominiere E-Methanol klar das Produktportfolio mit 82 Prozent der angekündigten Kapazitäten und etabliere sich als vielseitig einsetzbarer "Plattformkraftstoff", da es zur Reduktion der Ölimportabhängigkeit eingesetzt werden kann.
Doch die Diskrepanz zwischen Ankündigung und Umsetzung bleibt erheblich. Der Großteil der Projekte befindet sich noch in frühen Entwicklungsphasen, und nur ein Bruchteil der geplanten Kapazitäten bis 2030 ist bislang finanziell abgesichert (6 %). Davon befindet der sich der Großteil im Bau, während ein kleiner Teil bereits in Betrieb ist. Aber vor allem das Erreichen finaler Investitionsentscheidungen erweise sich als zentrale Hürde für viele Projekte. Unsicherheiten im regulatorischen Rahmen sowie fehlende langfristige Abnahmeverträge bremsen Investoren und Projektentwickler gleichermaßen, verlauten die Autoren.
Studie lässt gewisse Risiken aus
In der Gesamtbetrachtung positioniert die Studie E-Fuels als strategisches Korrektiv einer möglicherweise langsamer verlaufenden Transformation. Selbst bei Verzögerungen im Hochlauf der Elektromobilität könne ein klimaneutraler Verkehrssektor bis 2050 erreicht werden, vorausgesetzt, die Produktion synthetischer Kraftstoffe wird konsequent skaliert. Dabei basiert die Argumentation wesentlich auf einer rein industriellen Machbarkeitslogik mit einer hohen Verfügbarkeit erneuerbarer Energien, global funktionierenden Lieferketten und stabilen Rahmenbedingungen. Politische, gesellschaftliche und geopolitische Risiken bleiben weitgehend ausgeblendet. /hp