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Hamburg wird Hafen für Flüssigwasserstoff

Hamburg (energate) - Hamburg soll zum Hafen für verflüssigten Wasserstoff werden. Im Rahmen des Hamburger Hafentags unterzeichneten MB Energy, Daimler Truck und Kawasaki Heavy Industries eine Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung einer Lieferkette für Flüssigwasserstoff (LH2) zwischen Japan und Deutschland. Im Rahmen der Vereinbarung wollen die drei Unternehmen ihre Kompetenzen bündeln und konkrete Studien durchführen. Ziel sei es, den kommerziellen Betrieb für die Versorgung mit Wasserstoff und verflüssigtem Wasserstoff Anfang der 2030er Jahre aufzunehmen.

 

"Wasserstoff kann zu einem zentralen Treiber der europäischen Energiewende werden, und Hamburg ist ideal positioniert, um Deutschlands wichtigstes Eingangstor zu werden", sagte Volker Ebeling, Senior Vice President New Energy, Supply & Infrastructure bei MB Energy. Der Mineralölhändler und -importeur firmierte bis 2025 noch als Mabanaft. "Wir kombinieren die Infrastruktur von MB Energy, unser Tankstellennetz und unsere Handelskompetenz mit Daimler Trucks im Bereich wasserstoffbetriebener LKW der nächsten Generation sowie Kawasakis Pioniertechnologien für Speicherung und den Transport von Wasserstoff", beschrieb Ebeling das Vorgehen. Auch mit dem norwegischen Produzenten Gen2 Energy hat MB Energy im vergangenen Jahr bereits den Import von LH2 vereinbart.

 

Daimler plant mit 100 LH2-Trucks

 

Daimler Truck setzt bei der Dekarbonisierung des Verkehrs neben batterieelektrischen auch auf wasserstoffbetriebene Antriebe. Das Unternehmen plant, ab Ende 2026 insgesamt 100 mit Flüssigwasserstoff betriebene Brennstoffzellen-LKW in Betrieb zu bringen. Die Serienproduktion ist für die frühen 2030er Jahre vorgesehen. "Die Skalierung von wasserstoffbetriebenen LKW in Europa im kommenden Jahrzehnt wird nur möglich sein, wenn eine zuverlässige und wettbewerbsfähige Versorgung mit flüssigem Wasserstoff sichergestellt ist", unterstrich Manfred Schuckert, Leiter Regulatory Strategy bei Daimler Truck, die Bedeutung der getroffenen Vereinbarung.

 

Die größte Herausforderung für die Wasserstofflieferkette liegt im Schiffstransport. Um Wasserstoff zu verflüssigen, muss er extrem heruntergekühlt werden, auf etwa minus 253 Grad Celsius. Kawasaki hat mit der Suiso Frontier ein erstes Schiff gebaut, das über einen speziellen vakuumisolierten, doppelwandigen Kryotank verfügt und rund 1.250 Kubikmeter LH2 transportieren kann. Das entspricht etwa 75 Tonnen. Es ist der weltweit erste kommerziell genutzte Wasserstofftanker.

 

Kawasaki baut weltgrößten Wasserstofftanker 

 

Eingesetzt wurde der Prototyp im Jahr 2022, um die Option einer Lieferkette für Wasserstoff zwischen Australien und Japan zu demonstrieren. Auch wenn die Pionierreise erfolgreich war, ist die Entscheidung zur Kommerzialisierung wegen Verzögerungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten im Projekt Hydrogen Energy Supply Chain (HESC) noch nicht gefallen. Die ursprüngliche Idee, den Wasserstoff in Australien aus Braunkohle mit CO2-Abscheidung (CCS) herzustellen, wurde fallengelassen. Stattdessen hat sich der Schwerpunkt hin zur Technologieentwicklung für Flüssigwasserstofftransport verschoben.

 

"Indem wir unsere Technologien für verflüssigten Wasserstoff nach Europa bringen, wollen wir die Nachfrage aus Industrie und Schwerlastverkehr unterstützen und dazu beitragen, einen skalierbaren internationalen Wasserstoffkorridor aufzubauen", erläuterte Kei Nomura, Executive Officer und General Manager der Hydrogen Strategy Division von Kawasaki Heavy Industries. Das Unternehmen glaubt an den Erfolg des LH2-Transports. Anfang 2026 vereinbarte Kawasaki mit der Betreibergesellschaft Japan Suiso Energy den Bau eines größeren Tankers mit einem Fassungsvermögen von 40.000 Kubikmetern. /tc

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